Biallos Ratgeber: Wie sich Anleger vor Verlust schützen

Von: Birgit Müller und Wolfgang Thomas Walter
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Aachen. Anlagebetrug in Deutschland hat Hochkonjunktur und viele Gesichter. „50 Prozent Rendite“, „Ein sicheres Wachstum für die Zukunft“, „Kapitalverlust völlig ausgeschlossen“ – mit solchen verlockenden Werbesprüchen knüpfen Firmen Anlegern immer wieder ihr Erspartes ab. Kommt die Pleite, bangen die Sparer um ihr Geld.

Werbung: Es sollte eine Geldanlage mit Zukunftsmusik sein. Der Windparkbetreiber Prokon versprach sechs Prozent Rendite und zahlte teils acht Prozent Zinsen aus – bis es schief ging. Jetzt bangen rund 75 000 Anleger um ihre Einlagen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Die Plakate mit dem grünen Anstrich samt Zinsversprechen hingen in öffentlichen Verkehrsmitteln und Postwurfsendungen landeten in den Briefkästen. Häufig ist es aber auch der „heiße Tipp“ vom Nachbarn, oder ein Finanzberater, der den Anleger auf die Idee bringt, sein Geld auf andere Weise zu vermehren.

Anlageformen: 1. Genussscheine unterliegen keinen gesetzlichen Regeln. Geht der Herausgeber pleite, besteht die Möglichkeit des Totalverlustes. Wurden mit dem Geld Sachanlagen gekauft, stehen diese dann mit ihrem Wert zum Verkauf. Der Käufer eines Genussscheins wird aber nachrangig bedient. Das bedeutet: Erst wenn alle anderen Forderung wie Kredite zurückbezahlt wurden, fließt Geld zurück. 2. Die Teilschuldverschreibung ist zum einen Teil ein festverzinsliches Wertpapier. Zum anderen Teil verpflichtet sich der Aussteller zur Rückzahlung und der Zahlung eines bestimmten Zinssatzes.

Die Teilschuldverschreibung bedeutet, dass die Anlagesumme in Teilbeträgen eingezahlt werden kann. Wie sicher die Anlage ist, hängt von der Bonität des Herausgebers ab. Geht er pleite, kann es zum Totalverlust kommen. 3. Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen. Sie investieren zum Beispiel in Immobilien, wie Einkaufszentren. Anders als bei den Investmentfonds ist das Anlagekapital begrenzt: Sind alle Anteile verkauft, wird der Fonds geschlossen. Verkaufen kann man nur über einen Zweitmarkt.

Unseriöse Anbieter erkennen: Wie immer im Leben fressen die schwarzen Schafe den weißen das Gras weg. Es sind zwar nicht alle Angebote mit extrem hohen Gewinn-Versprechen betrügerischer Natur, aber eben doch viele. Chancen werden groß dargestellt, über Risiken für den Anleger aber kaum aufgeklärt. Deutliche Zeichen für unseriöse Finanzverkäufer sind außergewöhnliche hohe Renditen, Gewinne oder Provisionen im zweistelligen Bereich oder Zeitdruck, sich heute noch für ein reserviertes Anlageprodukt zu entscheiden.

Reingefallen – was tun? Bringt das Investment nicht den versprochenen Erfolg oder ist das investierte Geld sogar ganz oder teilweise verloren, sind Verärgerung und Verunsicherung groß. Dabei gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Wenn Sie glauben, auf ein irreführendes Investment hereingefallen, falsch beraten oder getäuscht worden zu sein, sollten Sie Ihren Vertrag widerrufen und möglichst schnell rechtlichen Beistand aufsuchen, um Ersatzansprüche und auch Risiken abzuklären.

Verbraucherzentralen sowie Anwälte und Steuerberater helfen hier weiter. Sind Sie sich sicher, auf einen Anlagebetrüger hereingefallen zu sein, sollten Sie umgehend Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstatten. Achtung: Ein passender Versicherungsschutz durch eine passende Rechtsschutzversicherung ist hier ratsam!

Doch nicht jeder Streit muss vor Gericht enden – oft hilft eine Schlichtung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie Ombudsleute können hier ebenfalls Ansprechpartner sein, und sowohl zivilrechtliche Aspekte als auch aufsichtsrechtliche Belange bei Anlagebetrug prüfen.

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