Biallos Ratgeber: Was die neue abschlagsfreie Rente ab 63 bedeutet

Von: Rolf Winkel
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Aachen. Seit 1. Juli gibt es die abschlagsfreie Rente ab 63. Davon profitieren – anders als vielfach angenommen – auch viele Frauen und Bezieher von Arbeitslosengeld I. Die renovierte „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ erspart vielen älteren Arbeitnehmern Rentenabschläge von 100 Euro und mehr im Monat.

Das bringt bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung immerhin ein Rentenplus von rund 25.000 Euro.

Wartezeit: Das Altersruhegeld für „besonders langjährig Versicherte“ ist so etwas wie eine Belohnung für Arbeitnehmer/innen, die besonders lange in die Rentenkasse eingezahlt haben. Es kommt insbesondere für diejenigen infrage, auf deren Rentenkonto 45 Jahre mit Pflichtbeiträgen stehen. Arbeitnehmer/innen, die früh – etwa mit 18 – ihre Lehre begonnen haben und ihr Leben lang durchgearbeitet haben, kommen mit 63 Jahren auf die verlangten 45 Beitragsjahre und haben damit Anspruch auf diese abschlagsfreie Altersrente.

Was bei Frauen zählt: Doch auch viele Frauen mit längeren Beschäftigungspausen können von dem neuen Angebot profitieren. Dafür sorgen die sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten, die zwar erst 1992 eingeführt wurden, aber auch für frühere Geburten – etwa in den 1960er oder 1970er Jahren – Ansprüche bringen. Für jedes Kind werden dabei die ersten zehn Jahre als Versicherungszeiten anerkannt. Wer mehrere Kinder hat, bei dem zählt meist der Zeitraum, bis das jüngste Kind zehn Jahre alt ist. Wenn das jüngste und das älteste Kind zehn Jahre auseinander liegen, werden zum Beispiel insgesamt 20 Jahre als Berücksichtigungszeiten anerkannt. „Diese Zeit zählt voll mit, wenn es um die abschlagsfreie Rente ab 63 geht“, sagt Rentenexperte Hans Nakielski von der DGB-Zeitschrift „Soziale Sicherheit“ und ergänzt: „Das bringt etlichen Frauen, die vor und nach der Kindererziehung sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, einen Anspruch auf die neue Rente.“ Er rät deshalb allen Müttern – aber natürlich auch Vätern, wenn sie die Hauptlast der Erziehung getragen haben – die Berücksichtigungszeiten auf ihrem Rentenkonto eintragen zu lassen.

Minijob plus Arbeitslosengeld: Zeiten des Bezugs der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld (ALG) I werden bei der 45-jährigen Wartezeit für die neue Rente mitgerechnet. Das gilt allerdings in der Regel nicht für den ALG-I-Bezug in den letzten beiden Jahren vor Renteneintritt. Tipp: Diese „Zwei-Jahres-Klausel“ kann derjenige leicht auskontern, der eine geringfügige Beschäftigung findet. Solche sogenannten Minijobs sind seit Anfang 2013 im Grundsatz rentenversicherungspflichtig (soweit die Rentenversicherungspflicht nicht „abgewählt“ wird). Es handelt sich dann also um ganz normale rentenversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Die Zeit der Mini-Beschäftigung zählt deshalb mit, wenn geprüft wird, ob die 45-jährige Wartezeit für die Altersrente für „besonders langjährig Versicherte“ erfüllt ist. Ein voller 450-Euro-Job muss es übrigens nicht sein. Es reicht ein kleiner Job mit Einkünften von beispielsweise 200 Euro im Monat. Der Minijob steht im Übrigen dem Anspruch auf ALG I nicht entgegen. Allerdings werden anrechenbare Einkünfte über 165 Euro (monatliches Gehalt) voll vom ALG I abgezogen. Wichtig ist: Die Aufnahme einer Beschäftigung muss der Arbeitsagentur umgehend gemeldet werden. Tipp: Ein Minijob kann auch beim früheren Arbeitgeber aufgenommen werden.

Weiterarbeit erhöht die Rente: Die neue Renten-Regel erspart Rentenabschläge – dennoch kann es sich auszahlen, nicht schon mit 63 in Rente zu gehen, sondern bis zum regulären Rentenalter durchzuarbeiten. Denn jedes zusätzliche Beschäftigungsjahr bringt einem Durchschnittsverdiener knapp 30 Euro mehr Rente im Monat.

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