Der Trekker fährt mit GPS: Bauern arbeiten heute viel mit Technik

Von: Berit Waschatz, dpa
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Landwirte arbeiten heute viel mit Maschinen - sie brauchen daher auch technisches Know-how. Foto: DBV/dpa/tmn

Berlin/Oldenburg. Die Fernsehsendung „Bauer sucht Frau” hat den Beruf des Landwirts durch die rosarote Brille gezeigt. Doch Lagerfeuer- und Heubodenromantik gehören nicht gerade zum Alltag eines Landwirts. Das Aushandeln von Milchpreisen schon eher.

Natur pur - das verbinden viele mit dem Leben auf dem Bauernhof. Die Arbeit dort ist aber ein harter Broterwerb. Und ein Bauernhof ist kein Streichelzoo. „Landwirt ist kein Beruf, in dem man Rindviecher kuschelt und Schweine krault”, sagt Martin Lambers, Referent für Berufsausbildung beim Deutschen Bauernverband in Berlin. „Das ist ein normaler Wirtschaftsberuf.” Das sollte sich jeder bewusst machen, der diesen Beruf ergreifen will.

Angehende Bauern brauchen einen Abschluss an einer allgemeinbildenden Schule. Der muss nicht mal blendend sein. Allerdings lassen sich auch einige Abiturienten zum Landwirt ausbilden. „Sie machen das meist als Vorstufe zum Studium”, hat Lambers beobachtet.

Auch wenn die Noten nicht so entscheidend sind - Verständnis für Mathe und Naturwissenschaften ist wichtig. Denn diese Kenntnisse spielen im Alltag eines Bauern häufig eine Rolle. Landwirte müssten Futterrationen und Dosierungen für Pflanzenschutzmittel berechnen, erklärt Lambers. Außerdem werden Viehställe mittlerweile elektronisch klimatisiert. Und die Traktoren sind heutzutage mit GPS ausgestattet.

Um eine Ausbildung als Bauer bewerben sich zunehmend auch Leute, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. Ihnen müssen zunächst einige ganz banale Dinge klar sein - etwa, dass die Arbeit als Landwirt saisonal bedingt ist. Und dass Landwirte keinen festen Feierabend wie andere haben.

„Kühe müssen auch am Wochenende gemolken werden”, sagt Lambers. In der Ausbildung wird schon früh verlangt, eigenständig zu arbeiten. Das erfordert Organisationstalent. „Sie sitzen nicht auf dem Schoß ihres Chefs, sondern fahren mit dem Schlepper raus”, sagt Lambers. Taucht dann ein Problem auf, müssen Azubis es selbst lösen.

Die Ausbildung wird - anders als in anderen Berufen - nicht nur in einem Betrieb absolviert. „Die meisten Auszubildenden wechseln den Lehrbetrieb”, erklärt Hennig Hölscher, Referent für Agrarberufe der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg. Denn die angehenden Bauern müssen während ihrer Ausbildung verschiedene Stationen durchlaufen.

Sie wählen je zwei Gebiete im Bereich der Pflanzen- und Tierproduktion. Dazu gehören Getreide-, Mais- oder Kartoffelanbau auf der einen Seite. Und die Haltung von Milchvieh, Schweinen oder Geflügel auf der anderen Seite.

Nach der Ausbildung ist das Ende der Karriereleiter noch lange nicht erreicht. Fertige Landwirte können ihren Meister machen oder an einer Fachschule einen Abschluss als Agrarbetriebswirt oder Agrartechniker erwerben.

Zudem bieten einige Universitäten und Fachhochschulen ein agrarwissenschaftliches Studium an. An der Fachhochschule Kiel können Studenten Bauer mit Bachelor werden. „Ich rate ein solches Studium demjenigen, der Interesse an einem breiten Studium hat”, sagt Martin Braatz, der Dekan des Fachbereichs.

Im ersten Studienjahr werden naturwissenschaftliche Fächer durchgenommen. Dazu kommen wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Aspekte. Im zweiten Jahre kommen die Grundlagen der Landwirtschaft hinzu, danach spezialisieren sich die Studenten.

Bewerber in Kiel müssen mindestens die Fachhochschulreife haben. Daneben berechtigt auch ein Meistertitel oder ein gleichwertiger Abschluss zum Studium. Außerdem müssen Studenten bis zum dritten Fachsemester ein sechsmonatiges Praktikum in der Landwirtschaft absolviert haben. „Wir raten Studenten aber dazu, dass sie vor dem Studium schon eine zweijährige Ausbildung zum Landwirt gemacht haben”, sagt Braatz.

Und nach dem Studium? Ja, es gibt sie, die studierten Landwirte auf dem Bauernhof. Die Hälfte der Absolventen aus Kiel geht in die Praxis zurück und wird Betriebsleiter - etwa auf großen Betrieben in Ostdeutschland.

Dort entscheiden Betriebsleiter zum Beispiel, was angebaut wird. Und sie müssen das Personal betreuen und einteilen. „Es ist auf großen Höfen selten der Fall, dass Betriebsleiter noch selbst auf dem Traktor sitzen”, sagt Braatz.


Landwirte müssen längst keinen eigenen Hof mehr haben. Sie können auch als Fachkräfte auf anderen Höfen arbeiten. Vor allem in den neuen Bundesländern sind einige Höfe so groß, dass dort gleich mehrere Landwirte Arbeit finden.

Die Ländereien umfassen meist eine Fläche von mehreren Dörfern. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes steht dort in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an. Das dürfte angehenden Landwirten eine Reihe von Jobchancen eröffnen.
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