Berlin - Beruf entscheidet über Erwerbstätigkeit im Alter

Beruf entscheidet über Erwerbstätigkeit im Alter

Von: Hendrik Roggenkamp, ddp
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Berlin. Die Argumente pro und kontra „Rente mit 67” sind bekannt: Während ihre Befürworter auf die Alterung der Gesellschaft und die angespannte Finanzlage der Rentenkasse verweisen, argumentieren ihre Gegner, dass viele Arbeitnehmer noch nicht einmal bis zur aktuellen Altersgrenze von 65 Jahren ihrem Beruf nachgehen können.

Tatsächlich hat sich die Lebensarbeitszeit in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verlängert - mittlerweile steht der Durchschnittsbürger bis zum Alter von annähernd 62 Jahren im Erwerbsleben. Doch geht aus dieser Statistik nicht hervor, ob Menschen bis zu diesem Alter einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen oder lediglich einen Minijob haben. Selbst ältere Arbeitslose, die noch nach einer Beschäftigung suchen, sind in dieser Rechnung erfasst.

Auch Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg Essen wecken Zweifel daran, dass sich das Berufsleben durch die Heraufsetzung des Rentenalters verlängern lässt. So geht heute lediglich jeder Zehnte nahtlos aus einer versicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit mit 65 Jahren in die Regelaltersrente.

Die übrigen 90 Prozent der Altersrentner entscheiden sich entweder für den vorgezogenen Ruhestand und nehmen Abschläge in Kauf, oder sie waren schon vor ihrem 65. Geburtstag nicht mehr versicherungspflichtig beschäftigt.

In welchen Berufen das Risiko für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben besonders hoch ist, hat der IAQ-Arbeitsmarktforscher Martin Brussig untersucht. Insbesondere ab dem 60. Lebensjahr zeigten sich demnach deutliche Unterschiede bei der Erwerbstätigkeit. Zunächst wenig überraschend ist der Befund, dass vor allem Beschäftigte mit „manuellen Berufen” nicht bis 65 durchhalten.

Bemerkenswert ist hingegen, dass nicht nur körperlich stark belastete Arbeitnehmer wie beispielsweise Bauarbeiter, sondern auch Elektriker oder Mechaniker überdurchschnittlich häufig bereits ab Mitte 50 nicht mehr arbeiten. Das gelte auch für Menschen mit qualifizierten Dienstleistungsberufen wie etwa Polizisten, Feuerwehrleuten oder auch Lokführern, so der Wissenschaftler.

Skeptisch beurteilt Brussig den Vorschlag, besonders gefährdete Arbeitnehmer in höherem Alter auf körperlich weniger belastende Berufe umzuschulen. So dürfte es „nahezu ausgeschlossen” sein, im Alter in einen „Professionsberuf” einzusteigen, also beispielsweise aus einem 50-jährigen Elektriker einen Lehrer zu machen.

Auf der anderen Seite komme es einem beruflichen Abstieg gleich, wenn ältere Menschen ihren erlernten Beruf gegen eine im Vergleich einfachere Tätigkeit eintauschen müssten. Dabei gingen auch Erfahrungswissen und Kompetenzen verloren. Allein schon um dem Qualifikationsverlust vorzubeugen, seien Initiativen für eine „alternsgerechte Arbeitsgestaltung notwendig”, fordert Brussig.
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