Aachen - Die zehn gröbsten Fehler bei der Berufsunfähigkeit

Die zehn gröbsten Fehler bei der Berufsunfähigkeit

Von: Max Geißler
Letzte Aktualisierung:
Berufsunfähikeit
Beim Thema Berufsunfähigkeit gibt es viele Mythen, die eigentlich nicht zutreffen. Foto: dpa

Aachen. Die Gefahr der Berufsunfähigkeit betrifft jeden. Doch nichtsdestotrotz sichern sich nur wenige davor ab. Diese zehn Denkfehler sollten Sie vermeiden.

Denkfehler 1: Ich bin zu jung für Berufsunfähigkeit

Falsch! Unfälle oder Krankheiten sorgen dafür, dass jeder neunte Betroffene jünger als 40 Jahre ist. Vorteil in jungen Jahren: Geringe Beiträge. Eine garantierte Monatsrente von 1500 Euro gibt's zum Beispiel für einen 30-Jährigen bereits für weniger als 50 Euro im Monat, etwa bei Hannoversche, Canada Life und Gothaer Versicherung. Wer erst mit 40 einsteigt, muss mehr als 60 Euro hinlegen.

Denkfehler 2: Im Büro kann nichts passieren

Auch im Büro lauert Berufsunfähigkeit. So kann Bewegungsmangel aufgrund der sitzenden Tätigkeit zu Rückenproblemen führen. Die größere Gefahr geht allerdings von psychischen Erkrankungen aus: Stress, Überforderung, Mobbing -; die Ursachen für seelische Leiden können vielfältig sein. Jede dritte Berufsunfähigkeitsrente geht bereits auf psychische Erkrankungen zurück.

Denkfehler 3: Die gesetzliche Rente reicht völlig aus

Seit 2001 gibt es für die Geburtsjahrgänge ab 1961 keine Berufsunfähigkeitsrente mehr. Sie erhalten jetzt Erwerbsminderungsrente. Bei voller Erwerbsminderung gewährt der Gesetzgeber aber nur noch höchstens ein Drittel des letzten Bruttogehalts. Wenn Betroffene überhaupt eine Rente erhalten, rund die Hälfte aller Anträge werden regelmäßig abgelehnt. Die Leistungen sind bescheiden: Westdeutsche Männer erhielten zum Beispiel 2014 bei voller Erwerbsminderung im Schnitt 659 Euro Monatsrente ausgezahlt, ostdeutsche Männer 603 Euro. Bei Frauen war es andersherum: Ostdeutsche Frauen bekamen 662 Euro, westdeutsche 594 Euro. Damit liegen die Erwerbsminderungsrenten mehr als 300 Euro unter der vom Statistischen Bundesamt ermittelten, offiziellen Armutsgrenze von 979 Euro.

Denkfehler 4: Ich bin bereits gut versorgt

Ein Mythos, dem die Erbengeneration häufig unterliegt. Sicher, wer vermögend ist oder ein Häuschen von der Oma oder den Eltern geerbt hat, der steht finanziell gut da. Wer mit 47 berufsunfähig wird und dann bis Rentenbeginn mit 67 Jahren nicht mehr arbeiten kann, der benötigt viel Geld. So summieren sich beispielsweise monatliche Ausgaben von 1500 Euro innerhalb von 20 Jahren zu einem Vermögen von 360.000 Euro.

Denkfehler 5: Die Unfallversicherung reicht aus

Nur zehn Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle gehen auf einen Unfall zurück. In 90 Prozent der Fälle ist eine Krankheit für die Berufsunfähigkeit verantwortlich -; und da zahlt die Unfallversicherung nicht.

Denkfehler 6: Die BU-Rente wird mit Erwerbsminderungsrente verrechnet

Die Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente fließen auch bei Bezug einer privaten Berufsunfähigkeitsrente in vollem Umfang. Allerdings können neue Erwerbseinkünfte mit der gesetzlichen Absicherung verrechnet werden. Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt hingegen außen vor.

Denkfehler 7: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist teuer

Wie unter Punkt 1 gezeigt, ist ausreichender Schutz bereits für wenig Geld zu haben. Das gilt vor allem, wenn man in jungen Jahren einsteigt. Ist die veranschlagte Prämie zu hoch, kann eine geringere Rentenleistung den Beitrag drücken. Die meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen sehen vor, dass man später, wenn das Einkommen gestiegen ist, die Leistungen erhöhen kann. Eine zweite Möglichkeit bietet das Vertragssplitting. Dabei teilen Sie die Versicherungssumme auf zwei getrennte Policen auf. Die eine läuft dann beispielsweise bis zum 57. Lebensjahr und versichert 750 Euro Monatsrente. Die andere läuft bis zum 67. Lebensjahr und sichert ebenfalls 750 Euro ab. Vorteil: Bis 57 ist voller Berufsunfähigkeitsschutz sichergestellt, danach reduziert sich der Schutz um die Hälfte. Die kurzlaufende Police ist deutlich günstiger als die länger laufende. Endet die kurzlaufende Police überbrückt die zweite, teurere Police das finanzielle Loch bis zur Altersrente. Der geringere Schutzumfang ist in diesem Alter für die meisten Versicherten verkraftbar.

Denkfehler 8: Vorerkrankungen verschweigen

Hier sollten Sie vorsichtig sein. Zwar kann dies zu einer günstigeren Prämie führen, doch im Ernstfall wird der Vertragspartner Ihre Krankenakte sehr genau prüfen. Sollten Unregelmäßigkeiten zwischen Ihren Vorerkrankungen bzw. Ihren Gesundheitsangaben und den ärztlichen Dokumenten auftauchen, kann die Versicherung die Leistungen komplett verweigern.

Denkfehler 9: Ich bin jetzt schon alt

Das Risiko, berufsunfähig zu werden, wächst mit steigendem Alter. Erleiden Sie beispielsweise mit Ende Fünfzig einen Herzinfarkt und können nicht mehr arbeiten, kann dies ein teures Unterfangen werden. Denn werden Sie berufsunfähig, müssen Sie die Zeit bis zum Beginn der Altersrente aus eigenen finanziellen Mitteln überbrücken. Und das kostet, wie unter Punkt 4 gezeigt, sehr viel Geld.

Denkfehler 10: Berufsunfähigkeitsschutz nur in Kombination mit Lebensversicherung

Solche Angebote gibt es zwar noch immer, aber sie sind nicht zwingend. Heute haben alle Gesellschaften auch separate BU-Policen im Angebot. Tipp: Sinnvoll kann eine solche Kombination für Selbstständige sein, die eine Rürup-Versicherung abschließen wollen. Solche Verträge sind steuerbegünstigt. In diesem Fall kann bis zu 49 Prozent der Prämie in eine Berufsunfähigkeitsversicherung fließen, und der Schutz trotzdem als Steuersparmodell laufen.

Besser Vorsorgen ohne Mühe: Mit dem Altersvorsorge-Vergleich behalten Sie den Überblick und finden schnell und einfach günstige Anbieter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert