Bei Assistance-Versicherungen auf zusätzliche Kosten achten

Von: Beate Kaufmann, dpa
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Teurer Beistand: Bei Assistance-Versicherungen auf Kosten achten
Die Tür ist zu, der Schlüssel steckt drinnen: Gegen solche unangenehmen Zwischenfälle kann man sich mit Assistance-Leistungen absichern - die Versicherung kümmert sich dann um den Schlüsseldienst. Foto: dpa

Hamburg. Was kann einem nicht alles passieren? Das Auto kann stehen bleiben, die Tür hinter einem ins Schloss fallen, man kann seine Papiere oder seinen Schlüssel verlieren, einen Unfall haben oder beraubt werden. Situationen, die keiner gern erleben möchte und bei denen man meist auf Hilfe angewiesen ist.

Diese Hilfe verkaufen auch Versicherungen. „Wer eine Assistance-Versicherung abgeschlossen hat, der kann im Notfall eine Hotline der Versicherung anrufen”, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der dortige Ansprechpartner kümmere sich dann direkt um Hilfe. So organisiert er etwa den Abschlepp- oder den Schlüsseldienst, beauftragt jemanden für die Behördengänge oder sorgt für Hilfe rund um den Haushalt. Je nachdem, um welchen Notfall es sich handelt und was im Versicherungsvertrag festgelegt wurde.

Vorteil für den Assistance-Versicherten: Er muss sich um nichts kümmern und kann fast sicher sein, dass der beauftragte Dienstleister seriös ist. „Die Versicherer haben Partner an der Hand, mit denen sie Rahmenverträge abgeschlossen haben”, sagt Rüter de Escobar. Dadurch sind die Kosten kalkulierbar - für die Versicherung und teilweise auch für den Versicherten. Denn je nach Vertrag organisiert die Versicherung die Hilfe nur, die Kosten trägt sie nicht immer. Oder wenn, dann nur zeitlich begrenzt.

„Der Versicherte sollte die Vertragsbedingungen sehr genau lesen”, rät daher Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Nicht dass die Gartenpflege nur organisiert, aber nicht bezahlt wird, oder der Menübringdienst zwar kommt, aber auch die Rechnung mitbringt. „Viele wissen nicht, was sie unterschrieben haben, und die Branche versucht, durch Begrifflichkeiten zu täuschen”, sagt Rudnik. So helfe beim „Haus-Schutzbrief” der Elektro- oder Sanitärnotdienst zum Beispiel nur bei Schäden an elektrischen Leitungen unter Putz oder bei Bruch eines Heizkörpers. Fälle, die nicht gerade alltäglich sind.

„Meistens wird eine Assistance-Versicherung zusammen mit anderen Versicherungsprodukten angeboten”, sagt Katrin Rüter de Escobar. Wer also eine Unfallversicherung abschließt, der wird häufig auch auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, die eine Assistance in diesem Zusammenhang bietet. Vor allem ältere Menschen stocken ihre Versicherungsleistung gerne auf. So haben mittlerweile mehr als 500 000 Senioren eine entsprechende Unfallversicherung mit Zusatzhilfe abgeschlossen. Sie wollen sicher sein, Unterstützung zu bekommen, ohne jemandem zur Last zu fallen, wenn sie sich wegen eines Unfalls vorübergehend nicht mehr selbst versorgen können.

Allerdings lassen sich die Versicherungen so viel Hilfe und Service auch gut bezahlen. „Eine Unfallversicherung mit Assistance kostet teilweise das Dreifache, im Vergleich zu einer ohne”, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Es lohne sich für die meisten Menschen nicht, für die angebotenen Leistungen einen solchen Aufpreis zu bezahlen. Zumal das, was man da versichere, zum Beispiel Hilfe im Haus oder Garten oder ein Schlüsseldienst, finanziell auch nicht so belastend sei.

Auch Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät, erst einmal solche Dinge zu versichern, die einen finanziell ruinieren könnten. „Die Kosten für den Nicht-Assistance-Versicherten halten sich in Grenzen”, sagt er.

Abgesehen von den hohen Prämien lauern in den Verträgen noch andere Überraschungen. Ärgerlich findet Thorsten Rudnik das Kündigungsrecht. „Wenn man schon Senioren anspricht, dann finde ich es schäbig, sich das ordentliche Kündigungsrecht zu erhalten”, kritisiert er. Bei Personenversicherungen sei das nicht üblich. So könne der Fall eintreten, dass die Versicherung die Assistance kündige - zum Beispiel, wenn der Versicherte sie zu oft in Anspruch nehme.

Dennoch kann eine Assistance eine gute Sache sein, da sind sich auch die Kritiker einig. „Das ist eine gute Idee für Menschen, die keine Hilfeleistung aus ihrem Umfeld bekommen”, sagt Elke Weidenbach. Und ihr Kollege Peter Grieble sagt, wer niemanden habe, der sich im Notfall um einen kümmern könne, wer kein Organisationstalent besitze oder sich mit einer Assistance einfach sicherer fühle, für den könne eine solche Police sinnvoll sein.

Wer eine Assistance-Versicherung möchte, der sollte die Vertragsbedingungen sehr genau lesen und vergleichen. Preise und Leistungen gehen stark auseinander. Und nur wenn beides stimmt, wird die Police zu einem Rundum-Sorglos-Paket.
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