Biallos Ratgeber: So vermeidet man Fallstricke beim Vererben

Von: Fritz Himmel
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Aachen. Bis zum Jahr 2020 werden nach Analysen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in diesem Jahrzehnt insgesamt rund 2,6 Billionen Euro in Deutschland vererbt. Wichtiger denn je ist es daher auch für private Erblasser, Fehler bei der Nachlassplanung zu vermeiden.

„Denn nicht nur die Höhe der Vermögen, auch die Anzahl der Rechtsstreitigkeiten ums Erbe nimmt rasant zu“, sagt Hans-Oskar Jülicher, Fachanwalt für Erbrecht in Heinsberg.

Die häufige Risikobereiche im Überblick:

Testament – keines oder falsches: Nur etwa jeder vierte Deutsche trifft eine letztwillige Verfügung – und selbst davon ist ein Großteil der privatschriftlich verfassten oft unklar oder gänzlich unwirksam. Viele – einem Laien bekannte – Formulierungen oder Begriffe haben im Erbrecht eine andere Bedeutung mit entsprechenden Konsequenzen. „Laientestamente halten für die Erben oft böse Überraschungen bereit“, warnt aus Erfahrung Anwalt Jülicher. „Nicht selten entstehen durch unwirksame Regelungen dann Zufallserbengemeinschaften – und viel Streit mit drohender Vermögensvernichtung.“

Pflichtteilsproblematik vernachlässigt: Häufig übersehen Erblasser, dass es in vielen Erbfällen Pflichtteilsansprüche gibt, die zudem immer ein Geldanspruch sind. Dies kann Erben, die den Pflichtteil zahlen müssen, in größte Liquiditätsprobleme stürzen, wenn etwa der Nachlass aus einer Immobilie besteht. Erblasser sollten dieses Problem kennen und rechtlich einwandfrei entschärfen, etwa durch einen vereinbarten Pflichtteilsverzicht, durch Testaments- oder Anrechnungsklauseln bei Schenkungen an den späteren Pflichtteilsberechtigten, oder durch rechtzeitige Schenkungen an andere Personen. Vorsicht Super-Gau: Ein privatschriftlicher Pflichtteilsverzichtsvertrag, etwa zwischen Eltern und Kindern, hat rechtlich keine Gültigkeit. Hier wähnen sich Erblasser oft in Sicherheit und denken, es wäre alles bestens gelöst. „Ein Pflichtteilsverzichtsvertrag bedarf immer der notariellen Beurkundung“, betont Anwalt Jülicher eindringlich (Paragraf 2348 BGB).

Steueraspekte nicht berücksichtigt: Selbst wenn sich ein Testament schlüssig liest, kann es aus steuerrechtlicher Sicht unvernünftig sein. „Bei der Erbschaftsteuer lässt sich durch ein geschickt gestaltetes Testament und Schenkungen ganz legal viel Geld einsparen“, sagt Agnes Fischl, Fachanwältin für Erbrecht und Steuerberaterin der Kanzlei Convocat aus München. Eine ungeschickte Verteilung und Nichtbeachtung der Freibeträge kann eine Familie viel Geld kosten.

Ehegattentestament – riskante Falle: Besonders beliebt ist hier das „Berliner Testament“. Dabei setzen sich die Ehegatten jeweils als Alleinerben und meistens dann die Kinder als Schlusserben ein. Hier darf das beim Tod des ersten Ehepartners enterbte Kind seinen Pflichtteil vom länger lebenden Elternteil verlangen. „Besteht das Erbe aus einer Immobilie, kann es schwierig werden, den Pflichtteil in bar aufzutreiben“, mahnt Anwältin Fischl. Doch damit nicht genug. Jedes von seinen Eltern so enterbte Kind hat zwei Pflichtteilsansprüche, jeweils einen beim Tod jedes Elternteils (OLG Koblenz, Az. 2 U 831/09). Jeder der beiden eintretenden Erbfälle löst für den Enterbten einen Pflichtteilsanspruch aus.

Vererben von Eigenheimen – tückische Falle: Vererbt ein Verstorbener das gemeinsame Familienheim den Kindern, so müssen hinterbliebene Ehepartner das dortige lebenslange kostenlose Wohnrecht versteuern (BFH, Az. II R 45/12). „Wie hoch die Steuer ausfällt, hängt vom Kapitalwert des Wohnungsrechts ab. Dieser bemisst sich nach dem Mietspiegel und nach dem Alter des Bewohners“, sagt Anwältin Fischl.

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