Aachen - Biallos Ratgeber: Besser erben im Familienpool

Biallos Ratgeber: Besser erben im Familienpool

Von: Fritz Himmel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Immer mehr Privatvermögen eignen sich nicht gut für Erbfälle. Laut einer Postbank-Studie rechnen bereits jetzt 26 Prozent der Empfänger künftiger Erbschaften mit Konflikten. Solche Erbauseinandersetzungen – vor allem bei größeren Familien und Erben mit unterschiedlichen Lebensplanungen und Interessen – bergen enorme Gefahren für das Gesamtvermögen.

Kompliziert wird es immer bei schwer teilbaren Gegenständen wie etwa Grundbesitz. Und gerade Häuser, Grundstücke oder Wohnungen sind laut Postbank-Studie künftig in zwei von drei Nachlässen enthalten.

Drohungen wie „wir wollen unseren Erbteil, sonst versteigern wir die Hütte“, stehen dann schnell im Raum. Gerade eine solche Zersplitterung ist aber vom Schenker oder Erblasser meist nicht gewollt.

Die Familiengesellschaft: „Ein sinnvolles Instrument, das Vermögen sicher und generationenübergreifend zu erhalten, bietet hier für umsichtige Erblasser die Gründung einer Familiengesellschaft“, sagt Agnes Fischl, Fachanwältin für Erbrecht. Das ist ein Zusammenschluss von mehreren Personen, in der Regel Eltern, Kinder und Enkelkinder. Sie ist in den meisten Fällen eine Personengesellschaft wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder die Kommanditgesellschaft (KG). Welche Gesellschaftsform die jeweils geeignete ist, hängt von den beteiligten Personen, deren Lebensalter, dem zu übertragenden Vermögen und dessen Steuerlast ab.

So ein Familienpool kann die Übertragung und das Halten von Grundstücken, Kontoguthaben, Anteilen an Kapitalgesellschaften oder beweglichen Gegenständen zum Ziel haben. Dabei wird die Übertragung des Vermögens durch Ein- und Austritt von Gesellschaftern beziehungsweise durch Änderung der jeweiligen Beteiligungsquoten gesteuert.

Vorteile: Die Vermögensnachfolge wird unabhängig von den zwingenden gesetzlichen Bestimmungen des Erbrechts geregelt. „Hier stellen die Beteiligten ihre eigenen vertraglichen Spielregeln auf“, sagt Erbrechtsexpertin Fischl. „Ein Vorteil liegt dabei in der frühzeitigen Übertragungsmöglichkeit an die nachfolgende Generation, ohne dass gleichzeitig das Vermögen wie sonst üblich aufgeteilt werden muss oder die Verfügungs- und Nutzungsmöglichkeit hieran verloren geht.“

Die Eltern können sich trotz konstanter Abgabe ihrer Anteile zeitlebens die volle Verfügungsgewalt über das übertragene Vermögen vorbehalten. Dies geschieht, indem der Vermögensinhaber oder Schenker sich bereits bei Gründung der Familiengesellschaft das alleinige Recht zur Geschäftsführung sowie sämtliche Stimmrechte vorbehält.

Weitere wesentliche Vorteile beim Familienpool sind die optimale Steuerplanung inklusive der Einsparung von Erbschaft- und Einkommensteuer, die Vermeidung von Pflichtteilen und Unterhaltsansprüchen, der Schutz vor Gläubigern der Gesellschafter sowie eine effektive Steuerung des Vermögens bis in die dritte Generation. Die drohenden Konfliktsituationen einer Miteigentümer- oder Erbengemeinschaft bleiben außen vor.

Nachteile: Veränderungen der Grundsätze des Gesellschaftsvertrages sind nur bei entsprechenden Stimmenmehrheiten möglich. Auch fällt ein gewisser Verwaltungsaufwand wie Gesellschafterbeschlüsse oder Steuererklärungen an. Und es gibt Gründungskosten. In der Regel sind dies Beratungs-, Notar- sowie eventuelle Grundbuchgebühren.

Für wen ist das Modell geeignet?

Es ist füralle Familien geeignet, die ihr Vermögen dauerhaft vor Zersplitterung und dem möglichen Zugriff Fremder schützen wollen. „Aus steuerlicher Sicht ist es immer dann sinnvoll, wenn Immobilien und Kapitalvermögen auf Nachkommen übertragen werden sollen, die in ihrem Wert die schenkungssteuerlichenFreibeträge übersteigen“, sagt Agnes Fischl.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

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