Aachen - Biallos Ratgeber: Das schnelle Geld ist nicht billig

Biallos Ratgeber: Das schnelle Geld ist nicht billig

Von: Annette Jäger
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Verlockend íst das Angebot: Wer schnell Geld braucht, bekommt im Pfand- und Leihaus Bares. Ein Vergleich lohnt sich. Foto: imago/Steinach

Aachen. Wer schon mal einen Kredit benötigt hat, weiß wie zeitaufwendig und umständlich es sein kann, an bares Geld zu kommen: Gehaltsnachweise, Schufa-Auskunft, Unterlagen, Prüfungen und Gespräche. Das geht auch schneller: Einfach den Familienschmuck ins Pfandhaus tragen und Geld kassieren.

Unbürokratisch und ohne persönliche Haftung - das zeichnet den Pfandkredit aus, bei dem man an Bares gelangen kann, ohne Schulden zu machen. Es ist der Kredit für jedermann. Vor allem für jene, die sonst nur schwer ein Darlehen bei einer Bank erhalten - wie etwa Rentner, Hartz- IV-Empfänger oder auch Selbstständige. „Hier geht es nur um die Werthaltigkeit des Pfandes. Die Kreditwürdigkeit der Person spielt keine Rolle”, sagt Stefanie Laag, Finanz- und Kreditexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Das Pfandgeschäft boomt. 2010 hatte die Branche einen Rekordumsatz von 580 Millionen Euro zu verbuchen. Doch Vorsicht: Der Verbraucher zahlt einen zumeist hohen Preis für das schnelle Geld.


Kosten eines Pfandkredits: Alle rund 200 privaten Pfandhäuser in Deutschland unterliegen der „Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher” von 1961. Darin sind die anfallenden Zinsen und Gebühren eines Darlehens für alle Pfandhäuser bundeseinheitlich festgeschrieben. Für einen Pfandkredit, der in der Regel über drei Monate läuft, darf der Pfandleiher demnach einen monatlichen Zins von einem Prozent erheben, plus eine Gebühr als Vergütung für Schätzung, Lagerung, Sicherung und Versicherung des Gegenstandes.

Verhandlungsspielraum

Bei einem Kredit von 300 Euro mit einer Laufzeit von einem Monat fallen insgesamt drei Euro Zinsen an plus 6,50 Euro an Gebühren, insgesamt also 9,50 Euro. Bis zu einer Darlehenshöhe von 300 Euro sind die Gebühren festgeschrieben. Darüber hinaus sind sie frei verhandelbar. „In der Regel betragen sie zwischen zwei und drei Prozent der Leihsumme pro Monat”, sagt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes in Düs seldorf.

Bei 1000 Euro Pfandkredit sind das nach einem Monat zehn Euro Zinsen, plus 20 bis 30 Euro an Gebühren, insgesamt bis zu 40 Euro. Nach drei Monaten summieren sich die Kosten bereits auf bis zu 120 Euro.

Darlehenssummen: Rund 250 Euro beträgt die durchschnittliche Darlehenssumme, die Bürger aus dem Pfandhaus mit nach Hause nehmen. Gold, Uhren und Juwelen werden am häufigsten versetzt. Der Zeitwert der abgelieferten Ware bestimmt die Kredithöhe. Rund die Hälfte des Zeitwertes erhält der Kunde als Darlehen, lautet die Faustregel.

Der Pfandleiher ist selbst daran interessiert, den Zeitwert möglichst genau zu bestimmen, denn er verdient an Zinsen und Gebühren und die sind umso höher, je wertvoller er die Ware schätzt. Allerdings kann es passieren, dass Pfandleiher den Wiederverkaufswert eines Gegenstandes unterschiedlich hoch einschätzen. „Verschiedene Angebote einholen lohnt sich”, rät Verbraucherschützerin Stefanie Laag. Wird ein Pfand nicht ausgelöst, kommt es unter den Hammer.

Bankkredit: Ein Ratenkredit ist günstiger: Eine Darlehenssumme von 5000 Euro kostet zum Beispiel bei einem Effektivzinssatz von rund 4,90 Prozent etwa elf Euro pro Monat. Bei einem Pfandkredit wären pro Monat 50 Euro allein an Zinsen fällig. Noch unkomplizierter ist ein Dispokredit, auch wenn hier zwischen sechs und 14 Prozent Zinsen anfallen, sofern man ihn nur kurzfristig in Anspruch nimmt. Ist man dauerhaft im Minus, ist dies zu teuer.
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