Biallos Ratgeber: Bevor ein Kind kommt: „Faktor IV“

Von: Rolf Winkel
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Aachen. „Der Elterngeldvollzug soll 2013 vereinfacht werden“, sagt die Bundesregierung. Finanzexperten sehen in den neuen Elterngeld-Regeln, die ab 2013 gelten, eher ein Sparprogramm auf dem Rücken der Eltern. Doch wer Bescheid weiß, kann gegensteuern.

Bei Geburten ab 2013 wird beim Elterngeld vieles anders – und manches schlechter. Dafür sorgt das „Gesetz zur Vereinfachung des Elterngeldvollzugs“, das am 1. Januar 2013 in Kraft tritt. Künftig fällt das monatliche Elterngeld mitunter um 100 Euro niedriger aus. Die neuen Regeln:

21-Prozent-Abzug:

Als Elterngeld gibt es rund zwei Drittel des Nettolohns der Mütter oder Väter im sogenannten Bemessungszeitraum. Das sind meist die zwölf Monate vor dem Beginn der Mutterschutzfrist. Wie hoch der Nettolohn war, rechnen die Elterngeldstellen ab 2013 selbst aus – und zwar aufgrund der Angaben der Arbeitgeber zum Bruttoentgelt. Für Sozialversicherungsbeiträge ziehen sie bei der Berechnung vom Brutto pauschal 21 Prozent ab.

Steuerfreibeträge zählen nicht mehr:

Bislang kann man auch beim Elterngeld mit hohen Freibeträgen auf der Steuerkarte punkten. Wer etwa einen weiten Weg zur Arbeit hat, schwerbehindert ist oder Unterhaltszahlungen an Kinder aus der ersten Ehe leisten muss, kann dafür Freibeträge auf der Steuerkarte eintragen lassen. So sinken die Steuerabzüge und der Nettolohn steigt – und bisher auch das Elterngeld. Künftig gilt dies nicht mehr.

Bei der Umrechnung vom Brutto ins Netto werden nur noch Freibeträge berücksichtigt, die allen Steuerpflichtigen zustehen. Für Berufspendler und Schwerbehinderte bedeutet das ein dickes Minus beim Elterngeld. Zudem bringt der bislang bei Eltern beliebte Wechsel der Mutter in Steuerklasse III künftig oft nichts mehr. Denn für die Berechnung des Elterngelds zählt ab 2013 eine neue eingetragene Klasse nur dann, wenn sie zuletzt und insgesamt mindestens sechs Monate lang auf der Steuerkarte eingetragen war.

Gegensteuern mit „IV-Faktor“:

Zumindest Ehepaare können die skizzierten Nachteile beim Elterngeld abwenden – wenn sie frühzeitig handeln. Sie sollten sich vor allem bereits vor einer Schwangerschaft für das sogenannte Faktorverfahren bei Steuerklasse IV entscheiden. Das ist einfacher als es sich anhört. Faktor IV muss beim zuständigen Finanzamt beantragt werden – möglichst mit dem „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“. Das Finanzamt berücksichtigt hierbei auch die individuellen Freibeträge (etwa für Behinderungen oder Fahrtkosten). Wer hohe Freibeträge geltend machen kann, kann zum Beispiel den Faktor „0,6“ erhalten. Das bedeutet: Die Ehepartner müssen dann jeweils nur 60 Prozent der Lohnsteuer zahlen, die normalerweise bei Steuerklasse IV fällig wäre. Entsprechend höher fällt dann der Nettolohn aus – und das Elterngeld. Denn der Faktor der Steuerklasse IV zählt auch bei der Berechnung des Elterngelds. Vorausgesetzt, er war in den letzten sechs Monaten vor Beginn der Mutterschutzfrist auf der Steuerkarte eingetragen.

Schlechte Karten für Unverheiratete:

Unverheiratete haben keine Chance auf Berücksichtigung ihrer Steuerfreibeträge beim Elterngeld. Schwerbehinderte Eltern haben damit beispielsweise das Nachsehen, wenn sie unverheiratet sind. Manche Steuerexperten halten diese Ungleichbehandlung für verfassungswidrig. Das bedeutet: Mit Klagen ist zu rechnen – und damit auch wieder mit einer Neufassung des Elterngeld-Gesetzes.

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