Aachen - Biallos Ratgeber Berufsunfähigkeitspolice: Zahlreiche Stolpersteine

Biallos Ratgeber Berufsunfähigkeitspolice: Zahlreiche Stolpersteine

Von: Annette Jäger und Horst Biallo
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Der Fall der Fälle: Bevor er ins Rentenalter kommt, kann jeder vierte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben. Eine entsprechende Versicherung kann den Einkommensverlust abdecken. Foto: Stock/Udo Krämer

Aachen. Hat man eine Berufsunfähigkeitspolice in der Schublade, wiegt man sich in Sicherheit. Sollte die Gesundheit nicht mehr mitmachen - wie bei jedem vierten Arbeitnehmer vor Erreichen des Rentenalters - ist zumindest der Einkommensverlust abgedeckt. Doch dieser Eindruck trügt.

Gerade wenn es um geltend gemachte Ansprüche geht, ist der Streit mit dem Versicherer oft vorprogrammiert. „Die Stolpersteine dieser Police ziehen sich wie ein roter Faden vom Vertragsabschluss bis hin zum Leistungsantrag und der Auszahlung der Rente”, sagt Sabine Martin, Anwältin mit Schwerpunkt Berufsunfähigkeit aus Frankfurt. Häufigster Streitpunkt: Ungenau beantwortete Gesundheitsfragen im Antrag und Probleme mit den Gutachten.

Gesundheitsfragen: Hat man die Fragen zum Gesundheitszustand bei Abschluss einer Police nicht korrekt beantwortet, „ist das erste Scheunentor geöffnet für spätere Streitigkeiten”, sagt Versicherungsmakler Helge Kühl aus Neudorf. Er rät, sich bei den Antragsfragen „Zeit zu lassen und behandelnde Ärzte anzurufen”.

Anwältin Martin hat gute Erfahrungen damit gemacht, eine Auskunft bei der Krankenkasse einzuholen. Vom Versicherungsvertreter sollte man sich keinesfalls überzeugen lassen, dass manche Details unwichtig seien. „Sein wirtschaftliches Interesse am Zustandekommen des Versicherungsvertrages darf man nicht übersehen”, sagt Martin, die auch Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins „PV-Anspruchshilfe” in Frankfurt ist, der Mitglieder beim Geltendmachen von Ansprüchen berät.

Mitteilungspflicht: Kommt es zu einer Berufsunfähigkeit, ist dies der Versicherung schriftlich mitzuteilen. Beim Ausfüllen des Leistungsantrags bieten viele Unternehmen telefonische Hilfe an. „Man sollte sich keinesfalls telefonisch zum Gesundheitszustand äußern”, warnt Kühl. Die Gefahr, dass man Auskünfte gibt, die einem hinterher zum Nachteil gereichen, sei groß. Er rät, sich bereits in diesem Stadium anwaltliche Hilfe zu holen.

Berufsalltag: „Allerhöchste Sorgfalt”, so Martin, sei auf die Beantwortung der Frage zur beruflichen Tätigkeit zu verwenden, die man im Leistungsantrag beschreiben muss. Denn diese Schilderung werde in Beziehung zum Beschwerdebild gesetzt und biete die Grundlage für die Entscheidung, ob jemand wirklich nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. „Man sollte einen typischen Arbeitstag detailliert schildern”, sagt Martin. Auch Faktoren wie Ausstrahlung oder Verhandlungsgeschick sollte man berücksichtigen, wenn sie zur Tätigkeit gehören.

Gesundheitszustand: Einer der größten Streitpunkte sind Gutachten, die das Versicherungsunternehmen in Auftrag gibt, um den Gesundheitszustand ihres Kunden zu überprüfen. Nur bei einer Berufsunfähigkeit von 50 Prozent muss der Versicherer die Rente bezahlen. „Diese Gutachter sind nicht immer objektiv”, sagt Martin. Ob jemand zu 49 oder zu 51 Prozent berufsunfähig ist, ist nicht selten auch eine Interpretationssache. Am schwierigsten sei es, psychische Probleme zu bewerten. Die Juristin rät, zur Begutachtung eine Begleitperson mitzunehmen, die als Zeuge fungieren kann. „Ist man der Ansicht, das Gutachten trifft nicht zu oder der Gutachter ist nicht objektiv, sollte man das nicht hinnehmen und soweit finanziell möglich, ein eigenes Gutachten einholen”, so Martin.

Fazit: Eine Rechtsschutzversicherung ist ratsam. Im Streitfall ist man ohne Hilfe eines Anwalts meist auf verlorenem Posten. Die beste Vorsorge ist jedoch ein korrekt ausgefüllter Antrag bei Abschluss einer Police sowie gute Vertragsbedingungen. „Dann ist man schon mal auf der sicheren Seite”, sagt Kühl.
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