Biallos Ratgeber: Worauf Doppeljobber achten sollten

Von: Rolf Winkel
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Zweitjob als Kellner: Immer mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte üben noch einen Nebenjob aus. Grundsätzlich ist das erlaubt, es gibt nur ein paar Dinge zu beachten. Foto: dpa

Aachen. Gut 2,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftige üben nebenher einen Zweitjob aus. Tendenz: stark steigend. Worauf diese Leute achten müssen.

Verbot zählt nicht: Firmen dürfen Zweitjobs nicht generell verbieten. Steht ein solches Verbot im Arbeitsvertrag, so ist die Regelung unwirksam. Wichtig ist jedoch: Der Nebenjob darf die Interessen des Hauptarbeitgebers nicht verletzen. Anheuern bei der Konkurrenz des Chefs geht nicht.

Auch nebenher die Kunden des Chefs zu bedienen, ist ein No-Go. So wurde ein Rohrleitungsmonteur, der in seiner Freizeit auf eigene Rechnung einer Kundin seines Chefs neue Abflussrohre montiert hatte, fristlos entlassen. Zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht Hessen befand (Az.: 16 Sa 593/12). Im Zweifelsfall sollten Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber über einen beabsichtigten Nebenjob informieren.

Minijob: 2,6 Millionen Beschäftigte üben derzeit nebenher einen Minijob aus. Neben einem sozialversicherten Hauptjob ist ein Minijob bei einem anderen Arbeitgeber erlaubt, aber nur ein einziger. Dort darf man bis zu 450 Euro pro Monat sozialabgaben- und steuerfrei kassieren. Lediglich 3,7 Prozent für die Rentenversicherung gehen hiervon ab – soweit die Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wird.

Kurze Beschäftigung: Drei Monate lang im Sommer – etwa im Eiscafé jobben. Solche Jobs gehören in die Schublade „kurzfristige Beschäftigung“. Diese Beschäftigungen sind komplett sozialversicherungsfrei – auch für den Arbeitgeber. Die sozialversicherungsfreie Beschäftigungsdauer wurde bis Ende 2018 auf drei Monate oder 70 Arbeitstage ausgedehnt. Geregelt ist dies in Paragraf 115 des Sozialgesetzbuches IV.

Die Drei-Monats-Grenze gilt, wenn die Beschäftigung an mindestens fünf Tagen in der Woche erfolgt. Bei weniger als fünf wöchentlichen Arbeitstagen gilt die Obergrenze von 70 Arbeitstagen. „In diesem Fall kann sich die Beschäftigung sogar auf bis zu zwölf Monate verteilen“, sagt Thomas Methler von der Minijob-Zentrale. Auf die Höhe des Verdienstes kommt es bei kurzfristigen Beschäftigungen nicht an.

Dreier-Pack: Neben ihrem Hauptjob können Arbeitnehmer sowohl eine kurzfristige Beschäftigung als auch einen Minijob bei anderen Arbeitgebern ausüben. Salopp gesagt: Minijob und kurzfristige Beschäftigung beißen sich nicht.

Zwei sozialversicherungspflichtige Jobs: Dauerhafte Nebenbeschäftigungen mit Einkünften mit mehr als 450 Euro sind dagegen wie der Hauptjob sozialversicherungspflichtig. Dafür stehen den Doppeljobbern nicht nur für beide Jobs Rentenansprüche zu. Im Krankheitsfall erhalten sie nach dem Ende der sechswöchigen Lohnfortzahlung Krankengeld für beide Beschäftigungen. Geht einer der Jobs verloren, zahlen die Arbeitsagenturen dafür das Teilarbeitslosengeld. Ein Arbeitnehmer mit Kind, der einen Zweitjob mit monatlichen Einkünften von 1000 Euro brutto verliert, hat Anspruch auf 442,80 Euro Teilarbeitslosengeld – und das für bis zu sechs Monate.

Vollzeit statt Teilzeit: Statt woanders einen Zweitjob aufzunehmen, lässt sich manchmal die Arbeitszeit im Hauptjob verlängern – vor allem, wenn beim Arbeitgeber eine freie Vollzeitstelle zu besetzen ist. Dann muss ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer bei der Besetzung der Vollzeit-Stelle bevorzugt werden. Geregelt ist das in Paragraf 9 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes. Minijobber und andere Teilzeitler haben gute Karten, wenn sie sich bei ihrem Arbeitgeber auf eine frei werdende Vollzeitstelle bewerben.

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