Biallos Ratgeber: Hilfe bei Stress, Burnout und Depression

Von: Annette Jäger und Fritz Himmel
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Aachen. Burnout klingt für viele nach Mode-Diagnose: Erst wer völlig ausgebrannt ist, macht seinen Job leidenschaftlich. Von wegen! Dauerstress kann zu handfesten psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Der Arbeitnehmer kann möglicherweise über einen langen Zeitraum nicht arbeiten. Wie sichert er in dieser Zeit seinen finanziellen Bedarf? Und welche Behandlungen gewähren die Krankenkassen?

Psychotherapie: Um aus dem Seelentief herauszufinden, kann der Arzt eine Psychotherapie verschreiben. Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) gewährt ambulante wie auch stationäre Behandlungen. „Leider sind im ambulanten Bereich Therapieplätze rar“, sagt Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Patienten müssen oft monatelang auf einen Therapieplatz warten. „Wenn man nachweist, dass man keinen Platz gefunden hat und auch die Kasse kein Angebot machen kann, darf man einen Therapeuten ohne Kassenzulassung aufsuchen.“ Die Kasse muss dies vorher genehmigen. Einige Krankenkassen, darunter auch die DAK, bieten neuerdings Onlinetherapien für eine erste Linderung an.

Privatpatienten: Wer privat versichert ist, muss seinen Vertrag studieren. In älteren Verträgen sind die Leistungen für Psychotherapie oft minimal oder fehlen ganz. In neueren Verträgen dagegen sind sie vorgesehen, der Umfang variiert jedoch. Einige Tarife gewähren einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtkosten, andere eine bestimmte Anzahl an Sitzungen pro Jahr, wieder andere erstatten die ersten 30 Sitzungen zu 100 Prozent, weitere Sitzungen zu 70 oder 80 Prozent. Stationäre Psychotherapien erstatten die Versicherer meist in unbegrenztem Umfang.

Kuren: Auch eine Kur kann in Frage kommen. Für Mütter gibt es spezielle Mutter-Kind-Kuren. „2,1 Millionen Mütter hätten gemäß ihrer gesundheitlichen Situation sofort Anspruch auf eine Kur, aber nur fünf Prozent machen eine“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin vom Müttergenesungswerk in Berlin. Die Krankenkasse gewährt dreiwöchige Kuraufenthalte für Mutter und Kind. „Die medizinische Notwendigkeit der Kur muss gut begründet sein“, rät Schilling. Wird der Antrag abgelehnt, lohnt es sich, Widerspruch einzulegen und die persönliche Notlage erneut darzulegen. Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände im Verbund Müttergenesungswerk unterstützen dabei. Auch für Väter gibt es solche Kuren. Privatpatienten müssen einen speziellen Kurtarif abgeschlossen haben, um eine mehrwöchige Auszeit finanziert zu bekommen.

Krankengeld: Kassenpatienten sind über das Krankengeld der GKV auch in längeren Krankheitsphasen finanziell abgesichert. Es wird maximal 78 Wochen lang bezahlt. Immer wieder ist aber zu hören, dass bei langen Krankengeldzahlungen der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Diagnose des Patienten nach Aktenlage beurteilt und diesen rasch wieder gesundschreibt. „Patienten sind gut beraten, sich mit seelischen Leiden gleich an einen Psychiater zu wenden, dessen Aussagen mehr Gewicht haben, als die des Hausarztes“, rät Henkel. Selbstständige müssen sich über einen privaten Krankentagegeldtarif absichern.

Berufsunfähigkeit: Im schlimmsten Fall führt eine psychische Erkrankung zu einer Berufsunfähigkeit. Weil sich gerade bei psychischen Leiden oft erst nach langer Dauer zeigt, dass der Patient berufsunfähig ist, gewährt ein guter Vertrag rückwirkend Leistung – also ab Tag eins der Diagnose, betont Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater. „Der Versicherte sollte alle Arztbesuche, Diagnosen und Behandlungen mit Datum notieren, um den Krankheitsverlauf zu dokumentieren.“ Policen mit guten Bedingungen bieten beispielsweise die Hannoversche, Europa oder Community Life. Noch ein Tipp: Frühzeitig eine Police abschließen. „Wer in den letzten zehn Jahren vor Antragstellung einmal wegen Prüfungs- oder Ehestress zum Therapeuten gegangen ist, hat kaum mehr eine Chance, psychische Leiden als Risiko zu versichern.“

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