Die Zockerei mit Immobilien in Dubai ist vorbei

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Im Bau befindliche Wolkenkratzer in der Stadt Dubai am Persischen Golf im Emirat Dubai der Vereinigten Arabischen Emirate: Im Immobilienmarkt von Dubai konnten Zockertypen mit guten Nerven in den vergangenen sechs Jahren sehr schnell sehr reich werden. Foto: dpa

Dubai. Im Immobilienmarkt von Dubai konnten Zockertypen in den vergangenen sechs Jahren sehr schnell sehr reich werden. Herrschaftliche Villen und Luxuswohnungen in den glänzenden Wolkenkratzern der Handels- und Tourismusmetropole wechselten oft dreimal den Besitzer, bevor in dem Domizil der erste Umzugskarton ausgepackt wurde.

Büroraum in Dubai war an einigen Standorten teurer als in Manhattan. Die globale Wirtschaftskrise hat die Blase jetzt zum Platzen gebracht.

Die Preise für noch nicht fertiggestellte Immobilien in den Gebieten, in denen Ausländer Wohneigentum und Grundstücke erwerben dürfen, sind nach Schätzungen von Maklern seit dem Frühjahr 2008 um bis zu 70 Prozent gesunken. Die großen Immobilienkonzerne versuchen nun, die Krise zu meistern, indem sie einige noch nicht begonnene Projekte auf Eis legen.

Kunden, die bereits Geld dafür angezahlt haben, wird angeboten, in schon weiter fortgeschrittene Projekte einzusteigen. Doch obwohl die Preise für Häuser und Wohnungen in Dubai in den vergangenen drei Monaten massiv eingebrochen sind, bleiben die Mieten hoch. Viele Eigentümer nehmen lieber einen Leerstand in Kauf, als die Mieten zu senken.

Die Zahl der ausländischen Angestellten, die diese Immobilien mieten könnten, schrumpft, weil einige Firmen aufgrund der Krise Ausländer entlassen oder Verträge nicht erneuern. Wie bitter das Ende einer Karriere am Persischen Golf sein kann, bekam kürzlich ein Deutscher zu spüren, der seinen Job bei einer deutsch-emiratischen Firma in Dubai verlor. Die noch nicht fertiggestellte Immobilie, die er angezahlt hatte, um sie eines Tages mit seiner Familie zu beziehen, musste er mit großem Verlust verkaufen.

Wer seine Raten oder Bankkredite nicht pünktlich abzahlt, der landet in Dubai schnell im Gefängnis. Etliche Europäer, die in dem Emirat finanzielle Verpflichtungen eingegangen waren, haben deshalb in den vergangenen Monaten, nachdem sie ihre Jobs verloren hatten, fluchtartig das Land verlassen. Sie reisten mit kleinen Koffern aus. Einige von ihnen ließen ihre Autos am Flughafen stehen.

Da die Angst umgeht, dass Immobilienfirmen in Dubai Konkurs anmelden könnten, muss derjenige, der einen Zahlungsplan für den Kauf einer noch nicht fertiggestellten Immobilie unterschrieben hat, nun große Abschläge in Kauf nehmen, wenn er den Vertrag weiterverkaufen will. Einige Berater in den Emiraten bieten Käufern, die im Ausland leben, deshalb mittlerweile sogar an, in ihrem Auftrag regelmäßig zu den Baustellen zu fahren, um zu schauen, ob dort überhaupt noch gearbeitet wird.

Von der Krise im Immobilienmarkt profitieren kann nach Einschätzung des deutschen Beratungsunternehmens Gulfore mit Sitz in dem Emirat Ajman nur, wer jetzt mit Bargeld eine solide gebaute, bereits fertiggestellte Immobilie kauft, die er selbst privat oder gewerblich nutzen will. „Wer Bares hat, kann jetzt ein Schnäppchen machen”, sagt Firmenchef Stephan Lindenfeld.

Langfristig stehen die Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung in Dubai seiner Ansicht nach nicht schlecht. „In Dubai wurde die Spekulation mit Immobilien übertrieben, die Papiere wurden fast wie Aktien gehandelt”, sagt er. „Das wird jetzt korrigiert, aber die großen Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Bau der U-Bahn, gehen weiter.”

Die meisten ausländischen Berater raten den Entscheidungsträgern des Emirates nun, die Abhängigkeit Dubais vom Immobiliensektor zu reduzieren, in dem noch bis vor einigen Monaten fast die Hälfte der ausländischen Arbeiter und Angestellten beschäftigt war. Sie glauben, dass sich der Handel und der Tourismus schneller wieder erholen werden als der Immobilienmarkt.
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