Aachen - Biallos Ratgeber: Eheschließung nicht nur der Liebe wegen

Biallos Ratgeber: Eheschließung nicht nur der Liebe wegen

Von: Rolf Winkel
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Heiraten ist nicht immer eine Herzensentscheidung – Oft sprechen auch finanzielle Gründe dafür. Foto: Imago/Chromorange
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Durch das Splittingverfahren spart ein Paar, mit stark unterschiedlichem Einkommen, einiges an Steuern. Foto: Imago/Ralph Peters

Aachen. Sollen wir uns trauen? Nicht immer ist das nur eine Herzensentscheidung. Oft sprechen auch schnöde finanzielle Gründe für – oder auch gegen – den Weg zum Standesamt. Wie wirkt sich die Eheschließung auf die soziale Absicherung aus?

Rente und Alterssicherung

5,4 Millionen Witwen und Witwer erfahren derzeit den Nutzen der Eheschließung ganz praktisch: Sie beziehen Hinterbliebenenrente. Wer auf den Trauschein verzichtet hat, geht dagegen nach dem Tod des Partners leer aus. Den Hinterbliebenenschutz gibt es übrigens bei der gesetzlichen Rente ohne Aufpreis dazu. Doch Achtung: Wer nach dem Tod seines Ehepartners nochmals heiratet, verliert die Witwen- beziehungsweise Witwerrente. Dafür gibt es aber als Abfindung – auf Antrag – 24 Hinterbliebenenrenten auf einen Schlag.

Versorgungsausgleich

Partnerschaften scheitern häufig – egal ob mit oder ohne Trauschein. Doch nur für Verheiratete greift dann der sogenannte Versorgungsausgleich. Dieser ist vor allem für den Partner in der Ehe ein Segen, der weniger verdient (hat). Wenn eine Ehe scheitert, geht’s nämlich ans Teilen. Auch die Rentenansprüche, die die Partner in der Ehezeit erworben haben, werden dabei halbiert. Beispiel: Partner A hat insgesamt 1000 Euro Rentenansprüche erwirtschaftet, Partner B nur 200 Euro. Die Folge: Der besser abgesicherte Partner muss dann genau 400 Euro an den oder die „Ex“ abgeben. Achtung: Bei Ehen, die bereits in den ersten drei Jahren scheitern, erfolgt der Versorgungsausgleich nicht automatisch. Dieser muss extra beantragt werden. Wenn es zwischen den Partnern etwas auszugleichen gibt, lohnt es sich, beim Familiengericht einen Antrag zu stellen.

Steuerersparnis

Gut verdienender Arzt heiratet schlecht verdienende Krankenschwester – unter steuerlichen Gesichtspunkten ist das nach wie vor ein Treffer. Denn durch das sogenannte Splittingverfahren spart das Paar einiges an Steuern. Beispiel: A hat ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 50.000 Euro, B von 10.000 Euro. Wenn beide heiraten und die gemeinsame Veranlagung wählen, sparen sie derzeit jährlich 1999,50 Euro an Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag.

Zudem haben nur Verheiratete bei den Steuerklassen einen Gestaltungsspielraum. Das kann sich gegebenenfalls beim Eltern- oder Arbeitslosengeld auszahlen. Besonders interessant ist dabei vielfach der wenig bekannte Steuerklasse „IV-Faktor“. Mehr dazu erfahren Sie im sechsseitigen Dossier zu diesem Thema, das Ihre Zeitung für Sie bereithält.

Krankenversicherung

Paare, die heiraten, können unter Umständen von der kostenlosen Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen profitieren. Ein Partner, der nur Einkommen aus einem Minijob beziehungsweise bei sonstigen Einkünften monatlich maximal 415 Euro zur Verfügung hat, kann über den pflichtversicherten Partner ohne eigenen Beitrag mitversichert sein. Dies gilt meist auch für Kinder.

Apropos Kinder

Bringt einer der Partner ein oder mehrere Kinder mit in die Ehe, so hat der andere bisher kinderlose Partner noch zusätzliche Vorteile. So gibt es etwa für Arbeitslose mit Kind mehr Arbeitslosengeld. Das können monatlich bis zu 150 Euro sein. Diesen Zuschlag gibt es ab dem Monat der Eheschließung. Und: Bei der Pflegeversicherung müssen Versicherte mit Kind (und sei es ein Stiefkind) monatlich einen um 0,25 Prozent niedrigeren Beitrag zahlen.

Kindergeld

Wichtig für junge Paare, die noch im „Kindergeldalter“ sind: Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 5. März 2014 schadet eine Eheschließung beim Kindergeld nicht mehr. Die Eltern einer 23-jährigen Studentin erhalten also auch dann noch Kindergeld, wenn ihre Tochter heiratet – selbst wenn der glückliche Partner ganz ordentlich verdient.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

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