Der Schulweg muss geübt werde

Von: Norbert Michulsky, ddp
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Schulweg
Der Schulweg muss geübt werden. Foto: ddp

München. Für etwa 730.000 Kinder beginnt bald ein neuer Lebensabschnitt: die Einschulung. Entsprechend appellieren landauf landab Autoclubs und Sicherheitsinitiativen an die Autofahrer, vorsichtig zu fahren. Das ist sicherlich richtig. Aber zuvor sollten die Eltern ihre Hausaufgaben erledigen.

„Einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit können die Eltern leisten, indem sie den Schulweg rechtzeitig mit ihren Sprösslingen üben und sie auf Gefahren hinweisen”, mahnt Thomas Achelis vom Autoclub KS in München. Geübt werden müsse vorher und nicht erst, wenn stolz die große Schultüte im Arm gehalten werde.

„Die jungen Verkehrsteilnehmer sind noch unerfahren und können beispielsweise Entfernungen und Geschwindigkeiten von Fahrzeugen noch nicht einschätzen”, skizziert KS-Mann Achelis das Handicap der Kleinen. Der Bremsweg eines Autos ist ihnen somit unbegreiflich. Allein schon aufgrund ihrer Körpergröße können Kinder das Geschehen auf der Straße nicht so gut überblicken wie erwachsene Verkehrsteilnehmer. Als Fußgänger sind Kinder den Anforderungen des Straßenverkehrs frühestens ab einem Alter von acht Jahren gewachsen, als Fahrradfahrer sogar erst mit 14 Jahren. Vorher sind ihre Sinne und Bewegungen noch nicht entsprechend ausgereift.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich 114.825 meldepflichtige Schulwegunfälle, bei denen 40 Schüler getötet wurden. Unfallprävention bedeutet deshalb für Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), dass die Eltern, gemeinsam mit dem Kind den künftigen Schulweg bereits vor der Einschulung festlegen und einüben. „In den ersten Wochen sollten Eltern ihre Kleinen auf dem Schulweg begleiten”, sagt Rademacher. „Die neue Umgebung und der Straßenverkehr können Kinder schnell überfordern. Verkehrsreiche Kreuzungen, unübersichtliche Straßen und andere Gefahrenpunkte sollten daher kein Teil des Schulwegs sein.”

Außerdem gelte: Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste. Zudem sollten Schulanfänger samt Eltern den neuen Weg zu den üblichen Schulzeiten abgehen. So lernen die Kinder genau die Verkehrsbedingungen kennen, die sie später allein zu meistern haben. ADAC-Mann Andreas Hölzel: „Als Faustregel gilt, einfache Schulwege mindestens siebenmal abgehen, schwierigere mindestens doppelt so oft.”

Unfallursache Nummer eins bei Kindern, die zu Fuß zur Schule gehen, ist das Überqueren der Fahrbahn. Deshalb wollen diese Schritte besonders geübt sein:

Vor jedem Betreten der Fahrbahn am Bordstein stehenbleiben, nach allen Seiten schauen, zuerst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links, um dann auf kürzestem Weg über die Straße zu gehen. Wenn möglich, die Straße nur an Ampeln und Fußgängerüberwegen überqueren. An Zebrastreifen Blickkontakt zu den Autofahrern aufnehmen, ebenso auf Fahrbahnteilern.

Damit Eltern ihrerseits einen Blick dafür bekommen, wie der Schulweg aus der Perspektive ihres Kindes aussieht, empfiehlt Hölzel Gymnastik: „Gehen Sie mal in die Hocke und schauen Sie sich um.” Neben einem solchen Perspektivenwechsel schlägt DVR-Fachmann Rademacher eine Kontrollaktion vor. „Legt das Kind seinen Schulweg allein zurück, können ihm die Eltern auch einmal unbemerkt folgen, um eventuelle Unsicherheiten oder Abweichungen vom vereinbarten Weg festzustellen”, schlägt er vor.

Per Fahrrad den Schulweg zu absolvieren, dazu ist es nach Meinung der Fachleute für Erstklässler zu früh. Jacqueline Grünewald vom ADAC in Köln: „Das Fahrrad ist erst nach einer schulischen Radfahrausbildung eine Alternative.” Wird mit dem Schulbus der Weg absolviert, dann sollten Eltern dies ebenfalls mit ihren Sprösslingen üben, empfehlen Verkehrsfachleute. Das gilt für den Hin- und Rückweg zur Haltestelle, ebenso für das Ein- und Aussteigen. Immer erst an den Bus herantreten, wenn er zum Stehen gekommen ist und die Tür geöffnet hat. Nach dem Aussteigen warten, bis der Bus weggefahren ist, und erst dann die Fahrbahn überqueren. Wenn möglich, am nächsten Fußgängerüberweg oder an einer Ampel. Wichtig ist zudem, dass das Kind rechtzeitig an der Haltestelle ist, damit es nicht unter Zeitdruck kommt.

Und wenn Vater oder Mutter Schultaxi spielen - Kinder im Grundschulalter müssen in geeigneten Kindersitzen gesichert werden, selbst auf Kurzstrecken. Erst ab 1,50 Meter Körpergröße dürfen Kinder den normalen Sitzgurt benutzen. Ganz wichtig: „Es dürfen nur so viele Kinder mitgenommen werden, wie im Auto gesichert werden können”, mahnt ADAC-Mann Hölzel.
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