Biallos Ratgeber: Wenn Mobbing am Arbeitsplatz mürbe macht

Von: Annette Jäger
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Aachen. Die schlechte Nachricht: Jeder neunte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens Opfer von Mobbing. Die gute Nachricht: Die Rechtslage hat sich für Betroffene verbessert. Wichtig ist, sich früh zur Wehr zu setzen.

Definition: Sticheleien oder Tuscheln hinterm Rücken sind unter Kollegen an der Tagesordnung. Mit Mobbing hat das erst einmal nichts zu tun. „Von Mobbing spricht man erst, wenn sich unfaire oder respektlose Handlungen, Schikanen oder Intrigen über einen längeren Zeitraum gegen eine Person richten“, stellt Ludwig Gunkel von der Mobbing-Beratung München fest. Gerade in Berufen mit stark hierarchischen Strukturen ist Mobbing verbreitet. „Unter Medizinern und Lehrern etwa gibt es Auswüchse, die man so nicht erwarten würde“, sagt Frank Sievert, auf Mobbing spezialisierter Anwalt aus Hamburg.

Erste Hilfe: Wichtig ist, frühzeitig einzuschreiten. „Wird Mobbing gleich im Anfangsstadium erkannt, hat man gute Chancen, den Konflikt zu lösen“, sagt Gunkel. Betroffene müssen die Schikanen aber nachweisen können. Beide Mobbing-Experten raten dazu, ein Tagebuch zu führen und darin die Attacken mit Ort, Datum sowie den genauen Umständen festzuhalten und Zeugen zu dokumentieren. „Das ist ein wichtiges Mittel, um bei einer eventuellen gerichtlichen Auseinandersetzung die Situation fundiert darlegen zu können“, sagt Sievert. Er rät auch, sich bei einem Chef-Wechsel vom Vorgänger ein Zeugnis ausstellen zu lassen. „So kann man nachweisen, dass der alte Chef bestens zufrieden war und man hat seine Leistungsfähigkeit quittiert.“ Bei gesundheitlichen Folgen des Mobbings empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann die gesundheitliche Entwicklung dokumentieren.

Vorfall melden: Nicht schlucken, sondern sich wehren, heißt die Devise. Größere Firmen haben häufig einen Mobbing-Beauftragten, auch der Betriebsrat ist die richtige Anlaufstelle. Vor allem muss man seinen Vorgesetzten – sollte er der Mobber sein, dann den nächst höheren Vorgesetzten über die Konfliktsituation informieren. Mobbing Beratungsstellen oder auch ein Rechtsanwalt können zur Vorgehensweise beraten.

Rechtlich vorgehen: Wenn eigene Bemühungen, den Konflikt zu stoppen, ins Leere laufen, kann man auch auf rechtliche Instrumentarien zurückgreifen. Wie weit man dabei geht, hängt von der Situation ab: Möchte man seinen Job behalten oder will man ihn aufgeben, möchte aber eine finanzielle Entschädigung durchsetzen? Erstes Mittel der Wahl ist die Beschwerde. Diese richtet man an den Betriebs- oder den Personalrat oder auch an den Vorgesetzten. Dazu kann man sich anwaltliche Hilfe holen. Eine neutrale Person formuliert in der Regel sachlicher. Mit der Beschwerde ist der Mobbing-Vorfall aktenkundig: Es muss ermittelt und Zeugen müssen gehört werden. Auch Unterlassungs- und Schadensersatzklagen oder Schmerzensgeldforderungen sind denkbar. „Die Rechtsprechung hat sich in den letzten Jahren zugunsten der Betroffenen entwickelt“, sagt Sievert.

Rechtsschutzversicherung: In solchen Fällen entlastet eine Berufsrechtsschutzversicherung zumindest finanziell. „Denn bei einem Arbeitsrechtsprozess tragen die streitenden Parteien in erster Instanz immer ihre Kosten selbst – egal wer den Prozess gewonnen hat“, sagt Versicherungsberater Thorsten Rudnik. Hat man eine Rechtsschutzversicherung, sind diese Kosten über die Police gedeckt. „Eine einfache Beratung bei einem Anwalt ist in der Regel aber nicht gedeckt“, betont Rudnik. Sinnvoll ist, wenn auch die außergerichtliche Streitschlichtung in Form einer Mediation, mitversichert ist. Wer seinen Job behalten möchte, erhält sich so die Chance, den Konflikt im Guten beizulegen.

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