Biallos Ratgeber: Beim Bezahlen ist Schluss mit lustig

Von: Annette Jäger und Fritz Himmel
Letzte Aktualisierung:
11569655.jpg
Verschiedene Versicherungen: Nach einem gemeldeten Schaden wird die Leistung in Form einer Geldsumme unkompliziert, schnell und ohne Nachfragen überwiesen. Es gibt aber auch Fälle, in denen es anders abläuft. Foto: stock/Jochen Tack

Aachen. Die Versicherung zahlt nicht? Dahinter steckt nicht selten eine Strategie der Unternehmen. Verzögerungs- und Zermürbungstaktiken der Versicherungsunternehmen beim Begleichen von Leistungen sind, gerade wenn es um größere Summen geht, keine Seltenheit. Das können Experten bestätigen, die im Verbraucherschutz tätig sind.

Leider ist es manchmal der Versicherungsnehmer selbst, der dem Versicherer unwissentlich in die Hände spielt und ein Detail liefert, an dem das Unternehmen seine Leistungsverweigerung festmachen kann. Wie Versicherte sich schützen können, um im Schadensfall an ihr Geld zu kommen:

Versicherungsbedingungen: Der banalste Fall der Leistungsverweigerung ist, wenn ein Schadensszenario gar nicht versichert ist. Viele Versicherungsnehmer haben noch nie einen Blick in die Versicherungsbedingungen geworfen. Dabei sind sie der Dreh- und Angelpunkt für Streitigkeiten. Hier ist klar aufgelistet, in welchen Fällen der Versicherer in Leistung tritt – und was alles ausgeschlossen ist. „Mindestens die Kurzform, das Produktinformationsblatt, sollte man lesen“, rät Thorsten Rudnik, Versicherungsberater und Experte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Hier steht auch geschrieben, welche Pflichten der Versicherungsnehmer zu erfüllen hat. Im Schadensfall muss er alles Zumutbare tun, um den Schaden gering zu halten.

Antragstellung: Die größte Fehlerquelle lauert bei der Antragstellung. „Mindestens 50 Prozent der Streitigkeiten bei Leistungsverweigerung drehen sich um die vorvertragliche Anzeigepflicht“, sagt Rudnik. Also fehlende oder falsche Angaben im Antrag für eine Police. Im Schadensfall wird der Versicherer jedes Detail überprüfen und jedes Schlupfloch nutzen, um die Leistung zu verzögern, zu reduzieren oder gar zu verweigern. Knackpunkt sind die Gesundheitsfragen. Sie werden allzu oft schludrig beantwortet. Oder der Kunde lässt sie gar vom Versicherungsvertreter ausfüllen. „Dieser erhält eine Provision und ist nicht unabhängig“, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Solche komplizierten Anträge sollten Sie laut Boss nur mit Hilfe unabhängiger Berater ausfüllen.

Schadensmeldung: Versäumt der Versicherungsnehmer Fristen bei der Schadensmeldung, macht er es dem Unternehmen einfach, sich querzustellen. Bei der Unfallversicherung müssen Schäden unverzüglich gemeldet werden, in der Regel spätestens innerhalb einer Woche. „Bei Policen, die den Todesfall absichern, gilt sogar nur eine Frist von 48 Stunden. Möchte man Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen, lohnt es sich ebenfalls, sich einen unabhängigen Experten an die Seite zu holen“, rät Boss. Versicherungsberater, Verbraucherzentralen, auch der BdV sind seriöse Anlaufstellen. „Hier sind oft 30-seitige Fragebögen auszufüllen. Als Laie wählt man dann Formulierungen, die Nährboden für juristische Auseinandersetzungen bieten.“

Rechtsschutzversicherung: Kommt es zum Streit zwischen Versicherer und Versichertem, können sich Kunden an die Verbraucherzentralen oder den BdV wenden. Auch der Versicherungsombudsmann kann hier helfen. Seine Entscheidungen sind bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro bindend für die Versicherungsunternehmen. In letzter Instanz bleibt der Gang vor Gericht.

Eine Rechtsschutzversicherung, die unter anderem Anwalt und Prozesskosten finanziert, ist dann ein Segen. Wichtig: Die Police schließt viele Szenarien aus den Leistungen aus. „Wenn es sich bei den Streitigkeiten um Angaben in einem Versicherungsantrag dreht, leistet die Rechtsschutzpolice nur, wenn sie schon vor dem Zeitpunkt der Antragstellung, um die es geht, abgeschlossen wurde“, warnt Rudnik. Wer auf der sicheren Seite sein will, schließt eine Rechtsschutzversicherung ab – und nach erfüllter Wartezeit alle anderen Policen.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert