Aachen - Biallos Ratgeber: Länger arbeiten für eine bessere Rente?

Biallos Ratgeber: Länger arbeiten für eine bessere Rente?

Von: Rolf Winkel
Letzte Aktualisierung:
Spätestens mit 65 Jahren den
Spätestens mit 65 Jahren den Spind im Betrieb räumen? Auch die Jahrgänge 1947 haben rein rechtlich die Möglichkeit, länger zu arbeiten. Andere müssen das oder Rentenkürzungen hinnehmen. Foto: imago/stock

Aachen. Die ungekürzte Altersrente gibt es für die meisten Arbeitnehmer derzeit ab 65 Jahren und einem Monat. Doch niemand muss dann in Rente gehen. Weiter zu arbeiten ist keineswegs verboten - und zahlt sich bei der späteren Rente zudem aus.

Warum in Rente?

„Ich erwarte nur knapp 1000 Euro Rente und meine Frau ist vor zwei Jahren gestorben. Warum soll ich dann jetzt schon in den Ruhestand gehen?”, fragt sich Heinz S. Im September 2012 wird er 65, deshalb könnte der gelernte Anlagenbauer ab November die reguläre Altersrente erhalten. Doch erst einmal will er mindestens „noch ein Jahr dranhängen”. Prinzipiell geht das, sagt Rechtsanwalt Michael Felser. Er rät interessierten Älteren zu einem „frühzeitigen Check ihres Arbeitsvertrags”.

Befristung oder Kündigung?

Wenn es im Arbeitsvertrag keine altersmäßige Begrenzung und auch keinen Verweis auf einen Tarifvertrag mit einer entsprechenden Altersregelung gibt, läuft das Arbeitsverhältnis mit 65 ganz normal weiter. „Denn eine Kündigung aus Altersgründen ist verboten”, sagt Jurist Michael Felser. Wem also mit 65 unter Verweis auf sein Alter gekündigt wird, kann dagegen klagen und wird in aller Regel vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen. Eine Befristung des Arbeitsvertrags bis zum regulären Rentenalter ist dagegen erlaubt. Diese Regelung dürfte sich in den meisten neueren Arbeitsverträgen finden.

Für den Jahrgang 1947 liegt die Grenze für das Ende der Beschäftigung damit bei 65 Jahren und einem Monat. Für jeden jüngeren Jahrgang steigt diese Grenze zunächst um einen weiteren Monat an.

Im Vertrag von Heinz S. steht - wie in vielen älteren Arbeitsverträgen - noch die alte Altersgrenze von 65 Jahren. Das interpretieren die meisten Juristen dann aber „nicht wörtlich, sondern sinnge- mäß”, sagt Felser. „Damit ist nicht das exakte Alter gemeint, sondern die Regelaltersgrenze für die Rente - und die lag bis 2011 bei 65 Jahren”. Das Arbeitsverhältnis von Heinz S. endet somit automatisch Ende Oktober 2012. Doch er könnte theoretisch mit seinem Arbeitgeber einen neuen Arbeitsvertrag vereinbaren. Möglich ist dabei auch eine Verkürzung der Arbeitszeit - und eine Befristung des Vertrags. Noch erscheint ein solcher Fall eher weniger realistisch. Aber mit zunehmendem Fachkräftemangel könnten sich die Zeiten auch hier ändern.

Arbeitsrecht und Sozialversicherung

Arbeitsrechtlich ändert sich für Beschäftigte jenseits der 65 wenig. Sie haben - genau wie Jüngere - Anspruch auf Urlaub, für sie gilt das Kündigungsschutzgesetz und im Krankheitsfall steht ihnen eine sechswöchige Entgeltfortzahlung zu.

Was gilt danach?

Danach bekommen die jenseits der 65 allerdings nur für eine (kurze) Übergangsfrist Krankengeld. Die Krankenkasse kann sie nämlich zum Rentenantrag auffordern. Mit der (Voll-)Rente entfällt dann das Krankengeld - ebenso wenn das Altersruhegeld trotz Aufforderung nicht innerhalb von zehn Wochen beantragt wird.

Gibt es Arbeitslosengeld?

Nein. Jenseits der 65 Arbeitende erhalten bei Verlust ihres Jobs kein Arbeitslosengeld. Dafür müssen die Senioren-Arbeitnehmer selbst keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung abführen. In die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlen sie die gleichen Beiträge ein wie Jüngere.

Winkt ein Rentenplus?

Ja. Wer mit Erreichen des regulären Rentenalters weiterarbeitet, wird später mit einer deutlich höheren Rente belohnt. Die Altersrente fällt pro Monat des späteren Einstiegsalters um 0,5 Prozent höher aus. Wenn Heinz S. noch ein Jahr dranhängt und erst mit 66 Jahren und einem Monat Rente beantragt, steigt sein Altersruhegeld also allein deshalb schon um sechs Prozent. Durch die weiter gezahlten Rentenbeiträge summiert sich das Rentenplus - je nach Höhe seiner beitragspflichtigen Einkünfte - sogar auf acht bis zehn Prozent.
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