Biallos Ratgeber: Wie man Geld vor dem Fiskus schützen kann

Von: Fritz Himmel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Familien können durch gezielte Schenkungen viel Geld vor dem Fiskus schützen und zugleich unliebsame Erben später ins Leere laufen lassen. Eine Strategie lautet: „Rechtzeitig die persönlichen Freibeträge bei Schenkungen geschickt nutzen“, sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt für Erbrecht aus München und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten.

So dürfen Ehegatten und eingetragene Lebenspartner alle zehn Jahre 500.000 Euro steuerfrei erhalten, Kinder 400.000 Euro und Enkel 200.000 Euro. Kindern stehen dabei die Freibeträge jeweils von Mutter und Vater zu. Einige Beispielfälle:

Fall 1: Vater A. will seiner Tochter 750.000 Euro aus seinem Privatvermögen in bar schenken. Würde er ihr das Geld auf einen Schlag übertragen, müsste die Tochter abzüglich ihres Freibetrages noch für 350.000 Euro Schenkungssteuer zahlen, also insgesamt 52.500 Euro. Die Strategie: Vater A. schenkt zunächst einen Teil der Barschaft steuerfrei seiner Gattin, die das Vermögen dann nach Ablauf einer Schamfrist unter Nutzung ihres Freibetrages an die Tochter weitergibt. So wird die geplante Summe auf die Tochter übertragen, ohne dass Steuern anfallen.

Fall 2: Vater B. möchte seinem Sohn die derzeit eigengenutzte Immobilie mit einem Verkehrs- und Steuerwert von 1,5 Millionen Euro überschreiben. Abzüglich des Freibetrags von 400.000 Euro müsste der Sohn noch 1,1 Millionen Euro zu 19 Prozent versteuern, also 209.000 Euro abführen. Die Strategie: Die Schenkung eines selbstbewohnten Familienheims an Ehegatten ist unabhängig vom Wert immer steuerfrei. „Diese Steuerbefreiung besteht zusätzlich zum persönlichen Freibetrag“, sagt Hans-Oskar Jülicher, Fachanwalt für Erbrecht in Heinsberg. „Auch die zehnjährige Wohnpflicht, wie beim Vererben eines selbst genutzten Eigenheims, gibt es hier nicht.“ Kinder können diese Steuerbefreiung dagegen nur beim Erwerb von Todes wegen in Anspruch nehmen. Vater B. überträgt daher zuerst die Hälfte der Immobilie steuerfrei an seine Ehefrau. Anschließend schenken beide zu gleichen Teilen das Haus an den Sohn. Dieser kleine Umweg spart 104.000 Euro, also fast die Hälfte der Schenkungssteuer.

Fall 3: Wer ungeliebten Familienmitgliedern später weniger (oder sogar nichts) vererben will, kann durch Schenkungen den Wert seines Nachlasses geschickt reduzieren. „Dabei zählt jedes Jahr. Durch rechtzeitige Schenkungen lässt sich das Pflichtteilsrecht mindern oder sogar komplett ausschließen“, sagt Anwalt Bernhard Klinger. So findet eine Schenkung für die Berechnung des Pflichtteilsergänzungsanspruchs immer weniger Berücksichtigung, je länger sie zeitlich zurückliegt. Hat eine Schenkung nur ein Jahr vor dem Erbfall stattgefunden, wird sie zu 100 Prozent bei der Berechnung mit berücksichtigt. Im zweiten Jahr nur noch zu 9/10, im dritten Jahr zu 8/10 usw. Sind seit der Schenkung mehr als zehn Jahre verstrichen, bleibt sie komplett außen vor. Die Strategie: Ein Vater schenkt seiner Tochter sein Haus im Wert von 400.000 Euro, der Sohn soll leer ausgehen. Sein Pflichtteilsergänzungsanspruch schmilzt nun Jahr für Jahr gegen null, je nachdem, wann der Vater stirbt.

Gestaltungsaspekte: Eine Vermögensübertragung muss zivilrechtlich immer als echte Schenkung eingestuft sein. Andernfalls läuft die Regelung ins Leere, da die Zehn-Jahres-Frist nicht beginnt. „Das trifft zu, wenn sich der Schenker ein Nießbrauchrecht oder ein Wohnrecht vorbehält“, betont der Heinsberger Anwalt Hans-Oskar Jülicher. Aufpassen heißt es auch bei Übertragungen an den Ehegatten. Die Zehn-Jahres-Frist – und damit die Abschmelzung des Wertes der Schenkung – beginnt hier erst mit Scheidung oder Tod.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert