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Biallos Ratgeber: Bei Fragen zur Gesundheit währt ehrlich am längsten

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Fragen zum Gesundheitszustand in Versicherungspolicen werden oft zum Stolperstein. Es gilt: lieber akribisch und korrekt zu antworten.

Wann ist die Gesundheit relevant? „Bei Policen, die einen Todesfall- oder Krankenschutz gewähren, sind Fragen zum Gesundheitszustand obligatorisch“, sagt Versicherungsberater Stefan Albers. Das ist zum Beispiel bei Berufsunfähigkeits-, Risikolebens-, privater Kranken- oder Pflegepolice der Fall. Chronische Leiden und vor allem psychische Erkrankungen sind oft vom Versicherungsschutz ausgenommen. Andernfalls verlangt der Versicherer hohe Risikoaufschläge, oder aber man wird als Kunde ganz abgelehnt. Das sollte einen jedoch nicht dazu verführen, falsche Angaben zu machen. „Versicherer forschen erst im Schadensfall akribisch nach. Wenn jemand seine Anzeigepflicht verletzt, kann sich der Versicherer vom Vertrag lösen“, warnt Mandy Fock vom Bund der Versicherten.

Was wird gefragt? Unternehmen formulieren die Fragen zum Gesundheitszustand sehr unterschiedlich. „Positiv ist, wenn präzise gefragt wird“, sagt Albers. Typisch ist, wenn man bei ambulanten Therapien über drei zurückliegende Jahre berichten muss, bei stationären Behandlungen über fünf Jahre und bei psychotherapeutischen über zehn Jahre. Riskant ist, wenn im Antrag allgemein nach „Beschwerden und Anomalien“ gefragt wird. „Dann muss man ab Geburt beichten“, sagt Albers. Und da vergisst man gerne etwas. Der Versicherer wird es im Schadensfall aufdecken. Denn sämtliche Behandler entbindet man schon im Antrag von der Schweigepflicht. Dann sucht man sich lieber gleich einen Anbieter, der präzisere Fragen stellt.

Was muss man angeben? Natürlich muss man offensichtliche Krankheiten wie eine Lungenentzündung angeben. Doch es gibt auch Leiden, die man selbst vielleicht nicht als Krankheit einstuft, sagt Albers: Prüfungsstress, eine Melanomentfernung, eine Nussallergie, eine Medikamentenunverträglichkeit, die man nie ärztlich hat behandeln lassen oder auch ein Bluttest zur reinen Vorsorge. „Je nach Fragestellung müssen Verbraucher auch Leiden ohne Arztbesuch und Behandlungen ohne Diagnoseergebnis angeben“, sagt Fock.

Wie geht man vor? Um nichts zu vergessen, lässt man sich am besten vom Haus- und vom Zahnarzt einen Auszug aus der Patientenkartei geben, rät Albers. Dazu ist der Arzt verpflichtet. Darüber hinaus zählen auch Besuche bei Heilpraktikern und Physiotherapeuten, bei der Familienberatungsstelle und dem Psychotherapeuten. Gerne vergisst man den Besuch beim Hautarzt und was man dem Anästhesisten vor einer Operation gebeichtet hat, hat Albers erfahren. Hier forschen Versicherer im Leistungsfall gerne regelmäßig nach.

Was bringt eine anonyme Anfrage? Versicherer schätzen Risiken unterschiedlich ein. Wer Vorerkrankungen hat, kann über einen Versicherungsberater eine sogenannte anonyme Risikovoranfrage stellen, empfiehlt Albers. Dazu reicht man anonymisierte Gesundheitsfragen bei Unternehmen ein und kann so ein objektives Angebot erhalten. Denn wer einmal namentlich von einem Versicherer abgelehnt wurde, hat kaum Chancen, bei einem anderen genommen zu werden.

Gutgemeinte Tipps: Nur weil man meint, es mit Experten zu tun zu haben, sollte man sich nicht verleiten lassen, relevante Beschwerden nicht zu nennen. Im Ernstfall muss man alleine dafür geradestehen, was im Versicherungsantrag steht. Um Fehler zu vermeiden, lohnt es sich, einen Experten bei der Antragstellung zu Rate zu ziehen. Der Bund der Versicherten hilft weiter (www.bundderversicherten.de) oder auch ein Versicherungsberater (Beratersuche über den Bundesverband der Versicherungsberater, www.bvvb.de).

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