Biallos Ratgeber: Kassenpatienten sind bei Psychotherapie gut abgesichert

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Leben einen Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen, ist größer, als viele denken. Psychische Erkrankungen sind inzwischen einer der Hauptgründe, warum Menschen frühzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden.

 Doch auch bei kleineren Lebenskrisen kann Hilfe nötig werden. Kassenpatienten sind gut abgesichert. Wie gut jedoch Privatpatienten gegen das Kostenrisiko einer Psychotherapie versichert sind, hängt vom Tarif ab.

Kostenrisiko:

Der Umfang einer psychotherapeutischen Behandlung hängt von der Diagnose ab. Manchmal genügen zehn oder 20 Therapiesitzungen, es können aber auch bis zu 300 Stunden notwendig sein. Es gibt ambulante Therapien bei niedergelassenen Therapeuten oder stationäre Behandlungen. Geht man von einem durchschnittlichen Therapeutenhonorar von rund 100 Euro pro Stunde aus, „kann das richtig teuer werden“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sei hier deutlich leistungsstärker als die Private. Sie übernimmt die Kosten in vollem Umfang. „In der Privaten sind dagegen vor allem in älteren Verträgen gar keine oder nur stark eingeschränkte Leistungen enthalten, beispielsweise die Erstattung von 20 Therapiesitzungen pro Jahr“, sagt Heidrun Holstein von der Unabhängigen Patientenberatung.

Neue Tarife:

„Doch die Privaten haben nachgerüstet“, sagt Stephan Caspary vom Verband der privaten Krankenversicherung. Im Zuge der Einführung der Unisex-Tarife 2013 hätten viele Versicherer ihre Leistungen im Bereich Kostenerstattung Psychotherapie aufgestockt. „Viele erstatten die Psychotherapie nur zu einem bestimmten Prozentsatz oder einer bestimmten Anzahl an Sitzungen im Jahr, zum Beispiel die ersten 30 Sitzungen zu 100 Prozent, weitere 20 dann zu 70 oder 80 Prozent“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen. Bei einer stationären Psychotherapie wird meist in unbegrenztem Umfang erstattet. Nur um Beiträge zu sparen, empfiehlt es sich nicht, auf die Leistung zu verzichten. Der Tarif sollte stationäre wie auch ambulante Therapie am besten in unbegrenztem Umfang erstatten.

Tarifwechsel:

Wer als Bestandskunde einen Tarif hat, der keine Kostenerstattung bei Psychotherapie vorsieht, kann über einen Tarifwechsel nachdenken. Aber aufgepasst: „Wechselt man zu einem anderen Unternehmen, geht häufig ein großer Teil der Alterungsrückstellungen verloren. Das hat erhebliche Beitragssteigerungen im Alter zur Folge“, warnt Bianca Boss. Besser sei ein Wechsel innerhalb des gleichen Unternehmens. Dann könne man die Alterungsrückstellungen mitnehmen, sagt die Versicherungsexpertin. Allerdings werden wieder Fragen zum Gesundheitszustand gestellt. Hat dieser sich inzwischen verschlechtert, ist ein Wechsel entweder gar nicht möglich, oder es sind Risikozuschläge zu begleichen.

Wahl des Therapeuten:

Während gesetzlich Krankenversicherte nur einen Therapeuten mit einer Kassenzulassung aufsuchen dürfen, haben Privatversicherte die freie Wahl. Kassenpatienten müssen auf einen Therapieplatz oft bis zu drei Monate warten. Sie dürfen nur dann einen Therapeuten ohne Kassenzulassung aufsuchen, wenn der Hausarzt oder ein Psychiater die Dringlichkeit des sofortigen Therapiebeginns bescheinigt. Damit bei Privatpatienten die Kostenerstattung sichergestellt ist, müssen sie sich vor Therapiebeginn diese vom Versicherer schriftlich bewilligen lassen, betont Versicherungsexpertin Bianca Boss. Es genügt nicht – wie in der GKV –, dass allein der Therapeut die Behandlung für erforderlich hält.

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