Die sechs häufigsten Fehler bei der Finanzierung

Von: Max Geißler
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Immobilienkauf
Jede Immobilienfinanzierung ist mit Restrisiken behaftet. Foto: dpa

Aachen. Beim Immobilienkauf sollte alles glatt gehen, umso wichtiger ist eine solide Kalkulation. Wer seine finanziellen Möglichkeiten falsch einschätzt, kann baden gehen.

Für die allermeisten Familien ist der Erwerb der eigenen vier Wände die größte Investition des Lebens. Die Höhe und Laufzeit des Darlehens erfordern größte Sorgfalt. Neben einem soliden finanziellen Hintergrund gehört eine ehrliche Kalkulation genauso dazu. Mit geschönten Angaben lässt sich keine solide Finanzierung stemmen. Bauherren sollten diese Fehler vermeiden:

Fehler 1: Finanzielle Möglichkeiten schönfärben

Die erste Maßnahme ist der Kassensturz. Das Ziel: den finanziellen Spielraum ermitteln. Dabei sollten nicht nur laufende Zahlungsverpflichtungen berücksichtigt werden, sondern auch ein Puffer für Unvorhergesehenes eingerichtet werden.

Dabei sollten auch jährliche Beitragszahlungen, so auch die Haftpflicht-, Hausrat- oder auch die Kfz-Versicherung Berücksichtigung finden. Gleiches gilt für Urlaubsreisen oder Neuanschaffungen. Einmalige Ausgaben und Finanzreserven sollten in jedem Fall nicht zu knapp angesetzt werden, damit nach dem Immobilienkauf die Haushaltskasse nicht überstrapaziert wird.

Fehler 2: Reserven vernachlässigen

Geht die Heizung kaputt oder platzt eine Rohrleitung, kann die Reparatur schnell teuer werden. Wer keine entsprechenden Rücklagen hat, läuft Gefahr dadurch ins Wanken zu geraten. Michiel Goris, Chef des Baugeldvermittlers Interhyp, empfiehlt seinen Kunden zwei Euro monatlich pro Quadratmeter Wohnfläche zurückzulegen.

Fehler 3: Blindes Vertrauen in die Hausbank

Käufer sollten nicht das erstbeste Kreditangebot ihrer Hausbank annehmen. Zwar sind die Zinsen derzeit niedrig und die Finanzierungskosten im langjährigen Vergleich besonders günstig, dennoch bringt ein umfassender Darlehensvergleich nochmals deutliches Sparpotential, so der Kreditexperte. Zum einen bieten Filialbanken nicht immer die besten Konditionen, zum anderen lässt die Standardfinanzierung kaum Spielräume zu.

Kostenlose Sondertilgungen, Tilgungssatzwechsel während der Laufzeit oder die Einbeziehung von KfW-Darlehen sind nicht überall selbstverständlich, so Goris. Der Biallo-Baugeldvergleich bringt die Zinsunterschiede ans Licht: Während etwa Santander, 1822 direkt und ING-Diba zehnjährige Finanzierungen für weniger als zweieinhalb Prozent Zinsen offerieren, müssen Kreditnehmer bei der Allgemeinen Beamtenkasse 4,81 Prozent Zinsen auf den Tisch legen.

Fehler 4: Geringe Anfangstilgung

Bei klassischen Baufinanzierungen ist eine Anfangstilgung von einem Prozent durchaus üblich. Bei dem derzeitigen Zinsniveau kommen dabei allerdings Laufzeiten von 50 Jahren und mehr raus. Interhyp-Chef Goris rät daher, den dank Niedrigzinsen erzielbaren Konditionenvorteil unbedingt in eine schnellere Schuldenfreiheit zu investieren. Wer anstelle von einem Prozent mit zwei Prozent beginnt, verkürzt bei einem Kreditvolumen von 100.000 Euro die Laufzeit um mehr als 13 Jahre. Der zusätzliche Mehraufwand hält sich mit weniger als 100 Euro pro Monat in Grenzen.

Fehler 5: Zu kurze Zinsbindung

Einige Käufer gehen davon aus, dass der optimale Hypothekenkredit eine Zinsbindung von zehn Jahren habe -; ein Irrtum. Die Dauer wird vielmehr vom Niveau der Hypothekenzinsen beeinflusst. Bei aktuellen Darlehenszinsen von leicht über drei Prozent für langlaufende Finanzierungen sollte besser eine Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren gewählt werden. Denn die Wahrscheinlichkeit steigender Hypothekenzinsen ist sehr groß. Daneben besteht nach zehn Jahren Kreditlaufzeit ein Kündigungsrecht.

Fehler 6: Keine Absicherung gegen Notfälle

Jede Immobilienfinanzierung ist mit Restrisiken behaftet. Verliert der Hauptverdiener seine Arbeitsstelle, wird krank oder verunglückt gar tödlich, ist der Traum vom eigenen Haus schnell vorbei, es sei denn, es wurde an den richtigen Risikoschutz gedacht. Bei hohen Kreditbeträgen ist die finanzielle Absicherung der Familie nicht zu vernachlässigen, rät daher Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

Eine Risiko- beziehungsweise Kapital-Lebensversicherung sowie eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit liefern hier den geeigneten Rahmen. Günstige Anbieter wie Allianz, Europa, Asstel oder die Hannoversche stellen einem 40-jährigen Mann 25 Euro im Monat in Rechnung, wenn sich dieser über 25 Jahre versichern möchte und dabei eine Todesfallleistung von 200.000 Euro wünscht. Eine Alternative bilden Restschuldversicherungen. Diese stellen einen umfangreichen Schutz, sind aber relativ kostspielig.

 

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