Aachen - Die Ehe gescheitert, die Immobilie gerettet

Die Ehe gescheitert, die Immobilie gerettet

Von: Fritz Himmel
Letzte Aktualisierung:
14694801.jpg
Was passiert mit dem gemeinsamen Reihenhäuschen, wenn die Ehe gescheitert ist? Bei Immobilien geht es meist um viel Geld und langfristige Verpflichtungen. Foto: dpa
14648872.jpg
Getrennte Wege: Nach einer Scheidung muss geklärt werden, was mit einem gemeinsamen Haus passiert. Foto: dpa

Aachen. Meist geht es nach einer Trennung nicht nur darum, wie hoch die Schulden, geleistete Zahlungen und der Wertzuwachs der Immobilie während der gemeinsamen Jahre waren.

„Zu klären ist meist auch, ob und welcher der Partner das Eigenheim weiter bewohnt, wer Kreditraten, Steuer, Versicherung und die übrigen Nebenkosten zahlt, ob die Grundbucheintragung geändert oder die Immobilie im Zuge des Zugewinnausgleichs doch verkauft werden muss“, sagt der Rechtsanwalt Tim Schauss. Klare Verhältnisse herrschen im Grunde nur, wenn das Paar eine Aufteilung von Gütern und Vermögen in einem Ehevertrag vereinbart hat.

Die Mehrheit der Ehepaare lebt jedoch im Status der Zugewinngemeinschaft. Bei einer Scheidung wird hier durch einen Vergleich des Anfangs- und Endvermögens bei jedem Ehepartner ermittelt, welcher den höheren Zugewinn während der Ehe erwirtschaftet hat. „Derjenige mit dem höheren Vermögenszugewinn muss die Hälfte der Differenz an den anderen auszahlen“, sagt Dominik Hüren von der Bundesnotarkammer. Bringt ein Partner eine Immobilie in die Ehe mit, ist bei der Scheidung hierfür kein Ausgleich zu leisten. Jedoch fällt der Wertzuwachs in seinen Zugewinn.

Haben die Ehepartner gemeinsam die Immobilie während der Ehe angeschafft und sind beide im Grundbuch als Eigentümer eingetragen, gehört jedem die Hälfte.

Immobilie verkaufen: Der einfachste und sauberste Weg wäre, beide entschließen sich zum Verkauf und teilen den Erlös gleichermaßen. Gleichzeitig lassen sich Verbindlichkeiten damit tilgen.

Immobilien-Anteil an den Ehepartner übertragen: Will einer der beiden die Immobilie alleine behalten und weiterhin bewohnen, so muss er dem anderen eine Abfindung zahlen, die sich am Marktwert des Objekts und an dem beurkundeten Eigentumsanteil bemisst. In diesem Fall sollte der abgebende Partner darauf achten, dass er aus allen Verträgen und dem Grundbuch gestrichen wird.

So kann er nicht mehr in Haftung genommen werden. Bei der Immobilienübertragung gilt es, auf den richtigen Zeitpunkt zu achten. „Scheidungspaare sollten bedenken, dass bei Eigentumsübertragungen auch Grunderwerbsteuer fällig wird“, sagt Anwalt Schauss. Die beträgt 2017 in einigen Bundesländern bereits 6,5 Prozent des Verkehrswertes, so dass schnell mehrere Tausend Euro allein für die Grundbucheintragung fällig werden. „Da Eheleute von der Grunderwerbsteuer befreit sein können, sollte die Frage der Übertragung möglichst frühzeitig geklärt werden.“

Scheidungsurteil: Ohne einvernehmliche Einigung entscheiden letztlich die Gerichte. Es droht die Versteigerung der Immobilie.

Ehevertrag: Per Ehevertrag lässt sich eine völlige Gütertrennung vereinbaren oder der gesetzlich geregelte Zugewinnausgleich dahingehend ändern, indem man ihn beschränkt oder bestimmte Vermögensgegenstände ausschließt. So ein Ehevertrag kann während einer Ehe nachträglich oder bereits vor der Hochzeit geschlossen werden. Er ist für die Rechtsgültigkeit notariell unter Anwesenheit beider Eheleute zu beurkunden.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert