Biallos Ratgeber Unternehmensanleihen: Renditeplus nicht ohne Risiko

Von: Max Geißler und Horst Biallo
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Unternehmensanleihen stehen derzeit hoch im Kurs. Foto: Imago/Schöning

Aachen. Als Alternative zu unsicheren Aktienanlagen stehen Unternehmensanleihen derzeit hoch im Kurs. Manche Papiere locken mit zweistelligen Renditen - entsprechend hoch ist die Nachfrage. So hat sich der Umsatz mit Unternehmensanleihen an der Börse Stuttgart von 2007 auf 2008 mehr als verdoppelt.

Viele Fondsmanager halten die sogenannten Corporate-Bonds für die attraktivste Anlageform im Jahr 2009.

Auszahlung: Die Attraktivität hat Gründe. „Unternehmensanleihen zahlen am Ende der Laufzeit das angelegte Kapital zu 100 Prozent zurück”, erklärt Sabine Traub, Leiterin des Anleihehandels der Börse Stuttgart. Lediglich bei einem Konkurs könne der Einsatz in Gefahr geraten. Als Gläubiger werden Anleihebesitzer jedoch vorrangig bedient. Im Pleitefall gehen sie im Gegensatz zu Aktionären nur selten leer aus. Außerdem erhalten Anleger regelmäßig Zinsen. „Die Höhe der Zinszahlung ist festgeschrieben, das macht die Rendite gut kalkulierbar”, so Traub.

Bonität: Als Grundregel gilt, je weniger Bonität ein Unternehmen genießt, desto höhere Zinsen muss es bieten, damit die Anleihe Käufer findet. Die Bonität bewerten unabhängige Rating-Agenturen wie Standard & Poors. A-Ratings (AAA, AA+, A+) gelten als besonders sicher. Ab einem Rating mit der Note B steigt das Ausfallrisiko. Beispiel: Eine VW-Anleihe (A-) zahlt derzeit 6,875 Prozent Zinsen, Handelsriese Metro (BBB) muss aufgrund des schlechteren Ratings bereits 9,375 Prozent Zinsen bieten. Die Wirtschaftskrise verstärkt den Zinsdruck. Viele Konzerne ködern Anleger mit hohen Zinskupons, etwa BMW und Daimler mit knapp neun Prozent.

Kurswert: Neben der Verzinsung beeinflusst der Kurswert die Rendite. Zum Börsenstart notieren Anleihen zum Kurs von 100 Prozent, der anschließende Handel bedingt Kursschwankungen. Zum Laufzeitende nähert sich der Kurs wieder 100 Prozent an. Werden die Papiere bis zum Schluss gehalten, entspricht die Rendite dem Anleihezins. Schlechte Wirtschaftsnachrichten oder steigende Leitzinsen können den Kurs jedoch drücken. Wer dann verkauft, erhält den aktuellen Kurswert.

Folge: Die Rendite sinkt unter die eigentliche Verzinsung. Beispiel: Ein Investor kauft eine Anleihe zum Nominalwert von 1000 Euro. Fällt der Kurs auf 90 Prozent, bringt der Verkauf 900 Euro - ein Minus von zehn Prozent. Zahlt die Anleihe sechs Prozent Zinsen, verbucht der Anleger bei zwölf Monaten Laufzeit unterm Strich einen Verlust von vier Prozent oder 40 Euro. Umgekehrt kann der Kurs aber auch steigen, etwa auf 110 Prozent. Dann erzielen Verkäufer einen Kurs- und Zinsgewinn von 16 Prozent. Tipp: Die Börse Stuttgart bietet auf ihren Internetseiten einen entsprechenden Renditerechner.

Einstiegszeitpunkt: Wegen der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise notieren viele Bonds erheblich unter ihrem Nominalwert. Manche Anleger halten solche Kurse für eine gute Einstiegsgelegenheit, schließlich winken hohe Gewinne, außerdem stützen die Regierungen Banken und Autoindustrie nach Kräften. Doch gilt dies für jedes Szenario? Finanzexperte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen ist skeptisch: „Die Krise ist noch nicht ausgestanden, Anleihekurse von 60 Prozent und weniger sind kein Einstiegsgrund.” Privatanleger seien mit Bundesanleihen oder mit 3,5 Prozent Festzinsen von der Hausbank auf der sicheren Seite.

Weniger riskant: Fonds für Unternehmensanleihen. Ein Bündel von Einzelanleihen streut das Ausfallrisiko, zudem investieren die Fonds vorrangig in Papiere mit hoher Bonität. Den jüngsten Marktturbulenzen konnten sich aber nur wenige Fonds entziehen. Gute Ergebnisse verzeichneten vor allem Fonds mit Dollar-Anleihen - allerdings bestehen hier Währungsrisiken.
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