Aachen - Biallos Ratgeber: Droht die Zinswende?

Biallos Ratgeber: Droht die Zinswende?

Von: Max Geißler
Letzte Aktualisierung:
Finanzierung Immobilie
Baukredite werden teurer. Droht die Zinswende? Foto: Andrea Warnecke /dpa

Aachen. Seit dem Frühjahr sind Baudarlehen einen halben Prozentpunkt teurer geworden. Ein Kredit über 200.000 Euro kostet dadurch bis zu 1000 Euro mehr im Jahr. Experten erwarten im Augenblick zwar keine neuen Zinsschübe, doch der Trend zeigt eindeutig nach oben.

Angesichts dieser Entwicklung stehen potentielle Immobilienkäufer vor der Frage: Schnell den Baukredit unter Dach und Fach bringen oder doch noch abwarten?

Experten raten in dieser Frage zur Besonnenheit. „Steigende Bauzinsen sind kein Grund zur Panik“, beruhigt Stephan Scharfenorth vom Kreditvermittler Baufi24.de. Viel wichtiger sei gute Planung und eine optimale Baufinanzierung. Ähnlich argumentiert Isold Heemstra, Vertriebsleiter Immobilienfinanzierung bei der ING-Diba: „Wir raten von übereilten Vertragsabschlüssen oder Zinsspekulationen ab.“

Erwerber sollten langfristig kalkulieren und die Konditionen gerade für die Anschlussfinanzierung möglichst bis zum Schluss festschreiben. „Das Zinsumfeld allein sollte kein Kriterium für eine Kreditentscheidung sein“, betont auch die Allianz. Entscheidend sei, dass die Finanzierung ins Budget passt und sich der Erwerber nicht mit einem Kauf übernimmt. Ist der Immobilienkauf noch nicht spruchreif, hilft ein Forward-Darlehen, die noch günstigen Zinsen für später zu sichern.

Maßgeblich für den Erfolg der Baufinanzierung ist die richtige Tilgung. Wählen Käufer, um die Kreditrate klein zu halten, eine niedrige Anfangstilgung, zieht sich die Entschuldung in die Länge. Im gegenwärtigen Zinstief dauert es mehr als 50 Jahre, bis ein Standarddarlehen zurückgezahlt ist.

Um die Rückzahlung zu beschleunigen und Kreditrisiken zu mindern, empfiehlt die ING-Diba eine höhere Tilgungsquote. „In der Haushaltsrechnung setzen wir bei jedem Kunden automatisch drei Prozent Tilgung pro Jahr an und prüfen, ob die Finanzierung langfristig tragbar ist“, so Heemstra. Wer eine niedrigere Anfangstilgung wählt, dem würden die Vorteile der Drei-Prozent-Tilgung nochmals schriftlich erläutert und die Änderung des Tilgungssatzes angeraten.

Zinsänderungsrisiken entschärfen Käufer am besten mit langer Zinsbindung. Zwar sind langlaufende Baukredite teurer als kurzlaufende, doch die Finanzierungssicherheit wiegt die höheren Kosten auf. Böse Zinsüberraschungen beim Anschlusskredit werden damit obsolet.

Die Allianz bietet jetzt sogar Zinsbindungen bis zu 40 Jahren. „Die Nachfrage nach langen Laufzeiten ist hoch, gerade weil über eine Trendwende bei den Zinsen spekuliert wird“, begründet Peter Haueisen, Leiter Allianz-Baufinanzierung, die neue Option. Junge Käufer und Bauherren mit geringem Eigenkapital sicherten sich so dauerhaft bezahlbare Raten.

Käufer mit geringem Kreditbedarf bzw. gutem Einkommen schaffen mit einem Volltilgerdarlehen absolute Zinssicherheit. Dabei wird die Tilgungsleistung so eingestellt, dass das Darlehen am Ende der Zinsbindung komplett zurückgezahlt ist. Eine hohe Tilgung bedeutet meist auch eine hohe Monatsrate. Um die Kosten zu mildern, locken viele Banken mit Zinsrabatten.

Einen Sicherheitspuffer gegen steigende Zinsen in der Zukunft leisten Sondertilgungen. Die Extrazahlungen beschleunigen die Kredittilgung, sparen Schuldzinsen und senken den Darlehensbedarf bei einer fälligen Anschlussfinanzierung. Kostenexplosionen beim Folgekredit werden dadurch abgemildert.

Wer zum Beispiel einen 200.000 Euro-Kredit zu 2,2 Prozent Sollzins und drei Prozent Anfangstilgung über 15 Jahre zurückführt und dabei jedes zweite Jahr eine Sondertilgung über 2000 Euro leistet, der verkürzt die Restschuld um gut 16.000 Euro. Die Zinsersparnis summiert sich auf 2500 Euro. Wichtig ist, dass die Sondertilgungsoption nichts kostet, sonst ist der Spareffekt geringer.

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