Biallos Ratgeber: Zweiten Arzt fragen, Jeder hat das Recht

Von: Rolf Winkel
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„Wirbelsäulenversteifung”, „Bypass” oder „Brustentfernung” - wer solche Fakten von seinem behandelnden Facharzt erfährt ist natürlich zunächst schockiert und braucht Beratung - möglicherweise von einem zweiten Facharzt. Aber wann kann man eine zweite Arztmeinung einholen und welche Regeln sollte man kennen? Foto: imago/blickwinkel

Aachen. „Wirbelsäulenversteifung”, „Bypass” oder „Brustentfernung” - wer solche Fakten von seinem behandelnden Facharzt erfährt ist natürlich zunächst schockiert und braucht Beratung - möglicherweise von einem zweiten Facharzt. Aber wann kann man eine zweite Arztmeinung einholen und welche Regeln sollte man kennen?

„Der Patient hat grundsätzlich das Recht, Arzt und Krankenhaus frei zu wählen und zu wechseln. Der Patient kann eine ärztliche Zweitmeinung einholen.” So steht es in der „Charta der Patientenrechte” aus dem Jahre 2003, unter anderem erarbeitet von der Bundesärztekammer und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen.

Nicole Ramcke von der Techniker Krankenkasse erklärt: „Es geht dabei schließlich auch um Patientensouveränität.” Ärzte würden heute ja Gott sei Dank nicht mehr als Halbgötter in Weiß angesehen, deren Urteil man nicht in Frage stellen dürfe, ergänzt die Vetreterin einer der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

Überweisung

Privat Versicherte können in der Regel ohne eigene Kosten eine zweite ärztliche Meinung einholen. Für gesetzlich Versicherte werden dafür - sagt Expertin Nicole Ramcke - „schlimmstenfalls zehn Euro Praxisgebühr fällig”. Wer das vermeiden will, sollte sich von seinem Hausarzt eine Überweisung für den zweiten Kardiologen oder Orthopäden ausstellen lassen. Fachärzte können in der Regel nicht an einen Kollegen des gleichen Fachgebietes überweisen - außer wenn dieser besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden anbietet, die erforderlich sind.

Unterlagen

Arztberichte, Blutwerte, Röntgenaufnahmen - wer eine Zweitmeinung einholt, sollte diese Unterlagen zum zweiten Arzt mitnehmen, schon allein um Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Für den Arzt Nummer eins sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, diese Unterlagen seinem Fachkollegen zur Verfügung zu stellen. „Die Behandlungsunterlagen sind dem mitbehandelnden Arzt zu übermitteln”, heißt es hierzu in der Patientencharta.

Originalunterlagen kann der Patient in der Regel zwar nicht beanspruchen, wohl aber Kopien. Für die Kosten kann er herangezogen werden. Auch Röntgenbilder müssen - unter Umständen leihweise - herausgegeben werden. Dies regelt die Röntgenverordnung (Paragraf 28 Absatz 8).

Zweitmeinungsangebote

Insbesondere im Umfeld der gesetzlichen Krankenkassen gibt es zahlreiche kostenlose Angebote zum Einholen einer zweiten Meinung: Vom Teledoktor der Barmer GEK über AOK Duo bis zu den Beratungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet beispielsweise bundesweit eine „Zweitmeinung Wirbelsäulenoperation” an. Die Kasse vermittelt ihre Versicherten an 30 Schmerzzentren, die auf die Behandlung von Rückenerkrankungen spezialisiert sind. „2010 und 2011 haben insgesamt 500 Versicherte mit Operationsempfehlung hier eine Zweitmeinung eingeholt, in 85 Prozent der Fälle wurde dabei von einer Operation abgeraten”, sagt Nicole Ramcke. Ber der AOK Rheinland/Hamburg gibt es ähnliche Erfahrungen. Im „Medizinischen Kompetenz-Center „nehmen” Experten aus 18 verschiedenen Fachbereichen ihre Versicherten im Bedarfsfall „an die Hand”.

Dass zum Teil viel zu früh und zu häufig operiert wird, hat unter anderem das Zweitmeinungs-Portal „Vorsicht.Operation” festgestellt. Zwölf prominente Chirurgen im Ruhestandsalter bieten hier Zweitgutachten an. Eine erste Zwischenbilanz des Portals für den Bereich „Knieoperationen” hat ergeben: 80 Zweitgutachten wurden erstellt, in knapp zwei Dritteln der Fälle wurde von einer Operation abgeraten. Die Gutachten kosten zwischen 200 und 600 Euro, je nach Fall. Die Betreiber des Onlineportals raten zunächst, bei der jeweiligen Krankenkasse nachzufragen, ob die Kosten übernommen werden. Die (private) Debeka trägt für ihre Versicherten die vollen Kosten - versuchsweise für ein Jahr. Bei Ärzten ist das Online-Anegbot nicht umumstritten. Hauptkritikpunkt: Die Betreiber von „Vorsicht.Operation” beschränken sich auf die Bewertung von Befunden, ohne den Patienten gesehen zu haben.

Unabhängige Beratung

Bei der Suche nach einer kompetenten Zweitberatung hilft auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) mit insgesamt 21 regionalen Beratungsstellen und einem bundesweiten Beratungstelefon: 0800 0 11 77 22(kostenlos aus dem Festnetz).
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