Die ganz persönliche Energiewende

Von: Sabina Fischer und Horst Biallo
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Energie aus Sonnenkollektoren:
Energie aus Sonnenkollektoren: Das ist klassischer Ökostrom. Der Begriff ist allerdings nicht geschützt. Foto: Stock/Jochen Tack

Aachen. Seit der Kernkraft-Katastrophe in Japan erlebt Ökostrom einen Boom. Von bis zu 1600 Neukunden pro Tag allein übers Internet berichtet Tim Loppe vom Ökostrom-Anbieter Naturstrom. Oft ist Ökostrom sogar günstiger als der Basistarif des Grundversorgers. Doch nicht bei jedem Tarif investieren Verbraucher in die Energiewende. Worauf müssen Wechselwillige achten?

Was ist Ökostrom? Ökologisch erzeugter Strom wird aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser, Biomasse oder Erdwärme gespeist - in Abgrenzung zu Strom aus Kernkraft, Kohle und Erdöl. Der Begriff Ökostrom ist jedoch nicht geschützt. Im schlechtesten Fall handeln Anbieter nur mit vorhandenem Ökostrom. „Aus unserer Sicht entscheidend ist, dass mit dem Öko-Stromangebot neue Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien gebaut und konventionelle Anlagen verdrängt werden”, sagt Dominik Seebach, Energieexperte am unabhängigen Öko-Institut.

„Echten” Ökostrom erkennen: Damit Verbraucher „echten” Ökostrom erkennen, gibt es verschiedene Siegel. Strenge Maßstäbe legen das „OK-Power”- und das „Grüner-Strom-Label Gold” an sowie die Liste „EcoTopTen” des Öko-Instituts. Achtung: Ein Siegel kann auch ein Ökotarif eines AKW-Betreibers bekommen. So ist beispielsweise „Mein Öko Tarif Strom” von „E wie einfach” - einer 100-prozentigen Eon-Tochter - mit dem OK-Power-Label zertifiziert. Wer solche Angebote ablehnt, sollte auf die Unternehmen setzen, die nur Ökostrom anbieten. Die vier größten Anbieter sind Lichtblick, Naturstrom, Elektrizitätswerke Schönau und Greenpeace Energy.

Tarifwahl: Welche Ökostromtarife am Wohnort verfügbar sind, lässt sich am leichtesten über Internet-Vergleichsrechner ermitteln. Genau hinsehen sollte man, ob bei der Preisberechnung ein einmaliger Bonus eingerechnet ist, der im Folgejahr wegfällt. Von Festpreisangeboten, Tarifen mit Vorauskasse oder Kaution raten Verbraucherschützer ab. Zudem sollten im Preis alle Bestandteile (Grundpreis, Verbrauchspreis, Netzentgelte, Steuern etc.) einkalkuliert sein. Die Laufzeit sollte nicht länger als ein Jahr und die Kündigungsfrist maximal drei, besser noch einen Monat betragen. Vorteilhaft ist zudem eine Preisgarantie.

Kosten: Ökostrom kann sogar günstiger sein als viele Grundversorger-Tarife. Beispiel: Eine vierköpfige Familie in Recklinghausen mit 4000 Kilowattstunden (kWh) Stromverbrauch pro Jahr zahlt bei ihrem Grundversorger RWE jährlich 1068,62 Euro (Tarif „Klassik Strom”). Den günstigsten TÜV-zertifizierten Ökostrom gibt es bereits für 898 Euro bei den Stadtwerken Herne („Strom von nebenan”), bei Naturstrom kostet er 995,40 Euro (TÜV, Grüner-Strom-Label Gold) - beide deutlich günstiger als RWE.

Wechsel: Wer wechseln will, erteilt dem neuen Anbieter eine Vollmacht, den alten Tarif zu kündigen. Im Grundversorgertarif beträgt die Kündigungsfrist einen Monat, ansonsten auch länger. Geht beim Anbieterwechsel etwas schief, steht dennoch niemand ohne Strom da. Denn die Grundversorger sind zur Lieferung verpflichtet.
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