Biallos Ratgeber: Wozu Langzeitkonten gut sind

Von: Rolf Winkel
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Alleinerziehende dürfen sich auf neues Unterhaltsvorschussgesetz freuen. Städte und Gemeinden sehen mehr Personalaufwand. Foto: EP_dfg

Aachen. „Mehr vom Leben durch Langzeitkonten“, verspricht die Bundesregierung. Gemeint sind nicht etwa Sparguthaben, sondern betriebliche Arbeitszeitkonten, auf denen Lohn beziehungsweise Arbeitszeit für die Zukunft „gebunkert“ wird.

Ein solches Langzeitkonto kann für vieles praktisch sein. Ein Überblick: Arbeitnehmer können sich Teile ihres Lohns nicht auszahlen lassen, sondern „bunkern“, also in die Zukunft verschieben. Das funktioniert mit einem betrieblichen Langzeitkonto. Mit dem „gebunkerten“ Lohn kann man beispielsweise ein Sabbatjahr oder einen frühzeitigeren Ausstieg aus dem Arbeitsleben finanzieren. Daneben haben solche Konten auch noch kaum bekannte segensreiche Nebenwirkungen.

So funktionieren die Konten: Arbeitnehmer verzichten zunächst auf die Auszahlung von Teilen ihres Lohns, Prämien oder Urlaubstage. Die nicht ausgezahlten Bruttobezüge verbucht der Arbeitgeber auf einem Langzeit-Arbeitszeitkonto. Die Guthaben kann man für verschiedene Zwecke nutzen. Noch vor ein paar Jahren stand die Finanzierung eines Sabbatjahres oder Langzeiturlaubs im Vordergrund. Seit die Rente mit 67 beschlossen wurde, geht es zunehmend um die Freistellung vor Eintritt in den regulären Ruhestand. Arbeitnehmer können beispielsweise neun Jahre lang auf die Auszahlung von zehn Prozent ihrer Bezüge verzichten und dann ein Jahr früher in den Ruhestand gehen – bei unverändertem Gehalt und weiterhin vollem Sozialversicherungsschutz.

Einkommensverschiebung: Wer auf solchen Langzeitkonten anspart, reduziert zunächst sein sozialversicherungspflichtiges und zu versteuerndes Einkommen. Die Abgaben fallen später an, wenn das Konto „entspart“ wird. Eine solche Einkommensreduzierung kann eine ganz Reihe von erwünschten Nebenwirkungen haben.

Hinterbliebenenrente: Viele jüngere Witwen und Witwer sind noch erwerbstätig. Sie haben zwar im Prinzip Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente, diese wird jedoch – wenn ihr Einkommen zu hoch ist – erheblich gekürzt. Ein Beispiel: Eine 55-jährige Witwe arbeitet als Angestellte in der Personalabteilung und verdient monatlich 2800 Euro brutto. Bei einem Einkommen in dieser Höhe würde die Hinterbliebenenrente, die ihr nach dem Tode ihres Mannes zusteht, beträchtlich gekürzt – und zwar monatlich um etwa 350 Euro. Die Witwe will mit 60 bereits aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Deshalb vereinbart sie, dass die Hälfte ihres Einkommens auf einem betrieblichen Langzeitkonto geparkt wird. Ihr monatliches Bruttoarbeitsentgelt sinkt damit auf 1400 Euro. Nur dieses Bruttoeinkommen wird dann auf ihre Hinterbliebenenrente angerechnet. Die Rentenkürzung beträgt folglich nur noch rund 14 Euro im Monat und fällt kaum noch ins Gewicht.

Vorzeitige Rente: Wer eine Früh-, Teil- oder Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung bezieht, darf nur begrenzt hinzuverdienen. Sonst wird die Rente gekürzt. Doch auch hier gilt: Einkommen, das per Langzeitkonto in die Zukunft verschoben wird, wird zunächst – in der Ansparphase – nicht auf die Rente angerechnet. „Es ist weder bei einer vorgezogenen Altersrente noch bei einer Erwerbsminderungsrente als Hinzuverdienst zu berücksichtigen“, erklärt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Rückkehr in die GKV: Viele privat krankenversicherte Arbeitnehmer wünschen sich wegen der hohen Prämien sehnlich die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Dies ist für Arbeitnehmer unter 55 möglich, wenn ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt. Diese liegt 2017 bei 4800 Euro im Monat. „Sinkt das sozialversicherungspflichtige Einkommen entsprechend, weil ein Teil des Lohns auf ein Langzeitkonto fließt, dann können die Betroffenen sofort wieder in die GKV“, erklärt Uwe Werner, Dezernent bei der Knappschaft.

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