Biallos Ratgeber: So findet man den passenden Rechtsanwalt

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:
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Übernimmt der Anwalt einen Fall, wird nach der Gebührenordnung abgerechnet. Foto: dpa

Aachen. Auch wenn Sie nicht zu den streitsüchtigen Menschen zählen – es kann jedem jederzeit passieren, in einen Rechtsstreit zu geraten. Wo Sie einen Anwalt finden, was das kostet, welche Optionen Sie haben, wenn Sie sich das nicht leisten können, welche Beratungsalternativen es gibt und was eine Rechtsschutzversicherung bringt, zeigt unser Überblick.

Anwaltssuche

„Mundpropaganda ist eine gute Empfehlung“, sagt Julia Woywod-Dorn, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wenn Bekannte gute Erfahrungen mit einem Rechtsanwalt gemacht haben, ist das eine geeignete Anlaufadresse. Auch die regionalen Rechtsanwaltskammern und -vereine helfen bei der Suche.

Viele Anwälte haben sich auf ein Thema spezialisiert, sind Fachanwälte zum Beispiel für Steuer- oder Erb-recht. „Man sollte ruhig nach der Anzahl der Verfahren fragen, die der Anwalt zu dem Thema geführt hat“, rät die Juristin. Auch auf persönlicher Ebene sollte es stimmen.

Erstberatung

Übernimmt der Anwalt einen Fall, wird nach der Gebührenordnung abgerechnet. Nur die Erstberatung, bei der der Anwalt sich den Fall anhört und eine Einschätzung gibt, wird unterschiedlich berechnet. Zwischen zehn und 190 Euro ist alles möglich. „Nur teurer darf es nicht werden“, sagt Woywod-Dorn. Fachanwälte verlangen nicht selten den Maximalbetrag. Achtung: Auch ein Telefonat kann bereits als Erstberatung gelten. „Es lohnt sich, genau nachzufragen, ab wann Kosten anfallen.“

Streitwert

Wie teuer es wird, wenn der Anwalt den Fall übernimmt, hängt vom Streitwert ab, über den verhandelt wird. Jetzt greift die Gebührenordnung: Bei 1000 Euro Streitwert fallen 80 Euro Anwaltsgebühren an, bei 10.000 Euro sind es 558 Euro.

Landet der Fall vor Gericht, kommen Gerichtskosten hinzu, eventuell auch Sachverständigenkosten oder Zeugengelder. Wird der Prozess gewonnen, trägt der Gegner mit wenigen Ausnahmen alle Kosten. Oft kommt es aber zu einem Vergleich – dann werden die Kosten aufgeteilt.

Beratungshilfeschein

Wer sich keinen Anwalt leisten kann, erhält Unterstützung vom Staat. Das gilt meist für alle, die Anspruch auf Sozialhilfeleistungen haben, Arbeitslosengeld II beziehen oder Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Ebenso zählen Geringverdiener dazu, die nachweisen können, dass sie kein Geld für einen Anwalt haben. Beim Amtsgericht (Rechtsantragsstelle), können Betroffene nach Vorlage aller erforderlichen Nachweise einen Beratungshilfeschein erhalten. Sie zahlen nur zehn Euro für die Beratung durch den Rechtsanwalt. Dieser darf dann außergerichtlich tätig werden. Kommt es zu einem Prozess, ist Prozesskostenhilfe möglich, so dass der Staat einen Großteil der Kosten trägt.

Alternative Beratung

Der Verbraucher kann im ersten Schritt auch alternative Rechtsberatungen in Anspruch nehmen, die kostengünstiger sind als ein Anwalt. „Die Verbraucherzentralen beraten rund um Verbraucherrechte und helfen eine Lösung zu finden“, sagt Woywod-Dorn.

In Baden-Württemberg kostet eine Erstberatung zum Beispiel 22 Euro für 20 Minuten. Weitere Alternativen sind zum Beispiel die Schuldnerberatungsstellen, die beim Thema Schulden beraten, oder die Arbeiterwohlfahrt, die bei sozialrechtlichen Themen weiterhilft.

Rechtsschutzversicherung

Die beste Möglichkeit, das Kostenrisiko eines Rechtsstreits zu minimieren, ist eine Rechtsschutzversicherung. „Die Police wird immer wichtiger“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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