Biallos Ratgeber: Tipps zum Arbeiten im Alter

Von: Rolf Winkel
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Bei Computerproblemen beraten oder Handwerksarbeiten übernehmen: Jeder siebte junge Senior zwischen 65 und 69 geht noch arbeiten. Foto: dpa

Aachen. Jeder Siebte zwischen 65 und 69 Jahren geht noch arbeiten. 2006 waren es nicht einmal halb so viele. Worauf Erwerbstätige in diesem Alter achten sollten.

Gehalt plus Rente: Seit dem 1. September gehört auch Ernst S., gelernter Werkzeugmacher, zu den jobbenden Senioren. „Es hat mich einfach gejuckt, noch mal zu zeigen, was ich kann. Und das Geld kann ich brauchen.“ Als sein Arbeitgeber ihm anbot, nach Erreichen des Rentenalters eine Krankheitsvertretung zu übernehmen, zauderte der 65-Jährige nicht lange. „4000 Euro brutto und erst mal für zwei Jahre befristet, das ist doch in Ordnung“, sagt Ernst S.

Sein Arbeitgeber nutzt eine Möglichkeit, die Mitte 2014 neu geschaffen wurde. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können „durch Vereinbarung während des Arbeitsverhältnisses den Beendigungszeitpunkt, gegebenenfalls mehrfach, hinausschieben“. Möglich geworden ist damit die befristete Beschäftigung über das reguläre Rentenalter hinaus. Die Regelung gilt für den (Standard-)Fall, dass die Beschäftigung ursprünglich auf das reguläre Rentenalter befristet war.

Den Lohn erhält Ernst S. zusätzlich zu seiner Rente in Höhe von 1250 Euro. Die Rentenkasse musste er nicht informieren. „Wenn jemand das reguläre Rentenalter erreicht hat, interessiert uns nicht, was er neben der Rente an Einkünften hat“, sagt Stefan Braatz von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Das bedeutet derzeit: Wer 65 Jahre und vier Monate alt ist, darf unbegrenzt zu seiner Rente hinzuverdienen.

Verzicht auf Rentenantrag: Noch vorteilhafter wäre es für Ernst S. gewesen, wenn er erst gar keinen Rentenantrag gestellt hätte. Denn die Rente setzt auch mit Erreichen des regulären Rentenalters keinesfalls automatisch ein. Zwar informiert die Rentenversicherung rund zwei Monate vor Erreichen des Regelrentenalters, dass in Kürze ein Anspruch auf eine Altersrente besteht. Doch der Rentenantrag kann aufgeschoben werden – und das lohnt sich. Für jeden Monat Rentenaufschub gibt’s später ein Rentenplus von 0,5 Prozent. Und durch zusätzlichen Rentenversicherungsbeiträge während der Weiterbeschäftigung steigt der Rentenanspruch noch mehr.

Die Rente von Ernst S. wäre bei 24 Monaten Weiterbeschäftigung um rund 80 Euro gestiegen. Den Zuschlag von zwölf Prozent (24 Monate x 0,5) hätte es obendrauf gegeben. Insgesamt wäre der Hamburger damit 2017 – auch ohne Berücksichtigung der zu erwartenden weiteren Rentensteigerungen – auf rund 240 Euro mehr Rente pro Monat gekommen, hätte er auf den Rentenantrag verzichtet.

Arbeitsrecht: Arbeitsrechtlich ändert sich für Beschäftigte jenseits der 65 wenig. Sie haben Anspruch auf Urlaub sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Für sie gilt auch das Kündigungsschutzgesetz und im Krankheitsfall steht ihnen eine sechswöchige Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zu. Arbeitnehmer ab 65 müssen auch genauso entlohnt werden wie es für die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten per Tarifvertrag vorgeschrieben oder betriebsüblich ist.

Arbeitslosenversicherung: Egal ob ein Arbeitnehmer ab 65 bereits Rente bezieht oder nicht: Beiträge an die Bundesagentur für Arbeit fallen für ihn nicht an (nur für den Arbeitgeber). Die Kehrseite: Beim Jobverlust besteht nach Erreichen des regulären Rentenalters auch kein Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr.

Bei der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gilt: Wer noch keine Rente bezieht, ist als Arbeitnehmer immer beitragspflichtig. Rentenbezieher müssen dagegen keine Beiträge mehr in die Rentenkasse entrichten – für sie zahlt nur der Arbeitgeber seinen Beitragsanteil. Wer bereits eine Altersrente bezieht, muss auch in der Krankenversicherung nur noch den um 0,6 Prozentpunkte verringerten ermäßigten Beitragssatz entrichten.

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