Den richtigen Weihnachtsbaum finden

Von: dpa
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Seilzugtechnik und Wassertank: Den Weihnachtsbaum aufstellen
Kurz vor dem Fest geschlagen, hält der Weihnachtsbaum am längsten. Foto: dpa

Berlin. Die Nordmanntanne ist der Klassiker in deutschen Wohnzimmern. Sie hat einen schönen Wuchs und hält am längsten. Dafür ist sie nicht ganz billig. Günstige Bäume stammen aber oft aus Osteuropa und sind mit starken Pestiziden belastet.

Die gute Nachricht lautet: Der heiße Sommer hatte keine Auswirkungen auf die diesjährige Weihnachtsbaumernte. Zwar sind in der Hitze einige Jungpflanzen eingegangen, doch sie waren noch nicht groß genug, um in diesem Jahr als Weihnachtsbaum in Frage zu kommen.

Sie wären erst in sieben oder acht Jahren dran gewesen. „Damit es dann keine Nachschubprobleme gibt, sind die Lücken bereits wieder aufgepflanzt worden”, sagt Kristof Köhler von der NRW-Landwirtschaftskammer in Meschede im Hochsauerland.

Aus dieser Region kommt etwa ein Drittel der rund 24 Millionen Bäume, die auch dieses Jahr wieder in Deutschland verkauft werden. Den ersten Platz wird dabei erneut die Nordmanntanne belegen. Sie bleibt der eindeutige Spitzenreiter in deutschen Wohnzimmern.

Das hat seine Gründe. Der wichtigste lautet: Sie pikst nicht. „Und sie bleibt lange frisch”, ergänzt Köhler. Das Nadelkleid, wie der Fachmann sagt, sitzt zudem wie ein Maßanzug. Glänzende Farben, dichte Äste: Kein Wunder, dass die Nordmanntanne der absolute Liebling ist.

Eher abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landen Rotfichte und Blautanne. Sie haben eindeutig nicht die Qualitäten des „Nordmanns”, dafür sind sie um einiges preiswerter. Für alle Baumsorten gilt: Es wird in etwa der gleiche Preis verlangt wie im vergangenen Jahr. Möglich sei aber eine leichte Steigerung, meinen die Experten.

„Der Meter Nordmanntanne aus dem Sauerland wird bei 18 bis 22 Euro liegen”, sagt Meinolf Mütherich, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaumproduktion im NRW-Landesverband Gartenbau. Das heißt, ein etwa 180 Zentimeter hoher Weihnachtsbaum fürs Wohnzimmer kostet dann um die 40 Euro.

Bernd Oelkers vom Bundesverband der Weihnachtsbaumproduzenten und Schnittblumenhersteller geht von etwas niedrigeren Preisen aus: „Die Premium-Nordmanntanne wird für 35 Euro zu haben sein”, sagt der Forstwirt aus Niedersachsen. Die Blautanne werde bei 22 bis 25 Euro liegen, die Rotfichte bei 15 Euro.

„Allerdings wird es starke regionale Unterschiede geben”, sagt Oelkers. Zudem hängt der Preis auch von der Herkunft der Bäume ab. Gegen Importbäume vor allem aus Osteuropa können die heimischen Produzenten dabei kaum konkurrieren.

Bei solchen Schnäppchen sollten Verbraucher aber skeptisch sein. Johann Heiermann von der Umweltorganisation Nabu empfiehlt, genau zu fragen, wo die Bäume herkommen und im Zweifel doch den teureren Baum zu nehmen: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die billigen Bäume stark gedüngt und mit Pestiziden behandelt worden sind.”

Und das schade nicht nur dem Boden, die Rückstände könnten auch ausdünsten und so zu Hautreizungen führen. Auch Rudolf Fenner von der Naturschutzorganisation Robin Wood rät, Bäume aus ökologischem Anbau zu kaufen: „Da tut man was für die Umwelt.”

Allerdings gibt es nicht allzu viele Anbauer ökologischer Weihnachtsbäume, und ihre Zahl ist in den vergangenen Jahr auch kaum gestiegen. „Bevor man dann also sich auf den weiten Weg zu einem solchen Waldbetrieb macht, sollte man sich lieber in der näheren Umgebung umschauen”, sagt Fenner.

„Der Weihnachtsbaum der kurzen Wege ist da immer noch besser als der Öko-Baum der langen Anfahrten.” Im Nordosten Deutschlands seien auch die dort wachsenden Waldkiefern als Weihnachtsbaum geeignet, ergänzt Heiermann.

Keine Alternative sind für ihn Bäume aus Plastik. „Die Herstellung eines Plastikbaums und der Transport des zumeist in Fernost prodzierten Artikels benötigt sehr viel Energie”, sagt Heiermann. Sie könnten außerdem nicht recycelt werden und würden irgendwann einmal als Restmüll verbrannt.

Besser seien Bäume mit Wurzeln, die nach dem Weihnachtsfest im Garten angepflanzt werden. Fenner ist dagegen skeptisch: „Die meisten Bäume überleben das nicht, weil sie zu schnell wieder in die Kälte kommen und außerdem leicht vertrocknen.”

Ganz gleich, ob man sich für einen Baum mit oder ohne Wurzel entscheidet: Er braucht viel Wasser. Und das nicht nur, weil er sonst schnell seine Farbe und seine Nadeln verliert. Wenn die Äste einmal ausgetrocknet sind, brennen sie wie Zunder, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Er empfiehlt regelmäßiges Gießen und für alle Fälle Löschmittel bereitzuhalten.

Beinahe so gut wie Bäume aus dem ökologischen Anbau sind Bäume vom Förster, die als Abfallprodukt bei der Durchforstung des Mischwaldes anfallen. „Man kann davon ausgehen, dass diese Bäume ebenfalls ohne Pestizide aufgewachsen sind”, sagt Heiermann.

Auf schönes Wachstum muss der Käufer aber bei einem solchem Baum meist verzichten. „Wer danach sucht, ist bei einem Baum aus einem Anbaubetrieb besser aufgehoben”, sagt Oelkers. Dafür werden sich, da ist er sich sicher, wieder die meisten Kunden entscheiden: 98 Prozent aller Weihnachtsbäume kommen aus einem solchen Plantagenbetrieb.

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