Biallos Ratgeber: Früher in Rente, weil der Rücken schmerzt

Von: Rolf Winkel
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Rückenschaden: Skeletterkrank
Rückenschaden: Skeletterkrankungen sind nach psychischen Erkrankungen die häufigste Diagnose bei Frührentnern. Foto: stock/imago

Aachen. Die meisten Arbeitnehmer können zwar noch vorzeitig in Rente gehen - überwiegend aber erst mit 63 Jahren. Für gesundheitlich angeschlagene Versicherte kommt allerdings die Rente wegen Erwerbsminderung in Frage - auch für Jüngere.

Gut 1,6 Millionen Erwerbsminderungsrentner gibt es derzeit. Jahr für Jahr beantragen knapp 400.000 Versicherte diese Leistung. Doch fast jeder zweite Antrag wird abgelehnt.

Welche sind Diagnosen werden am häufigsten gestellt?

Psychische Leiden stehen bei den anerkannten Erwerbsminderungen (EM) immer mehr im Vordergrund. Unter den 190.000 im Jahr 2011 bewilligten EM-Renten wurden 41 Prozent wegen psychischer Erkrankungen zugestanden. Danach folgten Skeletterkrankungen (vor allem Bandscheibenleiden), Krebs und Herz-/Kreislaufleiden. Es kommt nicht darauf an, wie schwer eine Krankheit ist. Die Gutachter der Rentenversicherung müssen vielmehr über die (Rest-)Arbeitsfähigkeit urteilen.

Wann spricht man von einer vollen Erwerbsminderung?

Die Rente wegen voller Erwerbsminderung gibt es, wenn nur noch Jobs mit täglich weniger als drei Stunden ausgeübt werden können. Die nur halb so hohe Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kann erhalten, wer pro Tag noch zwischen drei und unter sechs Stunden arbeiten kann.

Wie verhält es sich mit sogenannten Arbeitsmarktrenten?

Wer täglich etwa noch fünf Stunden erwerbstätig sein kann, aber keinen entsprechenden Teilzeitjob findet, kann ebenfalls die Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommen. Eine Sekretärin, die noch fünf Stunden arbeitsfähig ist und gute Chancen hat, einen entsprechenden Teilzeitjob zu finden, wird kaum die „Arbeitsmarktrente” wegen voller Erwerbsminderung bekommen. Diese gibt es weit eher für Schlosser und Bauarbeiter, für die es kaum Teilzeitstellen gibt.

Und wann greift der Berufsschutz?

Diesen gibt es nur noch für ältere Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Sie erhalten die Rente, wenn sie das Stundenlimit von unter drei Stunden in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr erreichen können. Für Jüngere gilt dagegen jeder Job als zumutbar. Deshalb raten Verbraucherschützer immer wieder, frühzeitig eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Was sollten Arbeitnehmer über Vorversicherungszeiten wissen?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer mindestens fünf Jahre rentenversichert war und in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt hat. Günstigere Regelungen gelten für Berufsanfänger und für Ältere, die vor 1984 schon 60 Versicherungsmonate erwerbstätig waren.

Mit welchen Hürden müssen Betroffene rechnen?

Immer wieder wird die Rente abgelehnt, weil zum Beispiel ein Gutachter befindet, dass die Antragsteller doch noch mindestens sechs Stunden täglich arbeiten können. Rentenberater Tibor Jockusch weiß zum Beispiel: „Aussagekräftige Diagnosen von Ärzten sind wichtig, aber es kommt darauf an, wie sich die Krankheit jeweils beim Einzelnen auswirkt.” Das sollten Antragsteller genau dokumentieren und dabei auch Tätigkeiten zu Hause, im Garten oder im Hobbybereich nicht vergessen. Beispiel: „Wer keine Kartoffeln mehr schälen oder seine Schuhe nicht mehr zuschnüren kann und deshalb nur noch Schuhe mit Klettverschluss trägt, sollte genau das vortragen.” Denn es zeige, dass die Feinmotorik gestört ist. Viele Tätigkeiten kämen dann nicht mehr in Frage.

Kann ich gegen eine Ablehnung Widerspruch einlegen?

Ja. Innerhalb eines Monats kann gegen eine Ablehnung der Erwerbsminderungsrente Widerspruch eingelegt werden. Das hat in sehr vielen Fällen Erfolg. Auch Klagen - gegen einen abgelehnten Widerspruch - fallen oft zugunsten der Betroffenen aus. Die (volle) Erwerbsminderungsrente betrug bei den Neuzugängen des Jahres 2011 im Schnitt nur 634 Euro im Monat. Auch deshalb lohnt es sich in der Regel, zunächst die meist höheren Ansprüche auf Kranken- und Arbeitslosengeld auszuschöpfen.
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