Biallos Ratgeber: Der Abrufkredit als Dispo-Alternative

Von: Max Geißler
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Bei einem Dispozins von 10,5 Prozent kostet Bankkunden das jährlich 1,26 Milliarden Euro Zinsen.

Aachen. Laut Bundesbank stehen deutsche Girokonten durchschnittlich mit rund zwölf Milliarden Euro im Minus. Bei einem Dispozins von 10,5 Prozent kostet Bankkunden das jährlich 1,26 Milliarden Euro Zinsen. Ein effektiver Bremsklotz gegen teure Dispozinsen sind sogenannte Abrufkredite, auch Rahmenkredite genannt.

Sie kosten nur halb so viel wie ein Dispokredit, sind aber genauso flexibel. Hier ein Überblick zu Rahmen, Modalitäten, Risiken und auch Alternativen:

Der Kredit: Ein Abrufkredit ist ein Kreditkonto, das dauerhaft eine individuell vereinbarte Überziehungslinie bereithält. Der Zugriff auf diesen externen Disporahmen ist rund um die Uhr möglich. Die Zinsen sind deutlich preiswerter als bei Dispokrediten. Der Comfort-Kredit der Volkswagen Bank kostet beispielsweise nur 3,99 Prozent Zinsen, Oyak Anker Bank und Bank 11 berechnen aktuell 4,64 beziehungsweise 4,8 Prozent im Jahr. Fast alle Banken stellen Abrufkredite bereit.

Die Sparkassen koppeln das Kreditkonto jedoch meist an das hauseigene Girokonto. Nicht so private Institute. ING-Diba und Volkswagen Bank bestehen weder auf der Girokontoeröffnung noch auf Arbeitnehmerstatus. Dort kommen auch Selbstständige zum Zug. Die ING-Diba verzichtet zudem die ersten sechs Monate auf 30 Prozent der anfallenden Zinsen.

Der Kreditrahmen: Das Kreditvolumen geht weit über übliche Dispokredite hinaus. Meist genehmigen Banken bis zu 25.000 Euro, die Allgemeine Beamtenkasse und die Oyak Anker Bank stellen sogar bis zu 50.000 Euro bereit. Die BB Bank ermöglicht sogar bis zu 75.000 Euro, allerdings nur für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes. Abrufkredite sind genauso flexibel wie Dispokredite. Man kann jederzeit Geld entnehmen und das Saldo nach Belieben tilgen.

Die Darlehen sind kostenlos, Zinsen fallen nur für den in Anspruch genommenen Betrag an. Achten Sie jedoch auf Bearbeitungsgebühren: Die Deutsche Bank fordert pro Verfügung 1,0 Prozent – das kann den Zinsvorteil schnell aufzehren.

Die Rückzahlung: Bei vielen Banken ist die Tilgung frei wählbar. Bei der Diba heißt es dazu: „Sie tilgen den Kredit mit Zahlungen in beliebiger Höhe – egal wann, es gibt keine Laufzeitbegrenzung.“ Einige Institute schreiben ein oder zwei Prozent Mindesttilgung vor. So fordert die Volkswagen Bank ein Prozent des Verfügungsrahmens, die PSD Bank Hannover zwei Prozent. Etwas strenger ist die Santander Consumer Bank, bei der man mindestens 2,5 Prozent oder 100 Euro im Monat tilgen muss.

Positiv bemerkt werden muss: Sondertilgungen sind jederzeit in beliebiger Höhe erlaubt – ein Pluspunkt bei unregelmäßigen Zahlungseingängen.

Die Risiken: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät davon ab, den Abrufkredit zusätzlich zum Dispo in Anspruch zu nehmen. Da beide Kreditarten variabel verzinst werden, können Zinsanstiege die Kreditkosten jederzeit verteuern. Werde das Girokonto bis zum Anschlag überzogen und zeitgleich Geld beim Rahmenkredit geborgt, bestehe die Gefahr, in die Schuldenfalle zu tappen, erklären die Verbraucherschützer.

Ein Tipp an dieser Stelle: Umsichtige Kreditnehmer tilgen jeden Monat einen kleinen Betrag per Dauerauftrag.

Die Alternativen: Eine Alternative zum Abrufkredit ist ein sogenanntes Ratendarlehen. Feste Zinssätze und stabile Monatsraten sorgen für hohe Planungssicherheit, die aktuell niedrigen Zinsen für geringe Kosten. Die Kreditrate lässt sich dabei optimal auf die eigene Finanzsituation einstellen. Sondertilgungen sind jederzeit möglich. Topzinsen von unter drei Prozent bieten derzeit Barclaybank, SWK Bank und Santander Consumer Bank.

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