Biallos Ratgeber: Mit kleinen Hilfen selbstständig bleiben

Von: Rolf Winkel
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Eine neue vorbeugende Leistung, die vielen älteren Menschen mit geringem Handicap helfen kann: Seit Anfang dieses Jahres zahlt die Pflegeversicherung bei Pflegegrad 1 auch schon „vorbeugend“, also wenn noch gar keine „richtige“ Pflegebedürftigkeit vorliegt. Foto: dpa

Aachen. Etwa 500.000 Menschen mit (noch) geringen Handicaps haben nun erstmals Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung, weil sie den neuen Pflegegrad 1 zuerkannt bekommen. So soll ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten werden.

„Meine Mutter kann jetzt wieder allein duschen“, freut sich Hiltrud S.. Ihre Mutter (77) lebt nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrer Wohnung. Sie hat durch die jüngste Reform der Pflegeversicherung erstmals Anspruch auf Leistungen dieser Sozialversicherung. Die Pflegekasse hat 895 Euro für den Umbau des Badezimmers übernommen. Die alte Badewanne, die für die Seniorin zur Gefahrenquelle geworden war, wurde entfernt und durch eine (fast) bodengleiche Dusche ersetzt.

Pflegegrad 1: Die Witwe profitiert von dem neu eingeführten Pflegegrad 1 der Pflegeversicherung. Danach haben Personen mit einer „geringen Einschränkung der Selbstständigkeit“ Anspruch auf Leistungen dieser Sozialversicherung. In Grad 1 können Menschen mit mäßigen, rein motorischen Einschränkungen – etwa aufgrund von Wirbelsäulenerkrankungen oder mit Restlähmungen nach einem Schlaganfall – eingestuft werden.

Für den Knappschafts-Pflegeberater Markus Siegmann ist die Seniorin ein typisches Beispiel für die neuen Leistungsberechtigten: „Dazu gehören vielfach alleinlebende ältere Menschen, die Schwierigkeiten in ihrer Wohnung haben“. Er sagt: „Da geht es um den ganz normalen körperlichen Abbau. Und der geht ganz oft schleichend vor sich.“

Müsste die Witwe ohne Veränderungen weiter in ihrer Wohnung leben, könnte das nach den Erfahrungen des Pflegeberaters so enden: „Beim Versuch, in die Badewanne zu gelangen, rutscht sie aus, zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und wird dann ‚richtig‘ zum Pflegefall.“

Leistungsansprüche: Menschen mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf ein eingeschränktes Leistungsspektrum der Pflegeversicherung. Ihnen steht für Maßnahmen zur Wohnungsanpassung ein Etat von 4000 Euro zu. Damit kann etwa die Verbreiterung von Türen, der Einbau einer Badewannentür oder – wie bei der Mutter von Hiltrud S. – einer bodengleichen Dusche finanziert werden.

Weiterhin besteht Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat. Damit kann man sich von einem Betreuungs- oder Pflegedienst im Haushalt oder auch bei der Selbstversorgung helfen lassen. Der Entlastungsbetrag kann auch in Grenzen angespart werden, längstens bis zum Juni des Folgejahres. Dann kommen maximal 2250 Euro zusammen. Der angesparte Entlastungsbetrag kann dann zum Beispiel für einen betreuten Urlaub genutzt werden.

Weiterhin haben die Betroffenen Anspruch auf Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind (zum Beispiel Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen), im Wert von bis zu 40 Euro im Monat sowie technische Pflegehilfsmittel (zum Beispiel Rollatoren oder Rollstühle), die in der Regel zuzahlungsfrei ausgeliehen werden.

Pflegende Angehörige: Für Angehörige, die Personen mit Pflegegrad 1 betreuen, findet seit Januar 2017 das Pflegezeit- und das Familienpflegezeitgesetz Anwendung. Hiltrud S. könnte daher für die Betreuung ihrer Mutter eine zeitweise Freistellung vom Job nehmen. Gegebenenfalls kommt für sie auch eine mit Pflegeunterstützungsgeld bezahlte Auszeit von maximal zehn Arbeitstagen in Frage.

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