Die Macht des Haustiers

Von: rp
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Aachen. Tierliebe ist etwas Schönes. Und sie macht es leicht, großzügig zu sein, notfalls auch auf Kosten des klaren Verstandes. Der bettelnde Hund mit dem Silberblick bekommt schließlich doch ein Stück Schokolade, obwohl das nicht gesund ist.

Der Katze, die sich schnurrend im Bett zusammenrollt, während der Mensch aufstehen und auch bei Minusgraden zur Arbeit gehen muss, wird verziehen, während es dem Ehepartner angekreidet würde.

Die meisten fatalen Pannen in deutschen Aquarien lassen sich auf Überfütterung zurückführen, und so mancher Hamster hat einen Hindernisparcours im Käfig, von dem das Kind im Nebenzimmer nur träumen kann.

Nutztiere müssen sich ihre Existenz durch Abgabe von Milch, Eiern, Fleisch, Haut und Haar verdienen und haben trotz des hohen Preises meist wenig davon. Das Haustier hingegen soll vor allem Freude schenken.

Durch unverbrüchliche Treue kann sich auch ein Hund rechtfertigen, der nie den Ball zurückgebracht oder die Familie vor dem Hausbrand gerettet hat. Schönheit, Anmut, Würde oder Niedlichkeit entschuldigen Pfützen, Kratzer, Allergien und nächtliche Ruhestörungen.

Auch als Projektionsfläche für verborgene oder unerfüllte Sehnsüchte ihrer Besitzer müssen viele Haustiere herhalten. Dann symbolisieren sie beispielsweise deren verhinderte Mutterschaft oder geplatzte Freiheitsträume und ersetzen, was in der Menschenwelt versagt blieb. Die meisten Halter verwöhnen ihre Haustiere gern, aber nicht jeden Tag.

Familientiere haben Glück: Kinder lieben es, der Katze heimlich ein Stückchen Leberwurst abzugeben oder dem Hund eine Leckerei mitzubringen. An Verhalten und Aussehen der Tiere lässt sich am besten erkennen, wenn das vernünftige Maß überschritten wird.

In Europa kommen auf 740 Millionen Menschen rund 200 Millionen Haustiere. Laut einer aktuellen Marktstudie zum Heimtierbedarf gaben deren Besitzer im Jahr 2011 rund 25 Milliarden Euro für sie aus, das meiste für Hunde und Katzen.

Die mittelbare Kaufkraft der Zierfische, Reptilien oder Käfigvögel ist vergleichsweise gering, da sie weniger mit den Menschen kommunizieren: Ein Hund kann frohe Dankbarkeit äußern, eine Katze immerhin wohlwollend blicken, aber der Guppy bleibt kühl.
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