Aachen - „Das geplante Baukindergeld geht in die falsche Richtung“

„Das geplante Baukindergeld geht in die falsche Richtung“

Von: Max Geißler
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Eigenheimsiedlung
Die Höhe der Wohneigentumsquote ist meist historisch bedingt, sagt Bauexperte Reiner Braun. Foto: dpa

Aachen. Die Bundesregierung möchte Familien den Erwerb von Wohneigentum mit Hilfe eines sogenannten Baukindergeldes erleichtern. Bauexperte Reiner Braun präferiert andere Maßnahmen.

Herr Braun, im Gegensatz zu unseren Nachbarländern ist die Wohneigentumsquote in Deutschland sehr gering. Warum ist das so und wäre mehr Wohneigentum auch in Deutschland wünschenswert?

Die Höhe der Wohneigentumsquote ist meist historisch bedingt. Zum schellen Wiederaufbau hat man im Nachkriegs-Deutschland vor allem auf Mehrfamilienhäuser und damit auf Mietwohnungen gesetzt. In Großbritannien präferierte man dagegen das Einfamilienhaus mit einfacher Bauweise als „Volkswohnung“. Zudem erhöhten dort umfangreiche Privatisierungen in den 1980er und 90er Jahren die Eigentumsquote.

Die Erhöhung der Wohneigentumsquote ist wünschenswert, darf aber kein Selbstzweck sein. Wichtiger ist zunächst eine fiskalische Gleichbehandlung: Weder sollte der Bau von Mietwohnungen stärker gefördert noch der Erwerb von Eigentum behindert werden. Von diesem Grundsatz sind wir in Deutschland weit entfernt – man denke nur an Umwandlungsverbote in Eigentumswohnungen oder an den steuerlichen Sofortabzug von Erhaltungsaufwand für Vermieter.

Für selbstgenutztes Wohneigentum spricht, dass es zu höheren Sparquoten und damit zu verbesserter Altersvorsorge führt - das zeigen empirische Untersuchungen. Gleichwohl gibt es immer auch Haushalte, die besser zur Miete wohnen sollten, weil sie sonst (trotz Förderung) finanziell überfordert wären. Ebenso gibt es Haushalte, die zur Miete wohnen wollen, um unabhängig zu bleiben.

Die Bundesregierung plant finanzielle Anreize zum Erwerb von privatem Wohneigentum. Was halten Sie vom geplanten Baukindergeld? Trifft es die gewünschte Zielgruppe?

Der Erwerb von Wohneigentum geht häufig Hand in Hand mit der Familiengründung. Aber junge Familien sind oft nicht sehr kapitalstark. Insofern liegt es auf der Hand, die Eigentumsförderung an die Zahl der Kinder zu knüpfen. Die Förderung nach der schieren Kinderzahl (auch in Verbindung mit Einkommensgrenzen), führt jedoch zu Mitnahmeeffekten. Nicht jede Familie hat wenig Eigenkapital - man denke allein an die zunehmende Zahl der Erben.

Und auch kinderlose Paare oder Singles haben es derzeit schwer am Wohnungsmarkt. Warum sollte man denen nicht helfen? Würde man die Förderung zudem auf die teuren Schwarmstädte konzentrieren, käme es darüber hinaus zu Fehlallokationen. Stattdessen sollten wir lieber alle Zuzugsanreize in unsere übervollen Städte abschaffen und die Ursachen der Landflucht bekämpfen. Warum nicht eine Bleibeprämie für Bestandserwerber in ländlichen Regionen?

Wie hoch müssten monetären Anreize sein, damit sie Familien mit Kindern wirklich Vorteile bringen? Wären Steuervorteile nicht besser als Zuschüsse?

Baulandpreise, Einkommen und Eigenkapital sind regional so unterschiedlich wie die Menschen selbst. In München kostet eine neue Eigentumswohnung 7.000 Euro pro Quadratmeter dafür bekommt man in Kaiserslautern oder Bielefeld das Dreifache. Deswegen müsste auch eine effiziente Förderung regional differenzieren.

Die effizienteste Art der Förderung sollte seit dem Bericht der "Expertenkommission Wohnungspolitik" aus dem Jahr 1995 ausdiskutiert sein: Nur Zuschüsse gewähren eine progressionsunabhängige Förderung von einkommens- und eigenkapitalbedingten Schwellenhaushalten.

Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht am besten geeignet, um die Wohneigentumsquote in Deutschland nachhaltig zu erhöhen?

Bis 1996 lag der Steuersatz für die Grunderwerbsteuer in Deutschland bei zwei Prozent. In den Niederlanden ist das auch heute noch so. Solange die Steuersätze in Deutschland bis zu 6,5 Prozent betragen, ist es schlicht grotesk, über ein vergleichsweise geringes Baukindergeld von der linken in die rechte Tasche umzuverteilen.

Es müsste schnell mehr Bauland bereitgestellt, mehr schnelle Baugenehmigungen erteilt und Bürgerproteste durch obligatorische und frühzeitige Einbeziehung minimiert werden. Diese drei B’s sind nicht alles, aber ohne sie ist alles andere nichts.

Wie lassen sich diese Maßnahmen umsetzen? Wo klemmt es, wer bremst?

Mehr Bauland in den Schwarmstädten schaffen wir nur, wenn wieder mehr Außenentwicklung möglich wird. Die Konzentration auf Nachverdichtung liefert zu wenig und lagebedingt meist nur teuren Neubau. Schnellere Genehmigungen erreichen wir ganz einfach durch mehr Personal in den Bauämtern.

Weniger Bürgerproteste erfordert umfassende Aufklärung: Nicht der Neubau treibt die Preise nach oben, sondern der unterlassene Neubau. Denn dann verschaffen sich die Gutverdiener "ihren" Wohnraum im bis dahin preiswerten Altbestand. Gegen Sankt Florians-Protestler ist dagegen kein Kraut gewachsen.

 

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