Aachen - Biallos Ratgeber: Überschätzt oder notwendig?

Biallos Ratgeber: Überschätzt oder notwendig?

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:
Bildnummer: 57963465  Datum: 0
Krankenwagen rast mit Blaulicht durch Berlin.

Aachen. Die Angst vor Unfällen mit langfristigen Gesundheitsschäden scheint groß zu sein. Das legen die Zahlen nahe: Über 40 Prozent der deutschen Haushalte haben eine private Unfallversicherung abgeschlossen. Damit gehört sie mit zu den beliebtesten Policen.

„Sie wird aber in vielen Fällen überschätzt”, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale. „Sie ist nur eine Ausschnittsdeckung.” Denn das wesentlich höhere Risiko, wegen Krankheit invalide zu werden, ist nicht abgedeckt. Das leistet nur die Berufsunfähigkeitspolice (BU). In einigen Fällen kann die Unfallversicherung aber sinnvoll sein.

Was leistet die Versicherung?

Mit ihr sichert man sich gegen das Risiko Invalidität in Folge eines Unfalls ab. Versichert sind Arbeits- und Freizeitunfälle. Die Invalidität muss voraussichtlich länger als drei Jahre anhalten. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Grad der Invalidität, der in einer Gliedertaxe festgelegt ist.

Wer benötigt eine Police?

Wer keine Berufsunfähigkeitspolice (BU) erhält, etwa wegen Vorerkrankungen oder wegen eines risikoreichen Berufs, kann eine Unfallpolice als Alternative wählen. Auch für Menschen, die einem gefährlichen Hobby nachgehen, kann sie als Zusatzabsicherung zu einer BU wünschenswert sein. Ebenso können Kinder profitieren. „Eine Kinderunfallversicherung ist sinnvoll ab dem ersten Lebenstag”, sagt Bianca Boss, Versicherungsexpertin vom Bund der Versicherten. Für Rentner lohnt sich eine Police nur, wenn Unfälle infolge von Vorerkrankungen wenigstens zum Teil anerkannt sind.

Invaliditätssumme

„Ab 200.000 Euro wird es oftmals sinnvoll”, sagt Verbraucherschutzexperte Grieble. Gut sind Progressionstarife: Hier steigt die Versicherungsleistung bei höheren Invaliditätsgraden progressiv, also überproportional an, meist ab einer 26-prozentigen Invalidität. Es gibt Progressionen von 225, 350 oder auch 500 Prozent. Bei einer Versicherungssumme von 200.000 Euro erhält man bei einer Progression von 225 Prozent und einer Invalidität von 100 Prozent 450.000 Euro - anstatt nur 200.000 Euro bei einem Tarif ohne Progression. Damit sind auch niedrigere Invaliditätsgrade - 30, 40 oder auch 50 Prozent - gut abgesichert.

Welcher Tarif ist der richtige?

Es gibt eine Vielzahl von Tarifen und enorme Preisunterschiede. In der Regel muss man einen Komfort-, Plus- oder Premium-Tarif wählen, um einen guten Leistungsumfang zu erhalten. Doch auch hier findet man Policen mit erheblichen Leistungslücken. Wichtig ist, dass der Tarif verlängerte Fristen für das Eintreten und die Meldung der Invalidität bietet, dass er eine verbesserte Gliedertaxe im Vergleich zu den Musterbedingungen gewährt und zumindest eingeschränkte Leistungen bei Unfällen infolge von Bewusstseinsstörungen vorsieht.

Was kostet eine Police?

Für einen leistungsstarken Tarif (Invaliditätssumme 200.000 Euro, Progression 225 Prozent) zahlt man im Alter von 35 Jahren zwischen 200 Euro (Gothaer, Asstel) und 300 Euro (Münchner Verein, Europa) im Jahr. Man kann aber auch über 600 Euro dafür bezahlen (Stuttgarter, Alte Leipziger, Universa). Ein Tarifrechner findet sich im Internet unter http://www.biallo.de.
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