Aachen - Biallos Ratgeber: Die Kreditwürdigkeit spielt keine Rolle

Biallos Ratgeber: Die Kreditwürdigkeit spielt keine Rolle

Von: Annette Jäger und Horst Biallo
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Gutes Geld für den Familiensc
Gutes Geld für den Familienschmuck: Wer finanziell klamm ist, nutzt häufig die Möglichkeit, die persönlichen Wertsachen zumindest vorübergend zu „versilbern”. Doch das Pfandleihhaus ist eine teure Quelle, um wieder liquide zu werden. Foto: dpa

Aachen. Schnell, unbürokratisch und ohne persönliche Haftung - das zeichnet den Pfandkredit aus. Es ist der Kredit für jeden, der sonst nur schwer einen Kredit bei einer Bank erhält, wie etwa Rentner oder Hartz-IV-Empfänger.

Das Prinzip „Geld gegen Pfand” erscheint als attraktive Alternative zum klassischen Bankkredit: „Hier geht es nur um die Werthaltigkeit des Pfandes. Die Kreditwürdigkeit der Person spielt keine Rolle”, sagt Stefanie Laag, Finanz- und Kreditexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das Pfandgeschäft boomt. Im vergangenen Jahr hatte es einen Rekordumsatz von 580 Millionen Euro zu verbuchen.

Darlehenssummen: Gold, Uhren und Juwelen werden am häufigsten versetzt. Als Anlaufstelle stehen rund 200 private Pfandhäuser und eine Handvoll kommunaler Leihhäuser wie das Städtische Leihamt Mannheim, das gleichzeitig das älteste Pfandhaus Deutschlands ist, zur Verfügung. Die Darlehens-summen reichen von wenigen Euro bis hin zu fünfstelligen Darlehensbeträgen; im Durchschnitt sind es 250 Euro. Manche holen ihr Pfand nach wenigen Tagen wieder ab, die meisten jedoch nach drei Monaten. Wird ein Pfand nicht ausgelöst, kommt es unter den Hammer. „Weniger als zehn Prozent der Gegenstände wurden im vergangenen Jahr in Auktionen versteigert”, sagt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes in Düsseldorf.

Kosten: Der schnelle Kredit hat seinen Preis. Auf die Darlehenssumme fällt ein gesetzlich festgeschriebener monatlicher Zins von einem Prozent an. Hinzu kommt eine monatliche Gebühr, unter anderem für Schätzung und Lagerung. Bei einem Kredit von 300 Euro mit einer Laufzeit von einem Monat fallen insgesamt drei Euro Zinsen an plus 6,50 Euro an Gebühren, insgesamt also 9,50 Euro. Vergleicht man das mit einem Bankkredit entspricht das einem Jahreszins von fast 38 Prozent! Bis zu einer Darlehenshöhe von 300 Euro sind die Gebühren festgeschrieben. Darüber hinaus ist die Summe frei verhandelbar, „in der Regel betragen sie zwischen zwei und drei Prozent der Leihsumme pro Monat”, sagt Schedl. Bei 1000 Euro Pfandkredit sind das nach einem Monat zehn Euro Zinsen, plus 20 bis 30 Euro an Gebühren, insgesamt bis zu 40 Euro. Nach drei Monaten summieren sich die Kosten bereits auf bis zu 120 Euro. Das entspricht einem Bank-Zinssatz von bis zu 48 Prozent im Jahr!

Alternativen: „Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist ein Pfandkredit eine äußerst teure Möglichkeit, an Geld zu kommen”, sagt Verbraucherschützerin Laag.

Zum Vergleich: Wer sein Konto überzieht, zahlt je nach Bank zwischen 12 und 19 Prozent Überziehungszinsen. Bei einem Zinssatz von 16 Prozent fallen bei 300 Euro pro Monat vier Euro Zinsen an, überzieht man das Konto um 1000 Euro, kostet das pro Monat rund 13 Euro Zinsen.

Online-Pfandhäuser: Wer auf einen Pfandkredit setzt, sollte sich Angebote von mehreren Pfandhäusern machen lassen, rät Verbraucherschützerin Laag. Denn der veranschlagte Wert des Pfandes wird von Haus zu Haus variieren.

Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor Online-Pfandhäusern. Unter http://www.pfandy.de kann man seinen Pfandgegenstand anbieten. Potentielle Geldgeber bieten dann eine Kreditsumme dafür. Der Haken: Die professionelle Aufbewahrung des Pfandes ist nicht gewährleistet. Ebenso wenig die Funktionstüchtigkeit bei Rückgabe. Da im Internet eigene Leihkonditionen gelten, kommen hier oft astronomische Zinssätze zustande. Nicht zuletzt deshalb, weil auch Pfandy mit zwei Prozent der Kreditsumme beteiligt werden möchte.
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