Biallos Ratgeber: Die „Gesetzliche“ wird immer beliebter

Von: Rolf Winkel
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Bei der zweitgrößten Privaten Krankenversicherung DKV steigen die Prämien um bis zu 1560 Euro im Jahr, daher wollen viele zurück in die „Gesetzliche“. Foto: dpa

Düsseldorf. Fast jeder zweite Selbstständige ist privat krankenversichert. Gerade angesichts der stark steigenden Prämien möchte mancher in die „Gesetzliche“ wechseln. So kann‘s gehen:

Um bis zu 130 Euro steigen in diesem Jahr die Prämien der DKV, der zweitgrößten Privaten Krankenversicherung (PKV) – im Monat. Das bedeutet: um bis zu 1560 Euro im Jahr. Andere Versicherungen folgen. Damit wird die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für Selbstständige zunehmend attraktiver. Die Rückkehr in die Gesetzliche klappt in der Regel, wenn die Betroffenen versicherungspflichtig werden und nicht zu alt sind.

Versicherungspflicht als Arbeitnehmer

Es könnte so einfach sein: Ein Selbstständiger nimmt (nebenher) eine gering bezahlte versicherungspflichtige Beschäftigung auf – und wird so gesetzlich versichert. Das funktioniert zwar bei der Arbeitslosen- und Rentenversicherung – nicht jedoch bei der Gesetzlichen Krankenversicherung. Dort sind Personen solange von der Krankenversicherungspflicht als Arbeitnehmer ausgeschlossen wie sie „hauptberuflich selbstständig“ sind.

Doch diese Hauptberuflichkeit kann beendet werden. Wer mehr als 20 Stunden wöchentlich abhängig beschäftigt ist und dabei mehr als 1452,50 Euro brutto im Monat verdient, zählt – auch bei Fortführung seiner Selbstständigkeit – in der Regel als Arbeitnehmer und kann in die Gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Arbeitslosengeld I

Ein anderer Weg zurück in die Gesetzliche führt für Selbstständige mit Auftragsflaute über den Bezug der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld (ALG) I. Wer ALG I bezieht und jünger als 55 ist, wird automatisch gesetzlich versicherungspflichtig. Um Anspruch auf ALG I zu haben, müssen die Selbstständigen sich aber bei ihrer Existenzgründung freiwillig bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslosenversichert haben. Auch für den Bezug von ALG I muss die Selbstständigkeit nicht aufgegeben werden, sie darf pro Woche allerdings maximal 14,9 Stunden ausgeübt werden.

Alter

Wer älter als 55 ist, kann sich den Wechsel in die Gesetzliche Krankenversicherung in aller Regel abschminken. Selbst wer dann ALG I bezieht oder eine ansonsten sozialversicherte Beschäftigung aufnimmt, wird in der Regel nicht mehr aufgenommen.

Hintertür Familienversicherung

Für verheiratete Ältere gibt es noch eine Hintertür – vorausgesetzt ihr Ehepartner ist gesetzlich krankenversichert. Beträgt der Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit maximal 415 Euro pro Monat, können Betroffene ohne Altersgrenze von der beitragsfreien Familienversicherung der GKV profitieren.

Kurze Versicherungspflicht reicht

Ist die Rückkehr in die GKV erst gelungen, bleibt man auf Dauer gesetzlich versichert. Selbst wenn die Versicherungspflicht endet, schließt unmittelbar eine (verpflichtende) freiwillige Versicherung an.

Einfache Kündigung

Die Kündigung bei der privaten Versicherung ist problemlos. Hier greift eine Regelung des Versicherungsvertragsgesetzes, nach der eine Private Kranken- oder Pflegeversicherung beim Eintritt von Versicherungspflicht bzw. einer Familienversicherung umgehend gekündigt werden kann.

Beiträge in der GKV

Günstig sind die Beiträge für freiwillig Versicherte Selbstständige allerdings auch in der GKV nicht. Selbst bei relativ niedrigen Einkünften (Einnahmen minus Ausgaben) fallen allein für die Krankenversicherung monatlich mindestens rund 340 Euro an. Ausnahmen gibt es in Härtefällen. Auch dann müssen hauptberuflich Selbstständige aber noch mindestens knapp 230 Euro zahlen.

Achtung

Bevor Sie aber in Panik wegen gestiegener Beiträge von der PKV wieder zur GKV wechseln – informieren Sie sich über die Leistungen und Kosten bei der Gesetzlichen. Denn dort kann es eventuell teurer werden. Adressen für unabhängige Beratung finden Sie in unserem sechsseitigen Dossier zum Thema.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

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