Aachen - Biallos Ratgeber: Wenn die Familie zur Pflegefamilie wird

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Biallos Ratgeber: Wenn die Familie zur Pflegefamilie wird

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:
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Vater, Mutter, (Pflege-)Kind: Immer mehr junge Menschen finden ein neues Zuhause in Adoptivfamilien – manche auf Zeit, andere dauerhaft. Foto: dpa

Aachen. Wenn Kinder nicht mehr bei ihren Eltern bleiben können, ist eine Pflegefamilie eine gute Alternative. Der Bedarf steigt. Das sollten werdende Pflegeeltern über Recht, Finanzen und Versicherungsschutz wissen.

Bedarf: „Paare, Großeltern, Alleinstehende, Familien – jeder könnte ein Pflegekind aufnehmen“, sagt Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien Im Jahr 2016 lag die Zahl der Kinder, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern bleiben konnten, bei 236.000. Im Jahr 2010 waren es noch 173.000. Die steigende Zahl ist auch auf die Zunahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zurückzuführen, die inzwischen bei uns leben. Die meisten Kinder sind in Heimen, nur für etwa 37 Prozent findet sich eine Pflegefamilie. Wer ein Kind aufnehmen möchte, stellt einen Antrag beim Jugendamt.

Rechtliche Stellung: Manchmal leben Kinder dauerhaft in einer Pflegefamilie, manchmal auch nur befristet. „In etwa 60 Prozent der Fälle bleibt das Sorgerecht bei den leiblichen Eltern“, sagt Thiele. Die Pflegeeltern übernehmen dann nur die Alltagssorge. Dazu gehören tägliche Entscheidungen, die etwa den Schulbesuch betreffen, einen Arztbesuch oder die Freizeitgestaltung. Geht es um Fragen, die den weiteren Lebensweg des Kindes beeinflussen, entscheiden die leiblichen Eltern. Oft ist dabei das Jugendamt einzubeziehen.

Pflegegeld: Das Pflegekinderwesen ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Jedes Jugendamt verfolgt eigene Richtlinien. So variiert auch das Pflegegeld, das Eltern erhalten. Der Zuschuss liegt laut Empfehlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge je nach Alter des Kindes bei maximal 920 Euro pro Monat. „Das Kindergeld erhalten Pflegeeltern zusätzlich, wenn das Kind d bei ihnen lebt und der Kontakt zur leiblichen Familie sporadisch ist“, sagt Thiele. Der Betrag wird teilweise auf das Pflegegeld angerechnet. Liegt das Sorgerecht weiter bei den leiblichen Eltern, bleibt das Kind meist bei ihnen krankenversichert. Hat die Pflegefamilie das Sorgerecht, wird das Kind über die Pflegefamilie Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse.

Zuschuss zu Versicherungen: Pflegeeltern steht ein Zuschuss zu einer Unfallversicherung und einer privaten Altersvorsorge zu. Laut Empfehlung des Deutschen Vereins sollten es rund 160 Euro im Jahr pro Pflegeperson für eine Unfallversicherung und rund 43 Euro im Monat pro Pflegekind für einen Altersvorsorgevertrag sein. „Nicht alle Jugendämter halten sich daran“, sagt Axel Neb, der sich als Versicherungsmakler auf Pflegefamilien spezialisiert hat. Eltern müssen auch mit niedrigeren Zuschüssen rechnen.

Privater Versicherungsschutz: Pflegefamilien sollten das Pflegekind in ihre private Haftpflichtversicherung aufnehmen lassen. So sind Ansprüche Dritter auch gegenüber dem Pflegekind gedeckt. „Damit Haftpflichtansprüche der Pflegekinder gegenüber den Pflegeeltern und umgekehrt gedeckt sind, sollten Pflegefamilien unbedingt eine Zusatzhaftpflicht vereinbaren, die das Innenverhältnis versichert“, sagt Neb. Stößt das zehnjährige Pflegekind eine Vase der Pflegefamilie herunter, so wäre dieser Schaden gedeckt. Neb rät zudem zu einer Rechtsschutzversicherung, die speziell auf Pflegefamilien zugeschnitten ist. Sie deckt die Kosten, falls es zu Rechtsstreitigkeiten mit Behörden oder der leiblichen Familie des Kindes kommt.“

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

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