Biallos Ratgeber: Sichert ein eigenes Haus das Vermögen?

Von: Max Geißler
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Eigenheime bieten keinen Automatismus für einen Wertgewinn, wie viele es erhoffen. Foto: stock/Ralf Peters

Aachen. Wegen der anhaltenden Euro- und Staatsschuldenkrise sehen viele Anleger im Wohneigentum einen sicheren Hafen für ihr Vermögen. Als weiteres Argument könnte man die derzeit extrem niedrigen Hypothekenzinsen anführen. Doch soll man wirklich auf das „Betongeld” setzen?

Die Gründe für Wohneigentum sind vielfältig: Vermögens- und Inflationsschutz, Wertgewinne oder Mietfreiheit im Alter. Vermieter rechnen zudem mit Steuervorteilen und stabilen Mietrenditen. So plausibel viele Argumente klingen, der Kauf um jeden Preis empfiehlt sich nicht. Grund: Eigenheime bieten keinen Automatismus für Wertgewinne und Inflationsschutz.

Standort: Der Erfolg des Investments hängt stark vom Standort des Objekts und seinen Erträgen ab. Untersuchungen des Marktforschungsinstituts Bulwien-Gesa zeigen, dass im Süden und Westen Deutschlands die langfristige Entwicklung von Mieten und Immobilienpreisen oberhalb der Inflationsrate liegt. So ist der Wohnimmobilienindex für Westdeutschland von 1975 bis 2010 um 141 Prozent geklettert, die Geldentwertung stieg aber nur um 130 Prozent. Im Gegensatz dazu konnten die Immobilienpreise im Norden und Osten nur selten mit der Inflationsrate Schritt halten.

Preisentwicklung: Ein zwiespältiges Ergebnis zeigt auch eine Auswertung des Maklerverbandes IVD: Wer 1977 in einer westdeutschen Großstadt eine Eigentumswohnung erwarb, der hat bis 2010 inflationsbereinigt kaum nennenswerte Gewinne gemacht (Ausnahme München). Um mit der Inflationsrate Schritt zu halten, hätten sich die Preise binnen 33 Jahren verdoppeln müssen, tatsächlich sind sie aber in Berlin nur um 25 Prozent und in Hamburg um 55 Prozent gestiegen.

Renditeträchtiger sind nach Ansicht der Deutschen Bank kleinere Studentenstädte. Eine Studie bescheinigt Marburg, Heidelberg, Trier, Würzburg und Münster überdurchschnittliches Gewinnpotential. Positiv: Der aktuelle Immobilienboom sorgt bundesweit für steigende Objektpreise und beschert Eigentümern reale Wertgewinne.

Rendite: Wer eine Immobilie zur Kapitalanlage erwirbt, sollte auf eine angemessene Rendite achten. Zwar verzeichnen deutsche Metropolen höchste Mietpreissteigerungen, für Investoren ist jedoch das Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mieten relevant - und das fällt für Ballungszentren nicht immer positiv aus. „Investments in hochpreisigen Lagen versprechen oft einen soliden Investitionsschutz, höhere Renditen sind jedoch anderswo zu erwarten”, sagt Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein.

Die Preise seien in einigen Großstädten so stark gestiegen, dass die Durchschnittsrendite für vermietete Objekte weit unter fünf Prozent gefallen ist. Hölscher empfiehlt deshalb Objekte in mittelgroßen Städten wie Erfurt, Osnabrück oder Trier.

Dort könne dank niedriger Kaufpreise mit höherer Mietrendite gerechnet werden. „Investoren sollen allerdings genau prüfen, wie sich die Vermietungssituation in den kommenden Jahren entwickelt. Wenn Leerstände zu erwarten sind oder teure Investitionen anstehen, geht die Rechnung schnell nicht mehr auf”, warnt Höls.

Altersversorgung: Wohneigentum zur Altersvorsorge bringt fast immer Vorteile. „Ist das Eigenheim abgezahlt, sind die Wohnkosten beinahe halb so hoch wie bei Mieterhaushalten”, betont LBS-Chef Hartwig Hamm.

Nach Berechnungen der BHW-Bausparkasse beträgt das Finanzplus bei Rentnerhaushalten im Schnitt mehr als 500 Euro im Monat. Auch die langfristige Vermögensentwicklung neigt sich zu Gunsten der Eigentümer. Denn mit jeder Kreditrate erwerben sie ein Stück an Grund und Boden sowie an ihrer Immobilie. Mieter füllen hingegen nur das Konto des Vermieters.
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