Aachen - Biallos Ratgeber: So befreit man sich aus der Schuldenfalle

Biallos Ratgeber: So befreit man sich aus der Schuldenfalle

Von: Birgit Müller
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wer sich überschuldet hat, muss das nicht ein Leben lang bleiben. Dank der 1999 eingeführten Verbraucherinsolvenz, häufig auch Privatinsolvenz genannt, kann der Schuldner in der Regel nach sechs Jahren wieder bei Null anfangen.

 Seit dem 1. Juli 2014 geht es sogar noch schneller. Bis es so weit ist, muss aber eine Durststrecke mit erheblichen Einschränkungen und Auswirkungen für den gesamten Alltag überstanden werden.

Überschuldet: Überschuldet hat sich eine Person, wenn deren Ausgaben höher sind als ihre Einnahmen. Dann können zum Beispiel Kreditraten an die Bank oder den Versandhändler nicht mehr bezahlt werden und der Dispositionskredit auf dem Girokonto ist so weit überzogen, dass keine Abbuchung mehr durchgeht. Statt Zahlungsaufforderungen der Gläubiger flattern nur noch Mahnungen ins Haus.

Auswirkungen: Die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. „Erst kündigt die Bank den Dispositionskredit auf dem Girokonto und sperrt so die Kontokarten“, sagt Jan Heckmann, ein auf Insolvenzrecht spezialisierter Anwalt in Berlin. Wer seine Ratenzahlungen für den Kredit oder die Baufinanzierung nicht mehr bezahlen kann, bekommt auch die Darlehenskündigung ins Haus. Jetzt will die Bank ihr Geld am liebsten sofort und in einer Summe zurück. Wer die Summe nicht aufbringen kann, muss mit der Verwertung der Sicherheiten rechnen. Heißt: Wurde der Kfz-Brief hinterlegt, wird das Auto von der Bank verkauft. Bürgschaftsgeber werden zur Zahlung aufgefordert und Eigentum zwangsversteigert.

Insolvenz: Wer sich als Schuldner dazu überwunden hat, sich Hilfe zu holen, ist bereits auf einem guten Weg. Jetzt muss nur noch ein Termin bei einem Schuldnerberater ergattert werden. Das ist nicht immer ganz einfach. „Bei uns beträgt die Wartezeit bis zu sechs Monate“, sagt zum Beispiel Dorothee Buhl, Schuldnerberaterin bei der Caritas in Berlin. Wöchentliche Sprechstunden gibt es aber dennoch. Zwar muss der Schuldner dort mitarbeiten, aber die Beratung ist kostenlos. Schneller und bequemer, dafür allerdings gegen eine Gebühr, geht es bei einem Anwalt, der auf Insolvenzrecht spezialisiert ist.

„Der Schuldner kann uns einfach einen Karton mit allen Unterlagen vorbeibringen, wir kümmern uns um den Rest“, sagt Heckmann. Bevor ein Antrag auf Schuldenerlass gestellt werden kann, muss der Versuch gestartet werden, die Sache außergerichtlich zu klären. Scheitert dieser Versuch, kann der Insolvenzantrag gestellt werden. Ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter, meist eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt, versucht nun, alles zu Geld zu machen, was der Schuldner noch auf der hohen Kante hat. Der Schuldenbereinigungsplan ist also der Startschuss für einen Neuanfang.

Das neue, verkürzte Verfahren: Im Anschluss an die Insolvenzphase beginnt die sogenannte Wohlverhaltensperiode. Im Regelfall dauern beide Phasen zusammen sechs Jahre. Seit 2014 gilt: Wer die gesamten Verfahrenskosten in fünf Jahren abbezahlen kann, darf bereits nach dieser Zeit einen Antrag auf Schuldenbereinigung stellen. Nach drei Jahren schuldenfrei ist, wer die Verfahrenskosten plus 35 Prozent der Gläubigerforderungen zurückbezahlen kann. „Nur die wenigsten Schuldner werden dies schaffen“, sind sich beide Experten einig.

Pfändungsschutzkonto: Auch wenn sich Onlinebanken häufig querstellen, hat jede Person ein Recht darauf, ihr Girokonto in ein P-Konto umzuwandeln. Viele Insolvenzverwalter würden sogar auf den Abschluss bestehen. Denn darauf sind das Einkommen, Kindergeld und Sozialleistungen vor Pfändung bis zu einem Betrag von 1045,04 Euro pro Monat geschützt.

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