Biallos Ratgeber: So kann jeder Gesellschaft mitgestalten

Von: Annete Jäger
Letzte Aktualisierung:
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Aachen. Sie schaffen viel: Ein Mittagessen für bedürftige Schulkinder bereitstellen, Schulverweigerer wieder in ihren Alltag integrieren, einen Spielplatz in einem Brennpunkt-Stadtviertel finanzieren oder Bäume pflanzen. Die Rede ist von Bürgerstiftungen.

Diese noch junge Stiftungsform hat in Deutschland in den vergangenen Jahren vehement an Fahrt aufgenommen: Derzeit gibt es rund 21.000 Bürgerstifter - fast doppelt so viele wie vor sechs Jahren. Dort engagieren sich Bürger für das Gemeinwohl und setzen da Akzente, wo sie es für wichtig und richtig halten. Bürgerstifter kann jeder werden - auch ohne vermögend zu sein.

Was ist eine Bürgerstiftung?

Eine beliebig große Zahl von Bürgern schließt sich zusammen und initiiert selbst gewählte Projekte im unmittelbaren Umfeld. „Sie haben eine breite Zweckausrichtung und engagieren sich unter anderem für Jugend, Bildung, Erziehung, Soziales und Sport”, sagt Hedda Hoffmann-Steudner, Justitiarin beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. In Deutschland gibt es rund 300 Bürgerstiftungen. Ihr großer Vorteil: „Man kann schnell auf Missstände reagieren und Projekte anschieben”, sagt Angelika Schilling, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Berlin, die sich für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien einsetzt.

Wie funktioniert eine Stiftung?

Eine Stiftung verfügt über einen Vermögensgrundstock, der am Kapitalmarkt angelegt wird. Nur aus den Erträgen finanziert sie ihre Projekte, das Grundkapital bleibt unangetastet. Daneben kann eine bestehende Stiftung Spenden annehmen, die umgehend für Projekte auszugeben sind. Bürger können auch Zustiftungen machen, ohne dadurch selbst zum Stifter zu werden.

Dieser Geldbetrag wird dem Grundvermögen zugeschlagen. Der Stiftungszweck - welche Projekte mit dem Geld gefördert werden - legen die Stifter in einer Satzung fest. Jede Stiftung muss einen Anerkennungsprozess bei den Aufsichtsbehörden durchlaufen. Beratung bei der Stiftungsgründung gewährt die „Initiative Bürgerstiftungen”. Sie ist unter dem Dach des Bundesverbands Deutscher Stiftungen angesiedelt, die unter anderem vom Bundesfamilienministerium gefördert wird (http://www. die-deutschen-buergerstiftungen.de).

Wieviel Geld muss man einbringen?

Jeder, der einen Geldbetrag in beliebiger Höhe bei der Gründung einbringt, wird damit zum Stifter. „Ein Gesamtgrundvermögen von 50.000 Euro ist ein Minimum, 100.000 Euro sind besser”, sagt Hoffmann-Steudner. Je mehr Grundvermögen man hat, desto effektiver kann man fördern. Bei einer Verzinsung von vier Prozent hat man bei einem Grundvermögen von 50.000 Euro gerade mal 2000 Euro Ertrag im Jahr. Doch „es lohnt sich immer”, zieht Schilling Bilanz. „Wenn man nicht beginnt, kann man auch keine Mitstreiter begeistern.” Viele Projekte lebten durch das Engagement von Ehrenamtlichen und kosteten nicht viel Geld. Die Berliner Bürgerstiftung gibt es seit zwölf Jahren. Das Vermögen sei bis heute „nicht riesig”, dafür aber die Schar der Ehrenamtlichen - 300 an der Zahl. „Die sind unser größter Fonds.”

Welche Steuervorteile winken?

Bei einer gemeinnützigen Bürgerstiftung fallen weder Erbschafts- noch Schenkungssteuern an. Auch die Erträge, die eine Stiftung erzielt, sind steuerfrei. Was die Einkommenssteuer angeht, kann der Stifter bei der Neugründung oder bei Zustiftungen einen Betrag von einer Million Euro (bei Ehepaaren zwei Millionen Euro) steuerlich geltend machen. Allerdings gilt das nur einmal in zehn Jahren. Wer der Stiftung Spenden zukommen lässt, kann jährlich 20 Prozent des zu versteuernden Einkommens als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen.
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