Aachen - Biallos Ratgeber: Private Vorsorge für den Krankheitsfall

Biallos Ratgeber: Private Vorsorge für den Krankheitsfall

Von: Annette Jäger und Fritz Himmel
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Eine schwere Krankheit kann Betroffene aus der Bahn werfen: Damit nicht auch finanzielle Sorgen hinzukommen, ist private Vorsorge wichtig. Foto: dpa

Aachen. Bei langer Krankheit fällt das Einkommen weg. Der Grund für Berufsunfähigkeit ist meist eine Langzeiterkrankung, seltener ist es eine Unfallfolge. Die Gelder von Kasse und Staat reichen kaum aus, um die Finanzlücke zu schließen. Private Vorsorge ist angesagt.

Risiko: Wer wegen schwerer Krankheit oder eines Unfalls Wochen oder Monate nicht arbeiten kann, muss Einkommenseinbußen hinnehmen. Erst recht, wenn man gar nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Das ist nicht mal selten. Für einen 20 Jahre alten Mann liegt die Wahrscheinlichkeit, bis zum Rentenbeginn mit 65 Jahren berufsunfähig zu werden, bei mehr 40 Prozent. So steht es auf dem Statistikportal Statista. Arbeitnehmer haben 78 Wochen lang eine Absicherung über Arbeitgeber und Krankenkasse – privat krankenversicherte Selbstständige können darauf nicht bauen.

Krankenkasse: Arbeitnehmer erhalten sechs Wochen Lohnfortzahlung und im Anschluss daran für maximal 72 Wochen Krankengeld der Krankenkasse. Es beträgt 90 Prozent vom Nettoeinkommen. „Patienten sollten darauf achten, nahtlos krankgeschrieben zu sein, sonst verlieren sie den Anspruch auf Krankengeld“, sagt Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Krankschreibungen sollte man immer per Einschreiben und Rückschein an die Kasse schicken.“

Finanzlücke: „Das Krankengeld orientiert sich zwar am Einkommen, ist aber durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt“, sagt Henkel. Das maximale Krankengeld beträgt 3045 Euro im Monat. Das kann für Angestellte mit hohem Einkommen zu wenig sein. Ihnen bleibt eine private Krankentagegeldversicherung, um die Finanzlücke zwischen Krankengeld und Nettoeinkommen zu schließen. Auch für Privatversicherte ist die Police ratsam.

Krankentagegeld: Je früher das Tagegeld ausgezahlt wird und je höher es ist, desto höher sind auch die Beiträge. Die Beiträge für Auszahlungen ab dem 22. Tag betragen zum Teil mehr als das Doppelte einer Absicherung ab dem 43. Tag. „Gerade bei Selbstständigen ist eine Staffelung des Leistungsbeginns eine gute Option“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So lässt sich für die ersten Krankheitswochen ein niedrigeres Tagegeld festlegen und später ein höheres, wenn die Krankheit andauert.

Rente vom Staat: Wer dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, erhält eine volle staatliche Erwerbsminderungsrente von durchschnittlich 670 Euro im Monat. Aber nur dann, wenn er auch in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und wenn er nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten kann. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung greift viel früher – nämlich wenn die Berufsfähigkeit zu mindestens 50 Prozent eingeschränkt ist. Und man muss auch nicht für den Rest seines Lebens berufsunfähig sein. Die private Police kann bereits bei Erkrankungen, die voraussichtlich länger als sechs Monate dauern, zahlen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Gerade junge Leute scheuen oft die hohen Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. „Dann sollte man wenigstens eine kleine monatliche Rente versichern, das ist besser als nichts“, rät Weidenbach. Viele investieren zwar umfassend in die private Altersvorsorge, vergessen aber, dass sie möglicherweise viele Jahre überbrücken müssen, bis die Altersrente fließt, sollten sie frühzeitig berufsunfähig werden.

Ein 27-jähriger Versicherungsnehmer kann eine Rente von 1500 Euro im Monat für rund 50 Euro Beitrag im Monat absichern. Gute Bewertungen von Ratingagenturen erhalten etwa Canada Life, Nürnberger, Hannoversche oder Gothaer. Die günstigere Erwerbsunfähigkeitsversicherung sollte nur infrage kommen, wenn man etwa aufgrund des risikoreichen Berufs keine akzeptable Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt, sagt Weidenbach.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.

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