Berlin - Deutsche sind zu träge für den Kontowechsel

Deutsche sind zu träge für den Kontowechsel

Von: rd
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Berlin. 2016 wurden die Rechte aller Bundesbürger gestärkt, die ein Konto oder die Bank wechseln möchten. Umfragen von Meinungsforschungsinstituten zeigen jedoch, dass nach einem anfänglichen Wechselenthusiasmus die meisten Deutschen ihrer Hausbank treu geblieben sind.

Die neue Preispolitik der Banken bringt immer mehr Kunden Nachteile. Besonders schlecht kommen die neuen Gebühren an. Vielerorts verlangen Banken nun Geld für Services, die zuvor kostenlos waren. Während einige Institute ein regelmäßiges Kontoführungsentgelt einführen, verlangen andere Gebühren für beleghafte Überweisungen oder sogar für Geldabhebungen.

Der Ärger ist besonders groß, wenn Kunden merken, dass es Anbieter gibt, die günstiger, mitunter sogar komplett kostenfrei sind. Momentan haben deutsche Bankkunden die Auswahl zwischen 38 kostenlosen Girokonten. Vor allem bei Direktbanken sind häufig kostenlose Kontomodelle zu bekommen. Anbieter wie die Norisbank offerieren ihren Kunden ein Produkt ohne versteckte Gebühren. Sogar eine Kreditkarte gibt es kostenlos zum Konto dazu – ein Prinzip, das einige Direktanbieter verfolgen.

Die Gebührenpolitik, allgemeine Unzufriedenheit über den Mitarbeiterservice oder ein unzureichendes Filialen- und Automatennetz bewegt viele Deutsche dazu, die Bank zu wechseln. Seit September 2016 sind die Regularien dazu kundenfreundlicher geworden. So sind die Banken beispielsweise zur Mithilfe beim Datenumzug verpflichtet. Die alte Bank muss dem Kunden sowie dem neuen Geldinstitut eine Liste aller Bankaufträge der vergangenen 13 Monate übermitteln, z. B. Daueraufträge und Einzugsermächtigungen.

Die meisten Institute bieten einen Online-Wechselservice an. Wer kein Onlinebanking in Anspruch nimmt, erhält in den Filialen ein entsprechendes Formular. Die alte Bank muss alle relevanten Informationen inklusive Auftragsliste binnen 5 Tagen zur neuen Bank und zum Kunden senden. Der reine Wechselprozess soll online nur etwa 10 Minuten in Anspruch nehmen. Nach 12 Geschäftstagen soll der Wechsel komplett abgeschlossen sein.

Banken dürfen für den Kontowechselservice nur bedingt und in einem angemessenen Rahmen Gebühren erheben. Kunden, die diese Kosten für zu hoch halten, sollten sich an die Verbraucherzentrale wenden oder auf den Wechselservice verzichten. In der Regel ist die selbstständige Übertragung nicht schwer, sie erfordert jedoch ein wenig Fleißarbeit, da man alle Aufträge und Daten eigenhändig zusammensuchen muss.

Obwohl der Wechsel durch den Service der Banken einfacher und schneller geworden ist und immer mehr Institute Gebühren für einst kostenlose Services erheben, sind die Deutschen kaum wechselfreudig. Das ergab eine Umfrage des Unternehmens YouGov. Lediglich 9 Prozent von mehr als 2.000 Befragten haben in den letzten 12 Monaten ihre Hauptverbindung gewechselt.

Etwa 6 Prozent gaben an, sich im kommenden Jahr neu orientieren zu wollen. Die höchste Wechselbereitschaft zeigen die 25- bis 34-Jährigen. Mehr als die Hälfte von ihnen gab ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Grund an.

Die geringe Wechselbereitschaft ist überraschend, denn zahlreiche Untersuchungen und Analysen haben gezeigt, dass der Unterschied zwischen den einzelnen Kontomodellen sehr hoch ist. Manche Kunden zahlen jährlich bis zu 250 Euro, obwohl sie es bei einer anderen Bank mit ähnlichem Service zum Nulltarif bekämen.

Vielleicht liegt es an der Mentalität der Deutschen. Eine repräsentative Umfrage von Marktwächter.de zeigt nämlich, dass lediglich ein Viertel der Befragten überhaupt schon einmal die Bank gewechselt hat. Die meisten bleiben ihrer Hausbank ein Leben lang treu.

Aus der Umfrage geht aber auch hervor, dass viele Menschen den Wechselprozess als aufwendig einschätzen, was spätestens seit Einführung der neuen Regeln jedoch nicht mehr der Realität entspricht. Ein Stück weit liegt die Wechselträgheit also auch an mangelnder Information.

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