Biallos Ratgeber: Verheiratete haben die Nase vorn

Von: Annette Jäger
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Aachen. Zusammen ziehen, Kinder kriegen, gemeinsam alt werden – geht doch auch ohne Trauschein. Stimmt. Doch ziehen Gewitterwolken am Himmel auf und kommt es zur Trennung, sind Ehepartner klar im Vorteil. Ist eine Ehe noch sinnvoll? „Ja, auf jeden Fall“, ist Karola Schlüter-Oelkers, Fachanwältin für Familienrecht, überzeugt. Vor allem bei Unterhalt und Erbe kann die Ehe deutlich punkten.

Unterhalt: Kinder erhalten nach Trennung der Eltern denselben Unterhalt, egal ob diese verheiratet waren oder nicht. Anders sieht es für den Ex-Partner aus. Seit der Reform des Unterhaltsrechts im Jahr 2008, die die Position der geschiedenen Ehefrauen zunächst deutlich verschlechtert hat, sind „die Richter wieder zurückgerudert“, sagt Schlüter-Oelkers.

Inzwischen ist es für Ex-Gatten, die die Kinder versorgen, wieder einfacher geworden, ihren Unterhaltsanspruch zu verlängern. „Meist müssen sie erst wieder zu Dreiviertel oder Vollzeit arbeiten, wenn die Kinder zehn oder zwölf Jahre alt sind“, sagt die Familienrechtlerin.

Davon können unverheiratete Ex-Partner nur träumen: Sie müssen ab dem dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes wieder für sich alleine sorgen. Auch lange Ehen sind geschützt. Kann man anhand seines persönlichen Lebenslaufes nachweisen, dass man die Karriere zugunsten der Kinder zurückgestellt hat, ist der Ex-Ehepartner dazu verpflichtet, diese Gehaltslücke aufzustocken. „Bis zu fünf Jahre oder länger nach der Scheidung ist so ein Unterhalt noch möglich“, sagt Schlüter-Oelkers.

Versorgungsausgleich: Wer jahrelang Kinder versorgt und auf seine Karriere verzichtet hat, ist beim Thema Rente deutlich benachteiligt. Deshalb gibt es den Versorgungsausgleich, der geschiedenen Partnern die Hälfte der Rentenansprüche des Ex-Gatten zusichert. Je länger man verheiratet war, desto höher kann der Ausgleich am Ende sein, denn er wird für die gesamte Ehezeit berechnet.

Zugewinngemeinschaft: „Eheleute leben in einer Wirtschaftsgemeinschaft“, sagt die Anwältin. In der Regel gilt die Zugewinngemeinschaft. Vermögen in der Ehe gehört beiden Eheleuten zu gleichen Teilen – egal wer von beiden es erwirtschaftet hat. Die Eheleute haben bei einer Scheidung denselben Geldanspruch auf den Zugewinn. Paare ohne Trauschein müssen gemeinsames Eigentum nach einer Trennung alleine auseinander dividieren.

Sorgerecht: Männer, die Väter werden, sollten unbedingt heiraten. Denn nur in der Ehe sind Vater und Mutter rechtlich gleichgestellt, was das Sorgerecht angeht. Seit Mai 2013 können nichtverheiratete Väter zwar das Mitsorgerecht auch ohne Zustimmung der Mutter erhalten – allerdings nicht automatisch. Sie müssen erst einen Antrag beim Familiengericht stellen.

Erbe: In der klassischen Zugewinngemeinschaft erbt der Ehepartner automatisch die Hälfte des Vermögens des gestorbenen Partners. In einer Verbindung ohne Trauschein gibt es keinerlei Erbansprüche. Die Freibeträge sprechen ebenso eine deutliche Sprache: Ehegatten genießen einen Freibetrag von 500.000 Euro, nichtverheiratete Paare – wenn sie über ein Testament als Erben eingesetzt sind – nur 20.000 Euro.

Steuern: Die meisten glauben, der Steuervorteil sei das größte Plus der Ehe. Deshalb also noch schnell vor dem 31. Dezember vor den Traualtar ziehen, um Steuern für das abgelaufene Jahr zu sparen? „Das lohnt sich nur, wenn auch die Vorteile der Zusammenveranlagung greifen“, sagt Steuerberater Michael Lettl. Und das ist nur der Fall, wenn sich die Einkommen der Ehegatten wesentlich unterscheiden. „Bei Ehegatten, die gleich viel verdienen, ergibt sich durch die Splittingtabelle kein Steuervorteil.“

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