Biallos Ratgeber: Energieeffizienz ist wichtig bei Immobilien

Von: Helga Riedel
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Immobilieninteressenten sollten sich den Energieausweis vorlegen lassen, um die Energieeffizienz eines Gebäudes mit in die Entscheidung einfließen lassen zu können. Foto: imago/Westend61

Aachen. Energieausweise sind Pflicht. Jeder Immobilieninteressent sollte sie sich vorlegen lassen, um die Energieeffizienz eines Gebäudes in seine Entscheidung einfließen lassen zu können.

Wer heute einen Kühlschrank ordert, achtet natürlich auf die Energieeffizienzklasse. Ganz anders sieht es dagegen beim Mieten oder Kaufen von Immobilien aus. Obwohl 2007 verbindlich eingeführt, fristet der Energieausweis mangels klarer Zuständigkeiten und Kontrollen durch den Gesetzgeber bis heute eher ein Schattendasein. Das sollte sich möglichst rasch ändern, gibt er doch Auskunft über die energetische Qualität eines Gebäudes und damit auch den größten Posten im privaten Energiekonsum für warme Räume und heißes Wasser.

 

Veröffentlichungspflicht:

Schon in der Immobilienanzeige müssen seit 1. Mai 2014 wichtige Eckdaten aus dem Energieausweis wie Energiekennwert, Baujahr, Hauptenergieträger der Heizung und eventuell die Energieeffizienzklasse veröffentlicht werden. Die Pflicht entfällt, wenn es noch keinen Energieausweis gibt, beispielsweise weil das Haus noch im Bau ist. Spätestens bei der Besichtigung eines Miet- oder Kaufobjektes muss er aber den Interessenten vorgelegt werden.

 

Ausweisarten:

Dabei gibt es zwei Varianten, um den Energiekennwert, also den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche (kWh/(m²a)), zu berechnen. Beim „Bedarfsausweis“ bilden dafür alle bautechnischen Daten (Dämmung, Heizungsart etc.), durchschnittliche Verbrauchswerte sowie eine angenommene Raumtemperatur von 20 Grad Celsius zusammen mit Klimadaten die Grundlage. Der „Verbrauchsausweis“ basiert dagegen auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der letzten drei Jahre.

 

Energiekennwerte richtig einordnen:

Beiden Ausweistypen gemeinsam ist die Visualisierung des Energiekennwerts auf einer Farbskala von Grün zu Rot und bei Energieausweisen, die nach dem 1. Mai 2014 ausgestellt wurden, durch die Klassen A+ bis H. Der durchschnittliche Wohnungsbestand in Deutschland landet hier mit einem Jahresverbrauch von 160 kWh/(m²a) im Abschnitt E. Um die Energiekennwerte richtig einordnen zu können, zeigt eine zweite Skala, in welchem Bereich Häuser je nach energetischem Zustand vom Effizienzhaus 40 bis zum nicht modernisierten Einfamilienhaus liegen. Darüber hinaus enthält der Energieausweis Vorschläge für kostengünstige Möglichkeiten, die Energiebilanz zu verbessern.

 

Keine exakte Vorhersage:

Was der Energieausweis nicht leisten kann, ist eine exakte Vorhersage des individuellen Energieverbrauchs. Neben persönlicher Lebenssituation und Gewohnheiten liegt dies vor allem daran, dass Energieausweise nur für Gebäude, nicht aber für einzelne Appartements ausgestellt werden. Der Energiebedarf von Wohnungen unterscheidet sich aber je nach ihrer Lage (Himmelsrichtung, Hausecke, Dachgeschoss oder mittendrin). Außerdem haben Tests gezeigt, dass Bedarfsausweise regelmäßig zu etwa 25 Prozent schlechteren Energiekennwerten kommen als der Verbrauchsausweis. Dies sollte man beim Vergleich verschiedener Immobilien mit unterschiedlichen Ausweisen im Kopf haben und jeweils etwa zehn Prozent dazurechnen oder abziehen.

Mehrere zugelassene Berechnungsarten des Bedarfs nach verschiedenen DIN-Normen führen außerdem zu teils signifikant abweichenden Ergebnissen. Das „Bündnis Energieausweis“, dem Verbände aus Wirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz angehören, fordert deshalb seit längerem eine Überarbeitung des Ausweises mit verbindlichen einheitlichen Berechnungsverfahren. Doch auch ein reformierter Energieausweis ließe sich wegen der Komplexität der Materie nicht mit den Energieeffizienzklassen für Waschmaschinen oder Glühbirnen vergleichen. Der Energieausweis könnte heute für mehr Transparenz und Wettbewerb in Sachen umweltfreundlichem Wohnen sorgen – vorausgesetzt er wird mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie bei Elektrogeräten vom Gesetzgeber durchgesetzt und von den Verbrauchern als Entscheidungskriterium eingefordert.

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