Auf der Suche nach Rendite: Zinsen bewegen sich wenig

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Für Sparer sind Zinsen derzeit kaum interessant - Anleger können dennoch attraktive Angebote finden. Foto: dpa

Schondorf/Frankfurt/Main. Der Pfeil zeigt wieder nach oben: Die Zinsen sind in den vergangenen Wochen gestiegen - allerdings nur leicht. Sparer sollten daher bei der Wahl ihrer Anlagen genau hinschauen.

Anleger werden derzeit beim Blick auf die Zinssätze der Banken nicht froh. Zwar sind sie in den letzten Monaten wieder leicht gestiegen. Doch vom Niveau vor der Finanzkrise sind sie immer noch weit entfernt. Umso wichtiger ist es, sich die attraktivsten Angebote herauszupicken. Wer in Zukunft auf steigende Zinsen hofft, sollte sich außerdem nicht zu lange binden.

Entscheidend bei der Geldanlage ist nicht der nominelle Zinssatz, sondern der Realzins, wie Finanzexpertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf erläutert: „Er errechnet sich aus dem Zinssatz abzüglich der Inflationsrate. Derzeit liegt dieser Realzins bei etwa ein Prozent. Das ist im Vergleich zu früheren Jahren gar nicht so schlecht.”

Tatsächlich war dieser Wert in der letzten Hochzinsphase Ende 2008 nicht höher. Damals schnellten die Tagesgeldangebote auf bis zu 3,5 Prozent in die Höhe. Die Inflation stieg aber auch kräftig auf bis zu 2,9 Prozent an. „Der Anleger muss gucken, dass er für seine Geldanlage mindestens Inflationsausgleich bekommt”, erklärt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt/Main. Ein Vergleich der Zinssätze in den einzelnen Anlageklassen kann zu einer zumindest etwas besseren Rendite führen.

TAGESGELD: „Tagesgeld oder Festgeld hat den Vorteil, dass es sehr sicher ist, dafür aber einen relativ geringen Zinssatz bietet”, erklärt Verbraucherschützerin Oelmann. Der durchschnittliche Zinssatz auf Tagesgeldkonten liegt laut FMH-Finanzberatung derzeit bei nur 1,13 Prozent. Allerdings gibt es auch mehrere Anbieter mit leicht über 2 Prozent. „Man sollte sich die Rosinen herauspicken”, sagt Horst Biallo von der Finanzberatung Biallo & Team GmbH aus dem bayerischen Schondorf.

Zu dem Spitzenreiter bei den Tagesgeldangeboten zählt derzeit mit der Bank of Scotland ein ausländischer Anbieter. Experten glauben aber nicht, dass darin ein größeres Risiko liegt als bei deutschen Banken. Seit diesem Jahr sind Anlagebeträge bis 100.000 Euro innerhalb der Europäischen Union gesetzlich geschützt.

In Deutschland gibt es zwar noch eine darüber hinaus gehende freiwillige Einlagensicherung, die auch höhere Summen absichert. „Das durchschnittliche Tagesgeldvolumen liegt in Deutschland bei 15.000 bis 20.000 Euro. Ich denke daher, dass die gesetzliche Einlagensicherung in den meisten Fällen ausreicht”, sagt Biallo.

FESTGELD: In Zeiten niedriger Zinsen sollte man sich bei der Geldanlage grundsätzlich nicht zu lange binden. Grundsätzlich ist das aber nach Angaben von Verbraucherschützerin Oelmann eine individuelle Entscheidung: „Wer auf stagnierende oder fallende Zinsen setzt, kann sein Geld auch länger auf einem Festgeldkonto anlegen.” Man gehe damit natürlich das Risiko ein, dass man nicht von möglicherweise steigenden Zinsen profitiert.

Ein deutliches Plus an Rendite brauchen Anleger allerdings auch nicht zu erwarten, wenn sie ihr Geld auf das Festgeldkonto packen. Der Spitzenreiter laut aktuellem FMH-Vergleich bietet lediglich 2,40 Prozent. Im Durchschnitt sind es lediglich mickrige 1,4 Prozent.

BUNDESWERTPAPIERE: Die Wertpapiere des Bundes gelten zwar als sehr sicher, bieten aber derzeit noch weniger Zinsen als die Angebote der Banken. „Die meisten bundeseigenen Wertpapiere sind zudem nicht so flexibel wie ein Tagesgeldkonto, bei dem man jederzeit auf sein Geld zugreifen kann”, sagt die Düsseldorfer Verbraucherschützerin Oelmann.

Zur Vorsicht rät sie bei ausländischen Staatsanleihen. Die bieten zwar deutlich höhere Renditen als Bundeswertpapiere: „Wie die Fälle von Griechenland, Island oder Spanien gezeigt haben, kann hierin aber auch ein großes Risiko liegen.”

SPARBRIEFE: Nach Beobachtung von Max Herbst sind in den vergangenen Monaten die Zinsen für Bundesschatzbriefe stark angestiegen. Seit August sind sie um 40 Prozent geklettert und liegen aktuell bei etwa 2 Prozent. Der Finanzexperte geht davon aus, dass die Banken diesem Trend folgen werden und die Zinsen für Sparbriefe mit jährlich steigenden Zinsen ebenfalls erhöhen werden. „Davon könnten Sparer profitieren, die ihr Geld längerfristig anlegen und dennoch flexibel bleiben möchten.” Anleger sollten seiner Meinung nach aber noch den Markt beobachten und erst nach einer Zinserhöhung zuzugreifen.

INVESTMENTFONDS: Wer sein Geld länger entbehren kann, liegt mit Investmentfonds richtig. Sie bieten auf lange Sicht höhere Renditen als die kurzfristige Anlage. „Bei Fonds sollten Anleger aber darauf achten, dass man keinen Ausgabeaufschlag zahlen muss”, sagt Biallo. Er rät dazu, Fondsanteile über Discount-Broker zu kaufen, die meist im Vergleich zu Filialbanken deutlich reduzierte oder gar keine Ausgabeaufschläge kassieren.

SCHWARZE SCHAFE: Das niedrige Zinsniveau wird auch von unseriösen Anbietern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgenutzt. Sie locken außerhalb der staatlichen Finanzaufsicht mit zum Teil deutlich höheren Zinsen. Verbraucherschützerin Annabel Oelmann rät aber, sich davon nicht blenden zu lassen: „Hohe Zinsen bedeuten immer ein hohes Risiko. Der Anleger kann im schlimmsten Fall sein gesamtes Kapital verlieren.”
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