Aachen - Biallos Ratgeber Vorsorgen: Sicherheit für die Patchwork-Familie

Biallos Ratgeber Vorsorgen: Sicherheit für die Patchwork-Familie

Von: Fritz Himmel und Horst Biallo
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Meine, deine, unsere Kinder: Patchwork-Familien müssen in Sachen finanzieller Absicherung für den Erbfall besonders Vorsorge treffen. Foto: imago stock&people

Aachen. In rund zwölf Millionen Familien in Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt bereits Kinder, die nicht die Nachkommen beider Ehegatten sind. Diese moderne Lebensart einer sogenannten Patchwork-Familie kann beim Vorsorgen oder in einem Erbfall mit seinem Geflecht aus Beziehungen und Ansprüchen zu ungerechten Vermögensverschiebungen führen.

„Mit Komplikationen für die Erben ist vor allem dann zu rechnen, wenn die Partner Kinder aus früheren und aus einer gemeinsamen Ehe haben”, sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt für Erbrecht aus München und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten.

Typisches Fallbeispiel: Ein Ehepaar hat zwei gemeinsame Töchter und lebt im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Der Mann bringt zusätzlich einen Sohn aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe. Die fünfköpfige Familie bewohnt das Haus des Mannes. Stirbt der Mann und hinterlässt kein Testament, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Seine zweite Ehefrau erbt somit die Hälfte seines Vermögens, seine drei leiblichen Kinder teilen sich zu gleichen Teilen die andere Hälfte. Stirbt später die Frau, erben jedoch nur noch ihre beiden leiblichen Kinder. Der Sohn aus der ersten Ehe des Mannes - also ihr Stiefsohn - geht nach der gesetzlichen Erbfolge leer aus.

„Stiefkinder zählen rechtlich nicht zu den Erbberechtigten, selbst wenn das gesamte Vermögen ursprünglich von deren verstorbenem Elternteil stammte”, so Klinger.

Ein weiteres Szenario: Sind Patchwork-Partner nicht verheiratet, stehen sie im Todesfall - ohne entsprechendes Testament - genau wie die Stiefkinder vor dem Nichts. Sie sind nicht erbberechtigt, selbst wenn sie mit dem Erblasser bereits 20 Jahre oder länger zusammengelebt hätten.

Unerwünschte Folgen: Chaos ist programmiert, wenn erbberechtigte Kinder aus der ersten Ehe noch minderjährig sind und der geschiedene Ex-Partner die Hinterlassenschaft verwalten muss. Stirbt beispielsweise der Mann in einer Patchwork-Familie und hinterlässt eine minderjährige Tochter aus erster Ehe, so bekäme seine Ex-Frau, falls sie das Sorgerecht für die Kleine hat, automatisch über das gemeinsame Kind plötzlich Zugriff auf seinen Nachlass - trotz Scheidung.

Bei derartigen Familienkonstellationen ist eine rechtzeitige Erbregelung per Testament oder Erbvertrag unabdingbar. „Andernfalls entscheidet der Zufall und es kommt nur darauf an, in welcher Reihenfolge die Eltern sterben, um die Kinder des einen oder des anderen Partners zu abschließenden Erben zu machen”, warnt der Aachener Fachanwalt für Erbrecht, Klaus Becker.

So lassen sich durch testamentarische Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft Regelungen treffen, durch die ein bestimmter Personenkreis vom Zugriff auf das Erbe ausgeschlossen wird. Dabei ist zu beachten, dass enterbte Verwandte Pflichtteilansprüche haben können, welche in Höhe der Hälfte der gesetzlichen Erbteile bestehen. „Vorsicht ist hier beim Berliner Testament geboten, da es dabei zum unfreiwilligen Ausschluss der eigenen Kinder vom Erbe führen kann”, sagt Becker. Beim Berliner Testament setzen sich Ehe- oder Lebenspartner gegenseitig als Alleinerben ein.

Sinnvolle Vorsorge: Der plötzliche Todesfall des Hauptverdieners kann zudem eine ganze Familie in den finanziellen Ruin stürzen. Eine Risikolebensversicherung ist daher ein Pflichtschutz für alle, die für ihre Kinder, Ehe- oder Lebenspartner vorsorgen wollen. „Vor allem wegen des hier oft fehlenden Anspruchs auf eine Witwenrente und bei dem für Patchwork-Familien unübersichtlichen Erbrecht besteht ein erhöhter Handlungsbedarf, um gegen mögliche finanzielle Folgekrisen des Partners oder der Kinder gezielte Vorsorge zu treffen”, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Bei der Auszahlung der Versicherungssumme fällt später keine Einkommen-, aber eventuell Erbschaftsteuer an. Hier hilft ein Trick: Der Bezugsberechtigte ist gleichzeitig auch der Versicherungsnehmer und zahlt die Beiträge für die Risikolebensversicherung seines Partners. In diesem Fall zahlt er für seine eigene Absicherung im Todesfall des Partners, und die Erbschaftsteuer entfällt.
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